14.10.2026
Zu viele Ballverluste
Drei Playoff-Spiele, kein einziger Turnover - auf dem Weg zum Super-Bowl-Triumph hatten Sam Darnold und die Seattle Seahawks ihre größte Schwäche plötzlich vollständig abgelegt. Wenige Monate später ist das alte Problem zurück. Nach fünf Spieltagen der Saison 2026 hat Seattle bereits neun Ballverluste produziert - und die werden richtig teuer.

Im Mittelpunkt steht erneut Darnold. Der Quarterback, der während der vergangenen Regular Season bereits einen großen Anteil an Seattles Turnover-Problemen hatte, steht 2026 schon wieder bei fünf Interceptions. Besonders auffällig: Die beiden bisherigen Niederlagen der Seahawks wurden maßgeblich von Ballverlusten geprägt.
Schon während der Regular Season 2025 begleitete das Thema die Seahawks beinahe durchgehend. Seattle produzierte insgesamt 28 Turnovers - der zweithöchste Wert der gesamten NFL. Darnold war für 20 davon verantwortlich. Neben 14 Interceptions verlor der Quarterback sechs eigene Fumbles.
Das Kuriose: Sportlich konnte Seattle die Fehler trotzdem immer wieder kompensieren. Die Seahawks beendeten die Regular Season mit einer Bilanz von 14-3 und sicherten sich den ersten Seed der NFC. Spätestens in den Playoffs änderte sich dann plötzlich alles.
Ausgerechnet auf dem Weg zum Super-Bowl-Triumph verschwand Seattles größte Schwachstelle vollständig. Die Seahawks absolvierten ihre drei Postseason-Partien ohne einen einzigen Turnover. Darnold brachte 56 seiner 91 Pässe für 672 Yards an, warf fünf Touchdowns und keine einzige Interception. Sein Passer Rating lag bei 102,4.
Nach einer Regular Season mit 20 persönlichen Ballverlusten blieb Darnold damit ausgerechnet in den wichtigsten drei Spielen der Saison fehlerfrei. Seattle gewann Super Bowl LX - und das Turnover-Problem schien überwunden. Doch offenbar nur vorübergehend.
2026 sind die Fehler zurück. Nach fünf Spieltagen stehen die Seahawks bereits bei neun Turnovers - fünf Interceptions und vier verlorenen Fumbles. Besonders problematisch ist dabei nicht nur die Anzahl, sondern welche Folgen die Ballverluste haben.
Die Gegner haben aus Seattles Turnovers bereits 44 Punkte erzielt. Kein Team wurde nach fünf Wochen härter für seine Ballverluste bestraft. Und ausgerechnet in den beiden bisherigen Niederlagen wurde das Problem besonders deutlich.
Beim 31:33 gegen die Washington Commanders leisteten sich die Seahawks drei Ballverluste. Washington machte daraus 21 Punkte. Gegen die San Francisco 49ers wurde es noch schlimmer.
Darnold warf beim 29:32 zwei Interceptions, während George Holani und Emanuel Wilson jeweils einen Fumble verloren. Vier Turnovers in einem Spiel - und erneut machte der Gegner 21 Punkte daraus.
Damit haben Seattles Ballverluste allein in den beiden bisherigen Niederlagen 42 gegnerische Punkte ermöglicht. Das Muster ist kaum zu übersehen.
Wenn Seattle den Football schützt, gehört das Team weiterhin zu den gefährlichsten Mannschaften der Liga. Wenn die Turnovers kommen, werden sie bislang brutal bestraft.
Dabei wäre es falsch, sämtliche Probleme ausschließlich dem Quarterback zuzuschreiben. Vier der neun Ballverluste waren verlorene Fumbles anderer Seahawks-Spieler.
Trotzdem rückt Darnold zwangsläufig in den Fokus. Fünf Interceptions nach seinen bisherigen Einsätzen sind gerade angesichts seiner Vergangenheit problematisch. Bereits 2025 gehörten Turnovers zu seinen größten Schwächen, ehe er in den Playoffs plötzlich komplett fehlerfrei blieb.
Gerade deshalb ist der Rückfall bemerkenswert. Die Postseason hatte gezeigt, wie gefährlich diese Seahawks sein können, wenn Darnold den Football schützt. Er musste dafür nicht jedes Spiel mit spektakulären Statistiken dominieren. Entscheidend war, der eigenen Mannschaft keine zusätzlichen Probleme zu bereiten.
Genau das macht die aktuelle Situation so interessant: Die Seahawks müssen nicht erst herausfinden, wie sie ihr Turnover-Problem lösen können.
Sie haben es bereits getan. In den drei wichtigsten Spielen der vergangenen Saison produzierte Seattle keinen einzigen Ballverlust. Darnold spielte kontrolliert, vermied Interceptions und führte die Seahawks letztlich bis zum Super-Bowl-Triumph.
2026 hat sich das Bild wieder gedreht. Nach fünf Wochen steht Seattle zwar bei einer weiterhin soliden Bilanz von 3-2. Doch die beiden Niederlagen liefern bereits eine deutliche Warnung.
Das größte Problem der Seahawks ist kein neues. Es ist eines, von dem sie eigentlich schon bewiesen hatten, dass sie es überwinden können.
nkr