21.09.2026
Nach der Browns-Niederlage
Zwei Spiele, zwei Niederlagen: Die Tampa Bay Buccaneers sind mit einer 0:2-Bilanz in die NFL-Saison 2026 gestartet. Erstmals seit 2014 haben die Bucs ihre ersten beiden Saisonspiele verloren - und plötzlich geht es in Tampa nicht mehr nur um Baker Mayfield oder einzelne Fehler auf dem Feld.

Denn die Probleme ziehen sich inzwischen durch verschiedene Bereiche des Teams. Turnover, mangelnde Effizienz in entscheidenden Situationen, Strafen und defensive Aussetzer haben die ersten beiden Spiele geprägt. Damit rückt zwangsläufig auch Head Coach Todd Bowles immer stärker in den Mittelpunkt.
Baker Mayfield steht nach zwei Spielen bei 44 angekommenen Pässen bei 62 Versuchen für 398 Yards, einen Touchdown und eine Interception. Seine Completion Percentage von 71,0 Prozent und sein Passer Rating von 86,6 wirken auf den ersten Blick nicht wie die Zahlen eines Quarterbacks in einer tiefen Krise.
Doch zwischen den beiden Spielen gibt es deutliche Unterschiede. Beim 27:33 gegen Cincinnati brachte Mayfield starke 23 seiner 28 Pässe für 216 Yards an. Das große Problem waren stattdessen die Ballverluste. Mayfield fumbelte dreimal und verlor alle drei Bälle. Hinzu kam ein weiterer verlorener Fumble von Bucky Irving. Tampa Bay leistete sich damit insgesamt vier Turnover.
Gegen Cleveland verschob sich das Problem. Mayfield verlor keinen Fumble mehr, brachte aber nur 21 seiner 34 Pässe für 182 Yards an. Einem Touchdown stand eine Interception gegenüber, sein Passer Rating fiel auf 73,4.
Besonders deutlich wurde gegen die Browns, dass Tampa Bay seine Möglichkeiten derzeit nicht konsequent genug nutzt. In der gesamten Partie erzielte die Offense nur einen Touchdown. Mayfield fand Emeka Egbuka im dritten Viertel über fünf Yards zum zwischenzeitlichen 16:6. Ansonsten musste immer wieder Chase McLaughlin übernehmen.
Der Kicker traf aus 59, 45 und zweimal aus 31 Yards. Vier erfolgreiche Field Goals brachten wichtige Punkte, verdeutlichen gleichzeitig aber das Problem: Die Buccaneers bewegten den Ball wiederholt weit genug über das Feld, konnten ihre Drives aber zu selten mit sieben Punkten abschließen.
Das rächte sich. Cleveland machte aus einem 6:16-Rückstand ein 16:16 und antwortete später auch auf McLaughlins Field Goal zum 19:16. Deshaun Watson führte die Browns über zwölf Plays und 68 Yards zum entscheidenden Touchdown.
Gerade dieser Auftritt wirft auch Fragen über die Defense auf - und damit über Bowles, dessen Spezialgebiet seit Jahren genau diese Seite des Balls ist.
Watson brachte 24 seiner 30 Pässe für 238 Yards und zwei Touchdowns an, blieb ohne Interception und erreichte ein Passer Rating von 121,9.
Dabei dominierte Cleveland statistisch keineswegs. Die Browns produzierten insgesamt nur 267 Yards und gerade einmal 44 Rushing Yards. Trotzdem fand die Defense in den wichtigsten Situationen keine Antwort.
Watsons 55-Yard-Touchdown-Pass auf Denzel Boston brachte Cleveland nach einem Zehn-Punkte-Rückstand zurück. Noch schwerer wog der letzte Touchdown-Drive. Mit dem Spiel auf der Kippe marschierten die Browns über 68 Yards und gingen 3:51 Minuten vor Schluss durch Watsons 17-Yard-Pass auf Blake Whiteheart mit 23:19 in Führung. Für einen Head Coach mit defensivem Hintergrund ist genau das besonders problematisch.
