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    NFL

    19.03.2026

    Wandel in Kansas City

    Warum das Laufspiel der Chiefs 2026 zum X-Faktor werden könnte

    Die Kansas City Chiefs haben in der Offseason 2026 ein klares Signal gesetzt: Das Laufspiel soll wieder mehr sein als bloße Ergänzung. Mit Kenneth Walker III hat Kansas City nicht nur einen explosiven Running Back verpflichtet, sondern womöglich auch den Schlüssel für eine veränderte Offense gefunden. Nach Jahren, in denen der Angriff um Patrick Mahomes zwar effizient, phasenweise aber auch berechenbar wirkte, könnte das Run Game 2026 wieder zu einer echten Waffe werden.

    Running Back Kenneth Walker III wird MVP.
    Running Back Kenneth Walker III soll das Laufspiel der Chiefs 2026 wieder zu einer echten Waffe machen. IMAGO/Icon Sportswire

    Walker III bringt genau die Eigenschaft mit, die den Chiefs zuletzt oft gefehlt hat: Explosivität. Seine Leistungen sind nicht immer konstant und auch eine Entscheidungsfindung im Laufspiel variiert. Doch mit seinem Speed, seinem Antritt und seiner Fähigkeit, Big Plays aus dem Nichts zu kreieren, gibt er der Offense eine neue Dimension. Mit Mahomes ist das Fundament ohnehin stabil. Ein Spieler wie Walker III kann daraus wieder einen Angriff machen, der gegnerische Defenses regelmäßig vor große Probleme stellt.

    Kenneth Walker III als neuer X-Faktor

    Mit dem amtieren Super-Bowl-MVP hat sich das Team aus Missouri den dynamischsten Running Back der Mahomes-Ära ins Team geholt. Er kann Tackles brechen, Läufe spontan nach außen tragen und selbst aus engen Situationen noch Raumgewinn erzeugen. Genau diese Unberechenbarkeit hat Kansas City im Laufspiel zuletzt oft gefehlt.

    In den vergangenen Jahren lebte die Offense häufig von Effizienz, Ballkontrolle und sicheren Lösungen. Das funktionierte zwar, ließ im Laufspiel aber oft die ganz großen Momente vermissen. Walker III bringt dieses Element zurück. Er ist ein Running Back, der ein Spiel mit wenigen Aktionen verändern kann, und genau das macht ihn für die Chiefs so wertvoll.

    Dass Kansas City diesen Spielertypen früh in der Free Agency priorisiert hat, ist kein Zufall. Statt auf sofortige Hilfe aus dem Draft zu hoffen, haben sich die Chiefs mit Walker III direkt eine hochkarätige Lösung für mehr Dynamik im Backfield gesichert.

    Screens könnten wieder zur Waffe werden

    Besonders spannend wird sein, wie die Chiefs Kenneth Walker III in ihr Scheme einbinden. Im Passspiel bringt er mit sicheren Händen und seiner Gefährlichkeit im offenen Feld viel mit, auch wenn er in der Pass Protection nicht immer konstant ist. Gerade deshalb könnte das Screen Game 2026 wieder deutlich wichtiger werden.

    Für genau solche Plays bringt Walker III ideale Voraussetzungen mit. Sein Antritt, seine Wendigkeit und seine Fähigkeit, Verteidiger auf engem Raum aussteigen zu lassen, machen ihn zu einer potenziellen Waffe bei Screens. Zusammen mit Andy Reids Playdesign und der Athletik der Offensive Line könnte das ein wichtiges offensives Element zurückbringen.

    Zurück zum klassischen Laufspiel

    Ebenso wichtig ist die Frage, wie sich das klassische Laufspiel verändert. In den vergangenen Jahren war Kansas Citys Run Game stark von Shotgun- und RPO-Konzepten geprägt. Das passte grundsätzlich zur Offense mit Mahomes, erschwerte aber ein physischeres und traditionelleres Laufspiel.

    Walker III wirkt dagegen wie gemacht für Runs aus Under Center. Aus dieser Formation kann er die Line of Scrimmage sauber anlaufen, seine Reads setzen und dann entscheiden, wohin die Reise gehen soll. Das kommt seinem Stil deutlich mehr entgegen. Gleichzeitig könnten mehr Läufe aus Under Center auch das Play-Action-Spiel beleben und den Angriff insgesamt schwerer ausrechenbar machen.

