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    NFL

    vor 7 Stunden

    Zwei Defensive Genies

    Seahawks vs. Vikings: Wer hat gerade wirklich die beste Defense der NFL?

    Die Seattle Seahawks und die Minnesota Vikings liefern sich in dieser NFL-Saison ein Rennen, das auf den ersten Blick kaum eindeutiger sein könnte - und auf den zweiten Blick umso spannender wird. Während Seattle die wenigsten Yards aller Teams zulässt, ist Minnesota das Maß aller Dinge, wenn es darum geht, gegnerische Punkte zu verhindern. Doch welche Defense ist tatsächlich die bessere?

    Die Vikings gegen die Seahawks
    Die Vikings und Seahawks haben die besten defenses der Liga. IMAGO/Imagn Images

    Zwei Defenses, zwei unterschiedliche Philosophien und trotzdem nahezu identische Ergebnisse. Sowohl Mike Macdonald in Seattle als auch Brian Flores in Minnesota gehören aktuell zu den erfolgreichsten Defensive Coordinators der NFL. Dabei setzen sie auf ganz unterschiedliche Mittel, um gegnerische Offenses vor Probleme zu stellen. Ein Blick auf die Spielweise beider Mannschaften zeigt, warum die Frage nach der besten Defense der Liga momentan so spannend ist.

    Mike Macdonald: Kontrolle durch Vielseitigkeit

    Die Seattle Seahawks sind aktuell die statistisch stärkste Defense der NFL, wenn es um zugelassene Yards geht. Gerade einmal 233,9 Yards pro Spiel erlauben sie ihren Gegnern. Besonders gegen den Pass ist Seattle mit 144,4 zugelassenen Passing Yards pro Partie die Nummer eins der Liga. Doch dahinter steckt mehr als nur eine starke individuelle Besetzung.

    Mike Macdonald verfolgt einen Ansatz, bei dem vor allem die Vielseitigkeit seiner Defense entscheidend ist. Der Head Coach möchte gegnerischen Offenses möglichst wenig darüber verraten, was sie nach dem Snap erwartet. Dafür variiert er sowohl die Ausrichtungen seiner Spieler als auch die dahinterliegende Coverage.

    Mike MacDonald nach dem SB gewinn
    Mike Macdonald ist einer der besten Defensiven Köpfe der NFL. IMAGO/UPI Photo

    Ein wichtiger Bestandteil ist dabei die sogenannte Two-High-Safety-Defense. Seattle positioniert häufig beide Safeties tief, um vor allem lange Pässe und explosive Spielzüge zu verhindern. Besonders gerne greift Macdonald dabei auf Cover 6 zurück. Diese Coverage kombiniert Elemente aus Cover 2 und Cover 4 und ermöglicht es, unterschiedliche Bereiche des Spielfelds mit verschiedenen Deckungskonzepten abzusichern.

    Für gegnerische Quarterbacks wird es dadurch schwieriger, bereits vor dem Snap die passende Antwort zu finden. Gleichzeitig kann Seattle nach dem Snap noch Anpassungen vornehmen, ohne direkt seine gesamte defensive Struktur verändern zu müssen.

    Ein weiterer entscheidender Faktor ist der Pass Rush. Macdonald gelingt es, Druck auf den gegnerischen Quarterback auszuüben, ohne dafür ständig zusätzliche Verteidiger schicken zu müssen. Die Seahawks können mit ihren vier Defensive Linemen genügend Druck erzeugen und gleichzeitig sieben Spieler in der Coverage behalten. Das nimmt dem Quarterback Zeit und gleichzeitig mögliche Anspielstationen.

    Auch gegen den Lauf ist dieses Konzept wichtig. Seattle schafft es, den Gegner bereits mit seiner normalen defensiven Formation einzuschränken, ohne zusätzliche Spieler in die Box ziehen zu müssen. Dadurch bleibt die Mannschaft auch auf mögliche Play-Action-Pässe und andere Passspielzüge vorbereitet.

    Das Ergebnis ist eine Defense, die nur schwer aus ihrer Grundstruktur zu bringen ist. Seattle lässt wenig Raumgewinn zu, verhindert Big Plays und gehört mit einer Third-Down-Quote von 28 Prozent ebenfalls zu den besten Teams der NFL. Die einzige wirkliche Schwachstelle zeigt sich bislang in der Red Zone: 78,6 Prozent der gegnerischen Besuche endeten mit einem Touchdown.

    Brian Flores: Organisiertes Chaos

    Bei den Minnesota Vikings sieht der Ansatz deutlich aggressiver aus. Defensive Coordinator Brian Flores gehört zu den blitzfreudigsten Coaches der NFL. Seine Defense lebt davon, gegnerische Offenses bereits vor dem Snap unter Druck zu setzen und ihnen möglichst schwierige Entscheidungen aufzuzwingen.

