30.08.2026
Noch vor Week 1
Während die meisten Teams im College Football erst in Week 1 in ihre Saison starten, rollt der Ball für einige Programme bereits eine Woche früher. Die sogenannte Week 0 wirkt auf den ersten Blick wie ein vorgezogener Saisonstart, dahinter stehen jedoch konkrete Ausnahmeregelungen der NCAA.

Auch 2026 wurde dieses zusätzliche Wochenende genutzt. North Carolina und TCU eröffneten ihre Saison beispielsweise beim Aer Lingus College Football Classic in Dublin, während unter anderem USC, Florida State, Stanford und Memphis ebenfalls bereits am 29. August im Einsatz waren. Doch warum dürfen einige Teams schon spielen, während der Großteil der FBS noch wartet?
Für die meisten FBS-Programme beginnt die Saison 2026 erst mit Week 1. Unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt die NCAA einzelnen Teams allerdings, bereits am vorherigen Wochenende anzutreten. Genau dieses zusätzliche Zeitfenster wird als Week 0 bezeichnet.
Dabei handelt es sich also nicht um einen vollständigen ersten Spieltag, an dem die gesamte FBS in die neue Saison startet. Stattdessen machen verschiedene Ausnahmeregelungen einen früheren Auftakt für bestimmte Programme möglich. Eine wichtige Rolle spielen dabei insbesondere Spiele auf Hawaii und internationale Begegnungen.
Eine der bekanntesten Ausnahmen betrifft Teams, die während der Saison ein Regular-Season-Spiel in Hawaii bestreiten. Diese Programme können unter den entsprechenden Voraussetzungen bereits am Samstag vor dem normalerweise frühesten FBS-Saisonstart ihre erste Partie austragen. Damit erhalten Teams, die im Laufe der Saison die lange Reise nach Hawaii antreten müssen, zusätzliche Flexibilität bei der Gestaltung ihres Spielplans.
Davon zu unterscheiden ist eine weitere Besonderheit, die häufig ebenfalls unter dem Begriff "Hawaii-Regel" zusammengefasst wird: Unter bestimmten Voraussetzungen existieren Ausnahmen von der normalen Obergrenze von zwölf Regular-Season-Spielen. Dadurch kann für Hawaii beziehungsweise Teams mit einem entsprechenden Spiel auf den Inseln ein zusätzliches Regular-Season-Spiel möglich werden.
Die Möglichkeit eines 13. Spiels und die Möglichkeit eines früheren Saisonstarts hängen damit zwar mit derselben besonderen Spielplan-Konstellation zusammen, sind regeltechnisch aber nicht dasselbe.
Ein weiterer wichtiger Grund für Week-0-Partien sind internationale Begegnungen. Ein FBS-Team, das während der Saison ein Regular-Season-Spiel außerhalb der USA austrägt, kann ebenfalls bereits vor dem gewöhnlichen Saisonstart antreten.
Das prominenteste Beispiel der Saison 2026 lieferte Dublin. North Carolina und TCU trafen am 29. August beim Aer Lingus College Football Classic im Aviva Stadium aufeinander. Die Tar Heels von Bill Belichick setzten sich mit 15:10 durch.
Die Ausnahme berücksichtigt die besonderen Belastungen, die mit einer internationalen Reise verbunden sind. Lange Flüge, Zeitverschiebung und die notwendige Regeneration unterscheiden eine solche Begegnung von einem gewöhnlichen Auswärtsspiel innerhalb der USA.
Die NCAA verbindet diese Möglichkeit deshalb mit einem zusätzlichen Schutz für die Spieler. Teams, die von der entsprechenden Ausnahme Gebrauch machen, müssen ihren Spielern während der Saison fünf zusätzliche freie Tage von anrechenbaren sportlichen Teamaktivitäten gewähren.
Ein automatisches Bye in Week 1 gehört dagegen nicht zur Regel. Ein Team muss nach einem internationalen Week-0-Spiel also nicht zwingend am darauffolgenden Wochenende pausieren.
Neben den regulatorischen Gründen besitzt Week 0 einen weiteren attraktiven Nebeneffekt: Aufmerksamkeit. Wenn in Week 1 ein Großteil der FBS gleichzeitig in die Saison startet, konkurrieren zahlreiche Programme um TV-Zeit und nationale Wahrnehmung. Das Spielangebot in Week 0 ist wesentlich kleiner. Einzelne Partien können dadurch prominentere TV-Fenster erhalten und stärker im Mittelpunkt stehen.
Gerade für internationale Begegnungen wie das College Football Classic in Dublin ist das attraktiv. Statt zwischen zahlreichen Spielen eines vollgepackten College-Football-Wochenendes stattzufinden, erhält die Partie zum Saisonstart eine deutlich größere Bühne.
Die zusätzliche TV-Präsenz ist allerdings nicht der regulatorische Grund für die Week 0. Sie ist vielmehr ein Nebeneffekt des kleineren Spielangebots.
Das bisherige System steht allerdings unmittelbar vor seinem Ende. Die NCAA hat im Juni 2026 eine grundlegende Änderung des FBS-Kalenders beschlossen.
Ab der Saison 2027 steht den FBS-Programmen generell ein 14-wöchiges Zeitfenster zur Verfügung, in dem sie ihre zwölf Regular-Season-Spiele austragen können. Der frühestmögliche Saisonstart wird dadurch für alle Programme nach vorne verlegt.
Damit werden auch die bisherigen Ausnahmen beim frühesten Starttermin für internationale Spiele und Teams mit einer Hawaii-Konstellation überflüssig. Programme benötigen ab 2027 keinen dieser Sonderfälle mehr, um bereits in dem Zeitfenster zu spielen, das bislang als Week 0 bezeichnet wird.
Durch das 14-wöchige Saisonfenster erhalten die Teams zudem regelmäßig die Möglichkeit, zwei offene Termine beziehungsweise Bye Weeks in ihren Spielplan einzubauen.
Die Week 0 der Saison 2026 ist damit die letzte in ihrer bisherigen Form. Ab 2027 dürfen grundsätzlich alle FBS-Programme bereits in dem Zeitfenster starten, das bislang nur ausgewählten Teams aufgrund entsprechender Ausnahmeregelungen offenstand.
nkr