    Die Offensive Line als Schlüssel im Run Game

    Ein weiterer entscheidender Punkt ist das Personal der Chiefs. Vor allem im Inneren der Offensive Line ist Kansas City stark besetzt. Mit Spielern wie Creed Humphrey und Trey Smith bringt die Offense beste Voraussetzungen mit, um auch physischere Run-Konzepte erfolgreich umzusetzen.

    Mehr Power-Runs, mehr Downhill-Football und mehr Läufe aus Under Center würden daher nicht nur gut zu Kenneth Walker III passen, sondern auch zur Struktur dieser Line. In den vergangenen Jahren entstand immer wieder der Eindruck, dass Kansas City das Potenzial dieser Gruppe im Laufspiel nicht voll ausgeschöpft hat. Genau das könnte sich nun ändern.

    Edge-Runs als neue Option

    Walker III ist ein Running Back, der gerne den Weg nach außen sucht. Selbst wenn ein Lauf eigentlich durch die Mitte angelegt ist, versucht er oft, mit seinem Tempo an die Edge zu kommen. Genau dieses Element könnte Andy Reid gezielt in die Offense einbauen.

    Vor allem Toss Plays oder Pin-Pull-Runs passen gut zu diesem Stil. Die Chiefs haben mehrere athletische Linemen, die sich auch im offenen Feld gut bewegen können. Wenn Kansas City Walker III früh in Bewegung bringt und bewusst nach außen lenkt, setzt das die Defense schnell unter Druck.

    Damit dieses Element aber wirklich gefährlich wird, braucht es zusätzliche Unterstützung am Perimeter. Ein Tight End oder Receiver, der stark blockt und den Edge Defender nach innen abschneidet, würde solche Läufe noch effektiver machen. Sollte Kansas City dort noch nachlegen, könnte das Perimeter-Run-Game 2026 deutlich wichtiger werden.

    2021: Der damalige Kansas City Chiefs Offensive Coordinator Eric Bienemy im Gespräch mit Patrick Mahomes.
    Eric Bieniemy (links) soll mit seiner Erfahrung helfen, das Laufspiel der Chiefs 2026 deutlich zu verbessern. imago images/Icon SMI

    Bieniemy und Murray orchestrieren neues Laufspiel

    Nicht nur personell im Backfield, sondern auch im Coaching-Staff haben die Chiefs die Voraussetzungen geschaffen, ihr Laufspiel 2026 zu verbessern. Mit Eric Bieniemy als Offensive Coordinator und DeMarco Murray als Running Backs Coach kommt viel Erfahrung und Fachwissen in diesen Bereich.

    Vor allem Bieniemys Einfluss dürfte im Fokus stehen. Zuletzt arbeitete er mit einem Run Game, das auch ohne klaren Star im Backfield sehr effizient funktionierte. Mehrere Running Backs holten dabei mehr aus ihren Möglichkeiten heraus, als man vorher erwarten konnte. Davon könnte auch Kenneth Walker III profitieren.

    Denn trotz seiner Dynamik hat er noch Luft nach oben, vor allem bei der Konstanz seiner Reads und im Timing hinter seinen Blocks. Wenn Bieniemy und Murray genau an diesen Punkten ansetzen, könnte aus einem ohnehin gefährlichen Running Back ein noch kompletterer Spieler werden.

    Emari Demercado gibt dem Backfield mehr Tiefe

    Die Verpflichtung von Emari Demercado lief fast ein wenig unter dem Radar, könnte sich für die Chiefs aber dennoch als wichtiger Schritt erweisen. Er ist zwar kein klassischer Volume-Back, bringt aber genau die Qualitäten mit, die das Backfield sinnvoll ergänzen.

    Demercado ist vor allem bei Outside-Zone-Runs stark, kann mit Anlauf Tempo aufnehmen und sorgt ebenfalls für Big-Play-Potenzial. Dazu kommen sichere Hände und solide Fähigkeiten für eine mögliche Third-Down-Rolle. Genau in diesem Bereich brauchte Kansas City zusätzliche Stabilität.

