22.01.2026
Rams-Receiver will finale Hürden überspringen
Davante Adams gehört seit Jahren zweifelsfrei zu den besten Wide Receivern der NFL. In den Geschichtsbüchern steht der inzwischen 33-Jährige längst. Für den Schritt unter die ganz Großen fehlen ihm aber noch zwei Schritte.

Wie akribisch Davante Adams arbeitet, können NFL-Fans in der Netflix-Doku mit dem Titel Receiver sehen. Denn der hocherfahrene Wide Receiver trainiert nicht nur auf dem Feld und unterhält sich mit seinen Quarterbacks, Trainern, Betreuern.
Der Routinier studiert in den eigenen vier Wänden auf der Couch auch noch jegliches Verhalten der kommenden Gegenspieler, seziert förmlich deren Bewegungsmuster, um selbst mit seinem seit vielen Jahren auf höchstem Niveau gewohnten Route Running zustechen zu können.
Wie gut das weiterhin klappt, haben die Fans auch diese Saison wieder erlebt. Mit 14 Touchdown Receptions führte Adams die gesamte Liga an - mit klarem Vorsprung vor Verfolgern wie Bengals-Ass Tee Higgins oder dem Deutsch-Amerikaner Amon-Ra St. Brown von den Lions (jeweils elf Scores). Obendrein verpasste der erst seit dieser Spielzeit bei den Los Angeles Rams auflaufende Passempfänger einige Partien, kam so nur auf 14 Einsätze - im Schnitt gelang Adams, der zwischenzeitlich verletzt ausfiel, damit ein Touchdown pro Spiel.
Damit schüttelte der Modellathlet auch direkt seine an sich gebrauchten Jahre bei den Las Vegas Raiders ab. Dorthin war Adams im Jahr 2022 auch aufgrund seines damals dort spielenden ehemaligen College-Quarterbacks Derek Carr (Fresno State) nach einer äußerst erfolgreichen Zeit bei den Green Bay Packers gekommen. Über die Jahre wirkte er jedoch abseits seiner individuellen Erfolge - über 2600 Yards und 22 TDs in den ersten zwei Jahren vor der von Verletzungen durchzogenen dritten Spielzeit - zunehmend unzufriedener mit dem schwach aufgestellten Franchise.
Erst dadurch kamen nach seinem Abstecher zu den New York Jets (854 Yards, elf TDs zum Ende der Regular Season 2024/25) die Rams auf den Schirm - und mit ihnen das famose Zusammenspiel zwischen Top-Spielmacher Matthew Stafford sowie Star-Receiver Puka Nacua. Allein diese drei Aushängeschilder sorgten dafür, dass sich Los Angeles als Super-Bowl-Mitfavorit präsentierte und zugleich souverän das Playoff-Ticket sicherte.
Adams selbst strich obendrein noch ein Alleinstellungsmerkmal ein: Der einst im NFL Draft 2014 von den Packers gezogene Receiver (2. Runde, 53. Stelle), der sich nach durchwachsenem Start mit einigen Drops zur Top-Adresse von Aaron Rodgers gewandelt hatte (69 TDs in seinen finalen sechs Jahren in Green Bay, außerdem weit über 7000 Yards), führte die Liga in Touchdowns schon für drei unterschiedliche Teams an. Eben für "The Pack" 2020 mit 18, für die Raiders 2022 mit 14 und jetzt für die Rams 2025 mit 14 Scores. Dieses Kunststück war vor ihm noch keinem, auch keine der absoluten Legenden, gelungen.
Dafür fehlt dem 26. der All-Time-Yard-Liste unter Receivern (12.633 Yards) etwas anderes: ein Ring. Und darüber hinaus auch überhaupt ein Einzug in den Super Bowl. Gleich fünfmal hat er inzwischen das NFC Championship Game erreicht. Viermal mit den Packers und einmal vergangene Woche durch das dramatische 20:17 in der Overtime der Rams bei den Chicago Bears. Seine Bilanz: vier Niederlagen mit "The Pack" trotz Spielmacher Rodgers bei allen vier Events - letztmals Anfang 2021 das bittere 26:31 vor heimischer Kulisse gegen Tom Bradys Tampa Bay Buccaneers.

"Es fühlt sich für mich mittlerweile fast wie ein Mythos an", sagte Adams nun gegenüber US-Medien in Vorbereitung auf sein fünftes NFL-Finale, das Gastspiel beim direkten NFC-West-Rivalen aus Seattle in der Nacht von Sonntag auf Montag (0.30 Uhr MEZ). "Man tut alles, um es zu erreichen - und es war immer so schwer. Ich habe so hart dafür gearbeitet."
Dass er selbst mit zwei wichtigen Catches einen wichtigen Anteil am Weiterkommen der Kalifornier um Head Coach Sean McVay hatte, ist ihm im Moment herzlich egal: "Verzeiht mir, wenn ich nach dem ersten oder zweiten Sieg nicht über beide Ohren grinse. Ich war schon so oft hier (in der Runde der Conference Championships; Anm. d. Red.) und weiß, was nötig ist, um unser Ziel zu erreichen. Wir sind nah dran, wir müssen es nur noch zu Ende bringen."
Seine NFL-Wurzeln in Green Bay vergesse er dabei aber nicht: "Ich hatte eine großartige Zeit bei den Packers und damals noch keinen Vergleich, daher nimmt man das irgendwie als selbstverständlich hin. Ich glaube zwar nicht, dass ich es damals als selbstverständlich angesehen habe, aber in einer Situation wie in Vegas hat man es etwas schwerer. Ich hatte das Glück, dort trotzdem viel großartigen Football und viele tolle Momente zu erleben, aber was Siege und wichtige Spiele angeht, waren wir natürlich nicht in dieser Position."
mag