06.10.2026
Fan-Kolumne
Rookies bekommen in der NFL normalerweise einen gewissen Welpenschutz. Das Spiel ist schneller, die Playbooks sind umfangreicher, die Fehler kommen fast automatisch. Gerade bei Defensive Backs.

Dillon Thieneman und Malik Muhammad II scheinen davon bisher nicht besonders viel zu halten.
Nach vier Wochen sind die beiden Rookie-Defensive-Backs der Chicago Bears aber längst mehr als nette Nebenfiguren in einer Defense, die sich nach einem wilden Start deutlich stabilisiert hat.
Bei Thieneman waren die Erwartungen von Anfang an hoch. Immerhin war er ein First Round Pick und der zweite Safety vom Draft Board. Jedoch klangen die ersten Stimmen aus dem Training Camp danach, als würde er doch etwas mehr Zeit brauchen als erwartet. Deshalb ist es bemerkenswert, wie selbstverständlich er sich schon jetzt in dieser Bears-Defense bewegt.
Gegen Carolina war das sofort zu sehen: zehn Tackles, ein verteidigter Pass und vor allem diese Präsenz, die man nicht aus einem Boxscore lesen kann. Ben Johnson nannte ihn danach "all over the field". Für sein NFL-Debüt gab es sogar einen Game Ball.
Nach vier Spielen steht der Safety bei 30 Tackles, einer Interception und drei abgewehrten Pässen. Gegen die Eagles kam seine erste NFL-Interception dazu, gegen die Jets führte er Chicago wieder mit sieben Tackles an. Noch spannender sind aber die Coverage-Zahlen: Laut Pro Football Reference wurden bei elf Pässen in seine Richtung bislang nur vier komplettiert - 36,4 Prozent. Das gegnerische Passer Rating bei Targets gegen Thieneman liegt laut Pro Football Reference? bei gerade einmal 13,4.
Für einen Rookie-Safety sind das Zahlen, bei denen man zweimal hinschaut.
Noch wichtiger als die Zahlen ist aber der Eindruck, den er mit seinem Spiel hinterlässt. Er liest schnell, kommt sauber in die Tackles und wirkt in Dennis Allens System erstaunlich sicher.
Eine Sequenz gegen Philadelphia erklärt dies perfekt. Erst lief er Saquon Barkley über das Feld hinterher und zwang ihn kurz vor der Endzone ins Aus. Dann verhinderte er einen Touchdown. Und wenig später fing er Andy Dalton ab. Drei Plays, drei verschiedene Aufgaben - und jedes Mal war Nummer 31 mittendrin. (Chicago Bears?)
Und dann wäre da Malik Muhammad II.
Bei ihm klang die Geschichte im April noch anders. Fourth-Round-Pick, Nummer 124 insgesamt. Obwohl man vor dem Draft erwartet hatte, dass er höher geht, sprachen wir über Potenzial, Entwicklung, vielleicht irgendwann später einen Starter..
Schon in seinem ersten NFL-Spiel startete Muhammad als Nickel und stand bei 76 Prozent der defensiven Snaps auf dem Feld. Kurz vor der Halbzeit fing er Bryce Young ab und verhinderte damit weitere Panthers-Punkte. Ben Johnson lobte anschließend seine enge Coverage, seine Aggressivität und seine Furchtlosigkeit. (Chicago Bears?)
Eine Woche später gegen Minnesota kam der erste Sack.
Damit wurde Muhammad zum ersten Rookie-Defensive-Back der Bears-Geschichte, der in seinen ersten beiden NFL-Spielen sowohl eine Interception als auch einen Sack verbuchen konnte. Seit 1982 gelang das ligaweit überhaupt nur zehn Rookie-DBs. (Chicago Bears?)
Nette Trivia, klar. Entscheidender ist aber, wie selbstverständlich und vielseitig Muhammad schon jetzt eingesetzt wird.
So ganz ohne Rookie-Momente geht es natürlich nicht. Nach vier Spielen wurden bei 16 Targets gegen ihn acht Pässe für 119 Yards komplettiert. Zwei Tackles hat er verpasst. Gleichzeitig hat Muhammad aber noch keinen Touchdown in Coverage zugelassen, eine Interception, zwei Pass Breakups und einen Sack gesammelt. Das Passer Rating gegen ihn laut Pro Football Reference? 48,7.
Wichtiger als die individuellen Highlights ist der Einfluss, den ihre schnelle Entwicklung auf die Aussicht der Defense verändert hat.
Nach Week 1 war man durchaus nervös. Die Carolina Panthers Offense erzielte 37 Punkte und sammelte 478 Yards. Seitdem hat Chicago gegen Minnesota, Philadelphia und die Jets allerdings jeweils höchstens zwölf Punkte zugelassen. In den vergangenen 27 gegnerischen Drives kassierte die Defense gerade einmal zwei Touchdowns. Gegen New York waren es nur 157 Total Yards. (NFL?)
Natürlich liegt das nicht nur an zwei Rookies.
Trotzdem geben Thieneman und Muhammad Dennis Allen etwas, das für diese Defense extrem wertvoll ist: Spielraum.
Thieneman kann tief absichern, nach vorne attackieren, gegen den Lauf mithelfen und auch mal Tight Ends oder Receiver übernehmen. Muhammad funktioniert außen, im Slot und als
zusätzlicher Pass Rusher. Je weniger Allen seine jungen Spieler verstecken muss, desto freier kann er callen.
Vier Spiele sind keine Karriere und die Saison ist noch lang. Fehler werden kommen und dann müssen sie zeigen, wie gut sie mit Rückschlägen umgehen.
Der Eindruck nach vier Wochen kann sich aber sehen lassen.
Thieneman und Muhammad sehen aus wie zwei Spieler, mit denen die Bears ihre Secondary für die nächsten Jahre festigen können.
Arne Kehr