    Vor allem im Zusammenspiel mit Kenneth Walker III wirkt das Backfield nun deutlich gefährlicher als noch 2025. Die Chiefs haben damit schon jetzt mehr Tempo, mehr Variabilität und insgesamt mehr Gefahr im RB-Room.

    Justin Fields erweitert das Playbook

    Dazu passt auch die Verpflichtung von Justin Fields als Backup hinter Patrick Mahomes. Nach dessen Kreuzbandriss ist weiterhin unklar, wann Mahomes wieder vollständig einsatzbereit sein wird. Zudem bleibt abzuwarten, wie mobil Mahomes sein Spiel nach der Verletzung künftig gestalten kann und darf. Schon nach seiner Knieverletzung 2019 verschwand der Quarterback Sneak weitgehend aus dem Playbook. Die Chiefs wollten sich entsprechend absichern und holten mit Fields einen mobilen Spielmacher, der zusätzlich eine echte Laufoption ins Angriffsspiel bringt.

    Seit seinem NFL-Einstieg 2021 kommt Fields auf 2892 Rushing Yards, der viertbeste Wert aller Quarterbacks in diesem Zeitraum, sowie 5,9 Yards pro Lauf - Rang drei unter allen QBs mit mindestens 200 Carries. Damit bringt er eine Dimension ins Spiel, die Kansas City in den vergangenen Jahren nur situativ genutzt hat.

    Selbst wenn Mahomes vollständig einsatzbereit ist, eröffnet ein Quarterback mit dieser Mobilität zusätzliche Möglichkeiten im Playcalling. Option-Konzepte, Zone-Reads oder situative Quarterback-Runs lassen sich einbauen, ohne das Grundgerüst der Offense zu verändern. In Kombination mit Kenneth Walker III könnten die Chiefs häufiger Formationen nutzen, aus denen mehrere Laufoptionen gleichzeitig entstehen. Für Defenses wird es dadurch schwieriger, sich vor dem Snap klar auf Pass oder Run festzulegen, was dem Angriff insgesamt mehr Variabilität und Explosivität geben kann.

    Im Backfield gibt es noch Arbeit

    Trotz der positiven Ansätze ist das Backfield der Chiefs noch nicht komplett. Kenneth Walker III ist als Lead Back gesetzt, Emari Demercado ergänzt die Gruppe sinnvoll, dahinter bleibt aber weiter Bedarf. Vor allem ein physischer Back für kurze Yardage-Situationen würde gut passen, weshalb auch eine Rückkehr von Kareem Hunt realistisch wirkt. Alternativ könnten die Chiefs noch im Draft oder in einer späteren Free-Agency-Phase nachlegen.

    Offen ist auch, wie es für Brashard Smith weitergeht. Durch die Verpflichtung von Demercado ist sein Weg in den Kader deutlich schwieriger geworden. Da es eher unwahrscheinlich ist, dass Kansas City mit vier Running Backs in die Saison geht, dürfte Smith seinen Platz vor allem über die Special Teams sichern müssen.

    Offensiv hat er sich bislang noch nicht klar genug empfohlen. Als Passempfänger bringt er zwar Potenzial mit, in der Pass Protection und als Läufer konnte er 2025 aber noch nicht konstant überzeugen. Nach 3,4 Yards pro Lauf bei 44 Versuchen scheint sein realistischer Weg in den Kader derzeit vor allem über die Return-Rolle zu führen.

    Das Laufspiel als möglicher Gamechanger

    Die Chiefs haben auf Running Back nicht einfach nur mehr Talent geholt, sondern womöglich den Grundstein für eine veränderte Offense gelegt. Kenneth Walker III bringt Explosivität, Big-Play-Potenzial und einen Stil mit, der Kansas City zu mehr Läufen aus Under Center, einem gefährlicheren Screen Game und insgesamt mehr Balance verhelfen könnte.

    Zwar ist das Backfield noch nicht komplett, doch vieles spricht schon jetzt dafür, dass das Laufspiel 2026 deutlich mehr sein könnte als nur eine Ergänzung zum Passspiel. Es hat das Potenzial, wieder zu einem echten X-Faktor der Chiefs Offense zu werden.

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    Marius Wimmler