vor 1 Tag
Neuer Star am College-Himmel
Als Jesse Legrees Vater vergangenes Jahr am Signing Day mit ansehen musste, wie alle 26 Mitschüler der Saint Frances Academy ihre Stipendien unterschrieben, saß sein Sohn ohne ein einziges offizielles Angebot im Publikum. Ein Jahr später führt Jesse Legree als Freshman der Oregon State Beavers die gesamte College-Football-Liga bei Receiving-Yards und Touchdowns an.

Legrees Zahlen nach sieben Spielen: 46 Receptions, 1040 Yards (Rang eins), 14 Touchdowns (Rang eins, zwei mehr als Ohio States Jeremiah Smith) sowie ein Schnitt von 22,6 Yards pro Catch (Rang drei). Er ist zudem erst der zweite FBS-Spieler der vergangenen 30 Jahre, der in jedem seiner ersten sieben Saisonspiele mindestens 100 Receiving-Yards und einen Touchdown erzielte.
Von seinen elf Highschool-Angeboten kamen gerade einmal zwei von Power-Four-Programmen - Oregon State und Pittsburgh. West Virginia, Pittsburgh und Buffalo sahen bei seinen 1,78 Metern und 78 Kilogramm körperliche Grenzen, James Madison wollte ihn nur als Cornerback einsetzen. "Buchstäblich jeder sagte, er sei zu klein", so sein Highschool-Coach Messay Hailemariam. Dabei hatte Legree in der 9:1-Saison 2025 bei Saint Frances Academy als Two-Way-Spieler bereits 721 Scrimmage-Yards und sechs Touchdowns gesammelt.
Niemand glaubte mehr an sein Potenzial als Vater Jeffery, der seine Söhne mit eisernem Training formte - 5-Uhr-Workouts, Sprints, Lauftraining mit Fallschirmen. "Ich wollte, dass sie lernen: Wenn du die Arbeit reinsteckst, wird sich die Arbeit zeigen", sagte er.
Hailemariam pflegte eine Verbindung zu Eron Hodges, der kurz zuvor bei Oregon State unter Head Coach JaMarcus Shephard angeheuert hatte. Erst um 16 Uhr am Signing Day erhielt Hailemariam die entscheidende Nachricht: "Wenn Jesse kommen will, haben wir einen Platz für ihn." Als Shephard den Job antrat, war Legree bereits seine erste Priorität: "Unser General Manager rief mich an und sagte: 'Hey, wir müssen Jesse holen.'" Obwohl kaum Offensiv-Filmmaterial vorhanden war, überzeugte ihn Legrees athletisches Profil sofort.
Bereits im Frühjahrstraining setzte sich Legree mehrfach durch. "Ich habe den Donatoren gesagt: Dieser Junge wird dieses Jahr wirklich etwas Besonderes, also sollten sie sich besser ihr Popcorn bereithalten", erinnerte sich Shephard. Der Saisonstart übertraf selbst diese Erwartungen: Gegen Houston fing Legree fünf Pässe für 136 Yards und einen Touchdown, eine Woche später gegen Texas Tech acht Catches für 240 Yards und zwei Touchdowns. Seitdem haben die Beavers fünf Siege in Folge gefeiert.
Umso bemerkenswerter war Legrees Entscheidung am 23. Oktober, live im CBS Sports Network einen neuen Vertrag zu unterschreiben und für 2027 in Corvallis zu bleiben. "Es ist immer der Traum eines Kindes, einen Signing Day zu erleben", sagte Legree. Shephard bestätigte, dass andere Programme längst Interesse bekundet hatten, fand dafür aber deutliche Worte: "Keine einzige Schule im ganzen Land wollte ihn. Wir schon. Ich halte sie jetzt alle für Goldgräber." Für Legree war die Entscheidung dagegen eine Frage der Loyalität: "Er ist wie ein zweiter Vater für mich."
Trotz seiner herausragenden Zahlen bleibt Legree im Heisman-Rennen erstmal nur Außenseiter, da Group-of-Six-Spieler historisch kaum Chancen auf die Trophäe haben - Ashton Jeantys zweiter Platz 2024 bleibt die bislang beste Platzierung eines solchen Spielers in 20 Jahren. Unabhängig davon hat sich Legrees Status bereits gewandelt: Er unterschrieb inzwischen bei der Agentur Klutch Sports Group von Rich Paul. Am 31. Oktober treffen die Beavers (5:2) auswärts auf Fresno State - ein Sieg würde Oregon State erstmals seit 2023 wieder Bowl-berechtigt machen. "Ich habe immer Großes erwartet", sagte Legree. "Ich brauchte nur eine Gelegenheit."
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Autor: Marc Gschwentner