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    NFL

    vor 9 Stunden

    Kein Schlaf aber Football

    Skandal in Philadelphia: Brachten die Eagles Hurts` Gesundheit wissentlich in Gefahr?

    Nicht schlafen, aber NFL-Football spielen? Der Umgang mit Jalen Hurts' Blutgerinnsel wirft bei den Philadelphia Eagles massive Fragen auf. Obwohl beim Quarterback vor dem Spiel in London ein oberflächliches Blutgerinnsel festgestellt worden war und ihm Berichten zufolge sogar vom Schlafen abgeraten wurde, erhielt er die medizinische Freigabe für die Partie.

    Jalen Hurts in einem NFL-Spiel für die Philadelphia Eagles
    Wie groß war die Gefahr für Jalen Hurts wirklich? IMAGO/Action Plus

    Eagles-Quarterback Jalen Hurts fällt nach der Diagnose einer tiefen Venenthrombose und beidseitiger Lungenembolien für den Rest der Saison aus. Besonders brisant ist der zeitliche Ablauf: Nur wenige Tage zuvor hatte Philadelphia seinen Quarterback trotz eines bereits bekannten oberflächlichen Blutgerinnsels noch für ein NFL-Spiel freigegeben.

    Blutgerinnsel bekannt - Hurts durfte trotzdem spielen

    Die Vorgeschichte begann bereits am 4. Oktober gegen die Los Angeles Rams, als Hurts einen Treffer mit einem Stollen gegen die Wade abbekam. Vier Tage später meldete der Quarterback Beschwerden.

    Vor dem London-Spiel der Eagles wurde schließlich ein oberflächliches Blutgerinnsel in seiner linken Wade festgestellt. Nach medizinischer Beratung fiel dennoch die Entscheidung, Hurts spielen zu lassen.

    Genau hier beginnt die Diskussion um den Umgang der Eagles mit ihrem Franchise-Quarterback. Besonders brisant: Hurts soll auf ärztlichen Rat vor der Partie nicht geschlafen haben, da das Risiko zu groß gewesen sei. Gleichzeitig wurde die körperliche Belastung eines NFL-Spiels als vertretbar eingeschätzt.

    Hurts stand daraufhin tatsächlich auf dem Feld. Zu diesem Zeitpunkt waren allerdings weder eine tiefe Venenthrombose noch Lungenembolien diagnostiziert worden - eine wichtige Unterscheidung bei der Bewertung des Falls.

    Diagnose verschärft Diskussion

    Bei einer späteren Kontrolle wurde festgestellt, dass sich das zunächst entdeckte Gerinnsel bewegt hatte. Weitere Untersuchungen brachten schließlich die wesentlich ernstere Diagnose: eine tiefe Venenthrombose und beidseitige Lungenembolien.

    Eine Lungenembolie kann potenziell lebensbedrohlich sein. Hurts befindet sich inzwischen in Behandlung mit Antikoagulanzien. Solange er diese Blutverdünner einnimmt, kommt Kontaktsport aufgrund des erhöhten Blutungsrisikos nicht infrage.

    Die gute Nachricht: Hurts ist nach Angaben seines Umfelds klinisch stabil. Die Prognose für eine vollständige Genesung sei sehr gut, langfristige Folgen werden derzeit nicht erwartet.

    Sirianni verteidigt medizinische Abteilung

    Trotzdem bleibt eine zentrale Frage bestehen: Wie konnte ein Spieler mit einem bereits bekannten Blutgerinnsel medizinisch für ein NFL-Spiel freigegeben werden, während gleichzeitig offenbar Vorsichtsmaßnahmen getroffen wurden, die sogar seinen Schlaf betrafen?

    Head Coach Nick Sirianni stellte sich nach Bekanntwerden der späteren Diagnose hinter die medizinische Abteilung der Eagles. Er sei selbst kein medizinischer Experte und müsse sich deshalb auf die entsprechenden Fachleute verlassen. Sirianni betonte dabei sein "volles Vertrauen" in die Mediziner der Organisation.

    Gerade dieser Ablauf sorgt allerdings für Kritik. Dabei muss klar getrennt werden: Es gibt bislang keinen Beleg dafür, dass die Eagles Hurts wissentlich mit einer tiefen Venenthrombose oder Lungenembolien spielen ließen. Diese Diagnosen wurden erst später gestellt.

    Dass ein Quarterback mit einem bekannten oberflächlichen Blutgerinnsel unter ungewöhnlichen Vorsichtsmaßnahmen dennoch für ein NFL-Spiel freigegeben wurde, wirft dennoch erhebliche Fragen über die damalige medizinische Risikoabwägung auf.

    Saison für Hurts beendet

    Für Hurts stehen nun ohnehin andere Dinge im Mittelpunkt. Der Quarterback soll voraussichtlich rund drei Monate mit Blutverdünnern behandelt werden. Damit ist seine Saison beendet.

    Hurts darf währenddessen keinen Kontaktsport betreiben, soll aber weiterhin bei der Mannschaft bleiben und sich körperlich fit halten. Sportlich verlieren die Eagles damit ihren wichtigsten Spieler. Doch angesichts der später diagnostizierten Lungenembolien rückt Football in den Hintergrund.

    Vor allem der Ablauf in London dürfte Philadelphia noch länger beschäftigen: Ein bekanntes Blutgerinnsel, die ungewöhnliche Empfehlung, nicht zu schlafen - und gleichzeitig die medizinische Freigabe für ein NFL-Spiel. Auch wenn die späteren schweren Diagnosen damals noch nicht bekannt waren, ist die Frage nach der ursprünglichen Entscheidung damit keineswegs erledigt.

    Autor: Niklas Kreuzer