vor 7 Stunden
Broncos in der Krise
Die Denver Broncos gingen mit großen Erwartungen in die NFL-Saison 2026. Nach dem tiefen Playoff-Run der Vorsaison sollte der nächste Schritt folgen - im Idealfall bis in den Super Bowl. Nach fünf Spielen steht Denver zwar bei einer positiven 3-2-Bilanz, doch von einem echten Titelanwärter ist derzeit vor allem offensiv wenig zu sehen.

Gerade einmal 97 Punkte haben die Broncos bislang erzielt. Die Offense um Quarterback Bo Nix gehört damit zum unteren Drittel der NFL, während auch ein Wechsel beim Play-Calling bislang keine Wende gebracht hat. Vor dem Duell mit den Seattle Seahawks stellt sich deshalb die Frage: Was ist los in Denver?
Die Hoffnungen der Broncos sind eng mit Bo Nix verbunden. Der Quarterback hatte Denver in der vergangenen Saison bis in die Divisional Round geführt, ehe er sich beim Sieg gegen die Buffalo Bills einen Bruch des rechten Sprunggelenks zuzog und das anschließende AFC Championship Game verpasste.
Inzwischen ist Nix zurück auf dem Feld, doch die Offense funktioniert nicht wie erhofft. Denver erzielt lediglich 19,4 Punkte pro Spiel und kommt im Schnitt auf 269 Yards Raumgewinn. Damit rangieren die Broncos in der Total Offense nur auf Platz 30 der NFL.
Besonders auffällig sind die Probleme in der Pocket. Nix verlässt diese teilweise frühzeitig und wirkt längst nicht so komfortabel wie noch in der Vorsaison. Auch die Interior Offensive Line um Ben Powers und Luke Wattenberg steht dabei in der Kritik. Aus einer Offense, die eigentlich den nächsten Entwicklungsschritt machen sollte, ist eine der ineffizientesten Units der Liga geworden.
Entlastung durch das Running Game bekommt Nix ebenfalls kaum. Denver kommt bislang auf lediglich 86,2 Rushing Yards pro Partie und gehört damit auch am Boden zum hinteren Drittel der NFL.
Dabei fehlt den Broncos unter anderem Rookie Jonah Coleman. Der Runningback sollte dem Backfield zusätzliche Explosivität verleihen, steht derzeit aber verletzungsbedingt nicht zur Verfügung. Die Folge: Denver hat große Schwierigkeiten, konstant positive Plays am Boden zu produzieren und sich dadurch in kontrollierbare Down-and-Distance-Situationen zu bringen.
Genau das setzt Nix zusätzlich unter Druck. Wenn weder das Laufspiel noch die Protection konstant funktionieren, muss der Quarterback immer wieder schwierige Situationen lösen - und bislang gelingt das zu selten.
Wie ernst die Situation intern bewertet wird, zeigte sich bereits vor dem fünften Spieltag. Head Coach Sean Payton entzog Offensive Coordinator Davis Webb das Play-Calling und übernahm diese Aufgabe wieder selbst.
Zumindest auf dem Scoreboard funktionierte die Maßnahme zunächst. Denver gewann bei den Los Angeles Chargers mit 23:17 und verbesserte seine Bilanz auf 3-2. Der Blick auf die Zahlen offenbarte jedoch weiterhin massive Probleme.
Lediglich 224 Yards brachte die Broncos-Offense zustande. Besonders alarmierend: Von zwölf Third Downs konnte Denver nur einen einzigen verwandeln. Nix kam auf gerade einmal 123 Passing Yards.
Der Wechsel zurück zu Payton hat damit bislang keine grundlegende Antwort auf die Probleme geliefert. Und genau das erhöht den Druck auf den Head Coach. Wenn selbst einer der angesehensten offensiven Köpfe der NFL keine schnelle Lösung findet, liegen die Schwierigkeiten offenbar tiefer als nur beim Play-Calling.
Dass Denver trotz der schwachen Offense bei 3-2 steht, liegt auch an wichtigen Plays der Defense. Vor allem der Pass Rush und entscheidende Turnovers haben den Broncos immer wieder geholfen.
Von einer rundum dominanten Defense kann allerdings ebenfalls keine Rede sein. Denver lässt 347,4 Yards und 22,2 Punkte pro Partie zu. Besonders gegen den Lauf offenbaren sich Schwächen: Mit 145,2 zugelassenen Rushing Yards pro Spiel gehört die Run Defense zu den schwächsten der NFL.
Nun verschärft sich die Situation zusätzlich durch Verletzungen. Star-Cornerback Patrick Surtain II fällt mit einer Knöchelverletzung aus. Auch Safety Talanoa Hufanga steht wegen einer Knöchelverletzung nicht zur Verfügung, während Cornerback Riley Moss mit einer Rippenverletzung angeschlagen ist. Damit verliert Denver ausgerechnet vor dem nächsten Härtetest wichtige Qualität in der Secondary.
Autor: Niklas Kreuzer