vor 8 Stunden
Ein Drittel vorbei
Sechs Spiele, sechs Siege und Zahlen auf absolutem Topniveau: Würde die NFL ihren MVP bereits nach Week 6 vergeben, hätte Brock Purdy mehr als überzeugende Argumente auf seiner Seite. Der Quarterback der San Francisco 49ers verbindet den perfekten Saisonstart seines Teams mit einer bemerkenswerten individuellen Effizienz.

Nach sechs Spielen steht Purdy bei 1.460 Passing Yards, 14 Touchdowns und gerade einmal zwei Interceptions. Dazu kommen ein Passer Rating von 118,1 und 156 Rushing Yards. Vor allem aber steht über allem die 6-0-Bilanz der 49ers.
Purdy bringt bislang 69,6 Prozent seiner Pässe an und produziert durchschnittlich 8,5 Yards pro Passversuch. Gleichzeitig geht er bemerkenswert vorsichtig mit dem Football um.
14 Touchdown-Pässen stehen lediglich zwei Interceptions gegenüber. Hinzu kommen 156 Rushing Yards und ein weiterer Touchdown am Boden.
Besonders beeindruckend war sein Auftritt gegen Miami. Purdy komplettierte 20 seiner 22 Pässe für 287 Yards und zwei Touchdowns. Das bedeutete eine Completion Rate von 90,9 Prozent und ein Passer Rating von 149,0. Zusätzlich erlief er 30 Yards und einen weiteren Touchdown. Gegen Arizona waren es zuvor 297 Passing Yards, vier Touchdowns, keine Interception und ein Rating von 133,8.
Für seine MVP-Kandidatur sprechen allerdings nicht nur die statistischen Ausreißer. Purdy hat auch gegen starke Defenses Wege gefunden, Spiele zu gewinnen.
Beim 24:14 gegen die Denver Broncos brachte er 19 von 30 Pässen für 218 Yards und zwei Touchdowns an. Er leistete sich keine Interception und wurde kein einziges Mal gesackt. Sein Passer Rating lag bei 107,4.
Gegen die Seattle Seahawks war seine individuelle Ausbeute mit 189 Passing Yards, zwei Touchdowns und einer Interception weniger spektakulär. San Francisco gewann das enge Divisionsduell dennoch mit 32:29.
Genau das gehört ebenfalls zur bisherigen Purdy-Saison: Nicht jede Partie muss statistisch überragend sein. Auch wenn der Gegner seine Möglichkeiten einschränkt, findet San Francisco bislang einen Weg zum Sieg.
Das zeigte sich auch beim 23:17 gegen die Washington Commanders. Purdy komplettierte 21 von 29 Pässen für 264 Yards, einen Touchdown und keine Interception. Sein Passer Rating: 111,8.
Zusätzlich erlief er 28 Yards und verlängerte mehrfach Spielzüge mit seinen Beinen. Die 49ers bauten zwischenzeitlich eine 23:3-Führung auf, ehe Washington in der zweiten Hälfte noch einmal herankam. Damit steht San Francisco erstmals seit 2019 wieder bei 6-0.
Purdys Leistungen sind auch deshalb bemerkenswert, weil ihn seit seinem Durchbruch die Diskussion begleitet, wie viel seines Erfolges tatsächlich auf ihn selbst und wie viel auf das System von Kyle Shanahan zurückzuführen ist.
Nach sechs Spielen dieser Saison wird es schwieriger, seine Leistungen allein auf das System zu reduzieren. Purdy produziert Touchdowns, vermeidet Turnover und verschafft der Offense zusätzlich mit seinen Beinen neue Möglichkeiten. Dabei wurde er in sechs Spielen gerade einmal fünfmal gesackt. In den ersten vier Partien der Saison blieb seine Bilanz sogar komplett ohne Sack.
Der ehemalige letzte Pick des Drafts verwaltet Shanahans Offense nicht nur. Er ist inzwischen einer ihrer entscheidenden Faktoren.
Passend dazu erreichte Purdy gegen Washington auch eine bemerkenswerte persönliche Marke. Mit mittlerweile mehr als 1.500 Passversuchen erfüllt er die notwendige Mindestanzahl für die entsprechende historische NFL-Wertung.
Sein Karriere-Passer-Rating liegt bei 105,6 - und damit derzeit höher als bei jedem anderen qualifizierten Quarterback der NFL-Geschichte. Natürlich wird der MVP nicht nach sechs Spielen vergeben. Es bleiben noch elf Partien, in denen sich das Bild vollständig verändern kann.
Doch würde die Abstimmung heute stattfinden, müsste Purdy ganz vorne in der Diskussion stehen: 6-0, 1.460 Passing Yards, 14 Touchdowns bei zwei Interceptions, ein Rating von 118,1 und dazu 157 Total Touchdowns? Nein - vielmehr 15 Total Touchdowns aus Pass und Lauf.
Und genau diese Kombination aus Teamerfolg, Effizienz und eigener Produktion macht Brock Purdy nach sechs Spielen zu einem der überzeugendsten MVP-Kandidaten der Saison.
Autor: Niklas Kreuzer
nkr