    Dabei geht es nicht einfach darum, möglichst viele Spieler auf den Quarterback zu schicken. Das Besondere an Flores' System ist vielmehr, dass die gegnerische Offensive Line häufig überhaupt nicht weiß, von welcher Seite der Druck tatsächlich kommt.

    Brian Flores in einem NFL Spiel
    Brian Flores empfiehlt sich wieder einmal für einen Head Coaching Posten. Matt Blewett

    Minnesota stellt dafür regelmäßig sechs oder sogar sieben potenzielle Pass Rusher direkt an der Line of Scrimmage auf. Der Quarterback und seine Offensive Line müssen sich bereits vor dem Snap überlegen, wie sie diese vermeintliche Überzahl absichern wollen. Doch genau hier liegt die Falle: Nicht jeder Verteidiger, der zunächst einen Blitz andeutet, geht anschließend tatsächlich auf den Quarterback.

    Einige Spieler ziehen sich nach dem Snap wieder in die Coverage zurück, während andere aus unerwarteten Positionen den Pass Rush übernehmen. So kann Flores die gegnerische Protection gezielt manipulieren und freie Pass-Rusher erzeugen. Gleichzeitig entstehen neue Möglichkeiten, kurze Passwege zuzustellen und den Quarterback zu schnellen, unüberlegten Würfen zu zwingen.

    Besonders unangenehm wird das für gegnerische Offenses durch die unterschiedlichen Looks, die Flores miteinander kombiniert. Neben aggressiven Sechs-Mann-Blitzes kann Minnesota beispielsweise auch nur drei Spieler auf den Quarterback schicken und dafür acht Verteidiger in die Coverage zurückziehen. Der Quarterback muss somit ständig mit unterschiedlichen Szenarien rechnen.

    Dass dieses Konzept funktioniert, zeigt sich vor allem beim Blick auf die Ergebnisse. Die Vikings erlauben durchschnittlich gerade einmal 12,3 Punkte pro Partie - Bestwert der NFL. Dazu kommen 20,5 Sacks in nur sechs Spielen. Kein anderes Team macht es gegnerischen Quarterbacks aktuell so schwer, einen Rhythmus zu finden.

    Besonders beeindruckend ist außerdem die Red-Zone-Defense. Nur 23,1 Prozent der gegnerischen Besuche innerhalb der gegnerischen 20-Yard-Linie enden mit einem Touchdown. Flores' Defense schafft es also nicht nur, Druck aufzubauen, sondern auch in den entscheidenden Situationen die Räume zu schließen.

    Ganz ohne Risiko ist dieser Ansatz allerdings nicht. Wenn eine Offense die Blitzes erkennt und ihre Protection richtig aufstellt, entstehen hinter der aggressiven Verteidigung Räume. Gerade schnelle Pässe, Screens und tiefe Würfe können gefährlich werden, wenn die Defensive Backs in direkten Eins-gegen-eins-Duellen stehen. Auch über den Lauf lässt sich Minnesota angreifen, wenn die Defense zu stark auf den Pass Rush ausgerichtet ist.

    Zwei unterschiedliche Ansätze

    Der direkte statistische Vergleich macht deutlich, wie eng beide Defenses beieinanderliegen. Seattle erlaubt mit 233,9 Yards pro Spiel weniger Raumgewinn als Minnesota (252,8). Auch gegen den Lauf sind die Seahawks etwas stärker. Bei den zugelassenen Punkten sieht es dagegen anders aus: Minnesota lässt lediglich 12,3 Punkte pro Partie zu, Seattle kommt auf 17,9.

    Auch in der Red Zone wird der Unterschied besonders deutlich. Während Minnesota mit einer Touchdown-Quote von nur 23,1 Prozent die beste Defense der Liga stellt, gehört Seattle mit 78,6 Prozent zu den schwächsten Teams in dieser Kategorie. Die Seahawks kontrollieren große Teile des Spielfelds, haben aber bislang Schwierigkeiten, gegnerische Drives im entscheidenden Moment zu beenden.

    Allerdings muss auch berücksichtigt werden, dass Minnesota bislang ein Spiel weniger absolviert hat. Die Vikings haben ihre beeindruckenden Werte also in sechs Partien erreicht, Seattle bereits in sieben.

    Wer hat wirklich die beste Defense der NFL?

    Eine eindeutige Antwort fällt schwer, denn beide Mannschaften setzen unterschiedliche Maßstäbe. Mike Macdonald hat in Seattle eine Defense aufgebaut, die durch ihre Anpassungsfähigkeit, ihre starke Coverage und ihren effektiven Pass Rush überzeugt. Sie lässt kaum Raumgewinn zu und zwingt gegnerische Offenses immer wieder dazu, sich an die defensive Struktur anzupassen.

    Brian Flores geht dagegen deutlich mehr Risiko. Seine Defense lebt von Aggressivität, taktischer Unberechenbarkeit und dem permanenten Druck auf den Quarterback. Das führt nicht nur zu Sacks, sondern verhindert vor allem, dass gegnerische Offenses ihre Drives erfolgreich abschließen.

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