Damit richtet sich die Kritik zunehmend gegen Todd Bowles. Der 0:2-Start allein wäre nach zwei Wochen noch kein Grund für grundsätzliche Zweifel. Entscheidend ist vielmehr, wie diese beiden Niederlagen zustande gekommen sind.
Gegen Cincinnati verlor Tampa Bay vier Fumbles. Eine Woche später folgten gegen Cleveland sechs Strafen für 62 Yards, Probleme beim Tackling und eine Defense, die einen 16:6-Vorsprung nicht verteidigen konnte.
Besonders brisant: Es sind keine völlig neuen Baustellen, die Bowles nach der Niederlage ansprechen musste. Er selbst verwies nach dem Spiel erneut auf die Notwendigkeit, Strafen zu reduzieren und besser zu tackeln.
Genau hier setzt die Kritik am Head Coach an. Wenn sich fundamentale Fehler wiederholen, geht es irgendwann nicht mehr nur um einzelne Spieler. Vorbereitung, Disziplin und die Fähigkeit, bekannte Schwächen abzustellen, gehören zum Verantwortungsbereich des Coaching Staffs.
Entsprechend deutlich fällt inzwischen auch die öffentliche Reaktion aus. Mehrere US-Analysten sehen Bowles bereits auf dem Hot Seat. Hall of Famer Shannon Sharpe erklärte nach der Browns-Niederlage ebenfalls, dass Bowles' Arbeitsplatz zunehmend gefährdet sei.
Nach zwei Spielen ist eine Saison noch lange nicht verloren. Für Bowles wird die Frage aber immer drängender, warum ein Kader mit hohen Erwartungen erneut an vermeidbaren Fehlern scheitert.
Dass die Offense grundsätzlich Möglichkeiten besitzt, zeigt das Laufspiel. Bucky Irving kam gegen Cleveland bei 17 Carries auf 89 Yards und damit auf 5,2 Yards pro Lauf.
Auch Mayfield steuerte 29 Rushing Yards bei. Das Problem liegt deshalb nicht darin, dass Tampa Bay überhaupt keinen Raumgewinn produziert.
Vielmehr fehlt die Konsequenz, gute Drives entsprechend zu beenden. Gegen Cincinnati waren es vor allem die vier verlorenen Fumbles, gegen Cleveland fehlende Touchdowns, Strafen und defensive Fehler in entscheidenden Situationen.
Natürlich trägt Mayfield seinen Anteil am Fehlstart. Drei verlorene Fumbles in Cincinnati und nur 182 Passing Yards gegen Cleveland sind nicht das Niveau, das Tampa Bay von seinem Quarterback benötigt. Ihm allein den 0:2-Start zuzuschreiben, würde allerdings zu kurz greifen.
Die Buccaneers produzieren offensiv immer wieder vielversprechende Drives, besitzen mit Irving ein funktionierendes Laufspiel und hatten gegen Cleveland sogar mehr Total Yards als der Gegner. Trotzdem stehen nach zwei Wochen zwei Niederlagen. Und genau deshalb wird Bowles zum zentralen Thema.
Ein Head Coach kann keinen Fumble verhindern und keinen Pass für seinen Quarterback anbringen. Er ist aber dafür verantwortlich, dass sein Team vorbereitet, diszipliniert und in entscheidenden Situationen bereit ist. Wenn Turnover, Strafen, verpasste Tackles und nicht zu Ende gebrachte Drives Woche für Woche das Bild bestimmen, reicht es irgendwann nicht mehr, ausschließlich auf individuelle Fehler zu zeigen.
Erstmals seit 2014 steht Tampa Bay bei 0:2. Nach gerade einmal zwei Spielen ist noch genügend Zeit, die Saison zu drehen. Für Bowles dürfte es allerdings längst nicht mehr nur darum gehen, einzelne Fehler zu korrigieren. Er muss zeigen, dass er die grundsätzlichen Probleme dieses Teams noch lösen kann.
nkr