vor 1 Tag
Auch gegen Panthers
Die Green Bay Packers stehen nach acht Spieltagen bei einer Bilanz von 5-3 und gehören damit zu den besseren Teams der NFC. Ein Blick auf ihre Offensive offenbart allerdings eine riesige Schwachstelle. Besonders das Laufspiel bereitet Green Bay erhebliche Probleme. Auch gegen die Carolina Panthers wurde das am Donnerstagabend wieder deutlich.

Die Zahlen sind mittlerweile alarmierend: Mit gerade einmal 485 Rushing Yards nach acht Spielen stellen die Packers die schwächste Lauf-Offense der NFL. Gegen die Panthers kamen Josh Jacobs und Co. auf gerade einmal 66 Yards am Boden. Dabei gehörte Carolina vor dem Duell zu den anfälligsten Run-Defenses der Liga. Doch woran liegt es, dass Green Bay sein Laufspiel einfach nicht in Gang bekommt?
Mit durchschnittlich 2,8 Yards pro Laufversuch sind die Packers das Schlusslicht der NFL. Auch bei den gesamten Rushing Yards sieht es nicht besser aus: Gerade einmal 485 Yards stehen nach acht Spielen zu Buche. Nur die Cincinnati Bengals, mit einem Spiel weniger, kommen mit 487 Yards auf einen ähnlich schwachen Wert. Damit ist Green Bays Laufspiel aktuell das ineffizienteste der gesamten Liga.
Eine historische Dimension bekommt die Statistik durch die bisherige Bilanz: Green Bay ist das erste NFL-Team, das nach acht Partien trotz einer positiven Bilanz weniger als 500 Rushing Yards auf dem Konto hat.
Das ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil die Packers keineswegs erfolglos durch die Saison gehen. Die Offense funktioniert über das Passspiel, Jordan Love kommt auf bislang 2246 Passing Yards und 16 Touchdowns. Am Boden fehlt hingegen nahezu jede Konstanz.
Besonders deutlich wurde das Problem gegen die Panthers. Carolina hatte in dieser Saison bereits mehrfach erhebliche Schwierigkeiten, das gegnerische Laufspiel zu stoppen. Gegen die Chicago Bears ließ die Defense beispielsweise 291 Rushing Yards zu, gegen die Tampa Bay Buccaneers waren es 258.
Allerdings zeigte Carolina auch, dass sie durchaus in der Lage ist, gute Running Backs zu kontrollieren. Jahmyr Gibbs kam gegen die Panthers lediglich auf 46 Yards bei 15 Läufen. Auch Bijan Robinson blieb mit 72 Yards aus 16 Versuchen unter seinen Möglichkeiten.
Trotzdem war die Ausgangslage für Green Bay durchaus günstig. Das Ergebnis fiel ernüchternd aus: Insgesamt kamen die Packers auf 66 Yards bei 26 Laufversuchen. Josh Jacobs benötigte 21 Carries für gerade einmal 39 Yards. Sein längster Lauf ging über sechs Yards.
Ein 18-Yard-Reverse von Savion Williams beschönigte die Statistik sogar noch. Ohne diesen Lauf blieben für die übrigen Läufer lediglich 48 Yards aus 25 Versuchen.
Ein wesentlicher Grund für die schwachen Zahlen liegt in der Offensive Line. Green Bay musste in dieser Saison bereits mehrere personelle Rückschläge verkraften. Right Tackle Zach Bako-Bewele fällt mit einer schweren Knieverletzung für die gesamte Saison aus. Center Sean Rhyan verletzte sich gegen Detroit am Sprunggelenk, sein Ersatz Jacob Monk wurde ebenfalls auf die Injured-Reserve-List gesetzt.
Entsprechend häufig musste Head Coach Matt LaFleur seine Offensive Line umbauen. Auch gegen Carolina gab es wieder Veränderungen: Aaron Banks kehrte auf die Left-Guard-Position zurück, während Laken Tomlinson auf die rechte Seite wechselte.
Dass die Offensive Line durchaus einen Einfluss auf die schwachen Laufwerte hat, zeigen auch die Zahlen vor dem Panthers-Spiel. Die Packers kamen bis dahin auf durchschnittlich lediglich 1,9 Yards vor dem ersten gegnerischen Kontakt pro Laufversuch - der schlechteste Wert der NFL.
Das bedeutet, dass die Running Backs häufig bereits unmittelbar hinter oder an der Line of Scrimmage auf die gegnerische Defense treffen. Die Offensive Line schafft es zu selten, entsprechende Lücken zu öffnen.
Allerdings wäre es zu einfach, die gesamte Verantwortung auf die Offensive Line abzuwälzen. Auch die Running Backs konnten bislang nur selten für Entlastung sorgen. Vor allem die schwachen Werte nach dem ersten Kontakt mit einem Verteidiger sprechen dafür, dass auch die Ballträger selbst zu wenig aus ihren Möglichkeiten machen.
Hier rückt insbesondere Josh Jacobs in den Fokus. Der dreimalige Pro Bowler sollte eigentlich für die nötige Stabilität im Backfield sorgen. Allerdings stand er in den ersten sechs Saisonwochen aufgrund seiner Aufnahme auf die Commissioner’s Exempt List nicht zur Verfügung. Sein Saisondebüt feierte er erst in Week 7 gegen die Detroit Lions.
Nach 36 Yards bei elf Läufen gegen Detroit folgten gegen Carolina 39 Yards bei 21 Versuchen. Damit kommt Jacobs bislang auf durchschnittlich nur 2,3 Yards pro Lauf. Auch MarShawn Lloyd (2,6 Yards pro Versuch) konnte bisher kaum überzeugen.
Die Rückkehr von Jacobs hat das Problem also zumindest kurzfristig nicht gelöst. Allerdings ist auch zu berücksichtigen, dass der Running Back erst sein zweites Saisonspiel absolviert hat.
Während Green Bay am Boden kaum vorankommt, funktioniert das Passspiel deutlich besser. Jordan Love hat bereits 16 Touchdown-Pässe geworfen und ist mit seinen Receivern Christian Watson, Matthew Golden und Tucker Kraft ein wichtiger Faktor für die positive Bilanz.
Die fehlende Unterstützung durch das Laufspiel könnte allerdings auf Dauer zum Problem werden. Wenn die Packers bei frühen Downs kaum Raumgewinn erzielen, geraten sie häufiger in schwierige Situationen. Die gegnerischen Defenses können sich stärker auf das Passspiel einstellen und Jordan Love entsprechend unter Druck setzen.
Dass sich Head Coach Matt LaFleur der Problematik bewusst ist, machte er nach dem Panthers-Spiel deutlich. "Wir müssen eine Lösung finden. So reicht das einfach nicht", erklärte er mit Blick auf das Laufspiel.
Green Bay steht zwar bei fünf Siegen aus acht Spielen, doch die Zahlen am Boden sind alarmierend. Solange es den Packers nicht gelingt, ihre Probleme im Laufspiel zu beheben, wird es für die Offense deutlich schwieriger, auch gegen stärkere Gegner konstant zu funktionieren.
par