20.08.2025
Startplatz verloren
Anthony Richardson hat das Quarterback-Duell bei den Indianapolis Colts verloren, Daniel Jones wird in der kommenden Saison als Starter gehen. Für Richardson stellt sich nun die große Frage, wie es für den ehemaligen Top 4 Pick weitergeht.

Es ist die nächste Wendung in einer bisher unruhigen NFL-Karriere: Anthony Richardson, 2023 als künftiger Franchise Quarterback hochgehandelt, muss sich in Indianapolis zunächst mit der Rolle als Backup zufriedengeben. Head Coach Shane Steichen entschied sich nach einem offenen Wettbewerb für Neuzugang Daniel Jones.
Richardson, der mit enormem Talent, aber wenig Erfahrung in die Liga kam, reagierte gefasst. "Man muss diese Entscheidung respektieren. Sie sind der Meinung, dass er (Daniel Jones, Anm. d. Red.) besser zum Team passt und besser zu unserem Ziel, Spiele zu gewinnen. Also muss man das einfach respektieren und weiterarbeiten", erklärte gegenüber Reportern.
Richardson sagte weiter: "Das untergräbt nicht die Arbeit, die ich investiert habe. Es bedeutet nicht, dass ich mich nicht verbessert habe. Ich bin stolz auf die Fortschritte, die ich gemacht habe." Doch sein Agent und Stimmen aus dem Umfeld äußerten Zweifel an der Entscheidung - und so rückt die Frage nach seiner Zukunft in den Vordergrund.
Ein Blick auf die Zahlen zeigt, wie unerfahren Richardson als Quarterback noch immer ist. Schon im College sammelte er in drei Jahren nur 973 Total Snaps, davon 767 in seiner letzten Saison als Starter bei Florida. In der NFL sind es bislang sogar weniger - lediglich 793 Total Snaps in zwei Jahren.
Auch bei den Pässen setzt sich das Bild fort: Für die Gators warf Richardson im College insgesamt 395 Pässe, in der NFL bislang 348. Zum Vergleich: Allein in der vergangenen regulären Saison haben 22 Quarterbacks in der NFL mehr Bälle geworfen als Richardson in seiner gesamten NFL-Karriere.
Noch schwerer wiegt seine schwache Effizienz in der NFL: Nur 176 seiner 348 Würfe fanden ihr Ziel - eine Completion Percentage von 50,6 Prozent. Kein einziger der oben genannten QB lag unter 60 Prozent.
Auch im direkten Vergleich mit dem neuen Starter zieht er klar den Kürzeren: Daniel Jones brachte in seiner bisherigen Karriere 64 Prozent seiner Pässe an den Mann. Damit gibt er der Offensive unter Steichen den deutlich effizienteren Dirigenten, den sie dringend braucht.
Dennoch sorgt die Entscheidung für Unverständnis. "Vertrauen ist ein wichtiger Faktor, und das ist derzeit bestenfalls fragwürdig", kritisierte sein Agent Deiric Jackson gegenüber ESPN. "Anthony kam zurück und verbesserte sich in den Bereichen, in denen er sich verbessern musste. Und nach allem, was man hört, hatte er ein großartiges Camp."
Jackson betonte zudem, dass Richardson bei wichtigen Momenten in der vergangenen Saison das Team getragen hat. "Wenn sie letztes Jahr ein Big Play brauchten, in wessen Hände haben sie den Ball gelegt? In Anthonys", betonte er.
Auch Teamkollege Quenton Nelson sprach offen über die Entscheidung. "Ich würde lügen, wenn ich sage, dass es nicht frustrierend ist", erklärte der Guard laut The Athletic. "Wenn man sich in der Liga umschaut, sieht man, wie wichtig es ist, einen Spieler wie Patrick Mahomes oder einen Quarterback hinter sich zu haben, der seit Jahren der Franchise-Spieler ist. Jahr für Jahr eine gute Chemie mit diesem Quarterback aufzubauen, ist etwas, das einen Vorteil für die O-Line darstellt."
Für Richardson ist der Verlust des Starter Jobs ein herber Rückschlag - aber nicht das Ende. Kurzfristig bleibt er nur einen Snap von einem möglichen Einsatz entfernt, sollte sich Daniel Jones verletzen oder schwach spielen. Langfristig stellt sich aber die Frage, ob er überhaupt noch eine Zukunft in Indianapolis hat.
Ein Trade ist ein realistisches Szenario, vor allem wenn Jones überzeugt. Die Colts könnten versuchen, Teile des hohen Draft-Kapitals zurückzuholen, das sie 2023 in Richardson investiert haben.
Besonders interessant wäre ein Deal während der Saison, falls ein anderes Team nach einer Verletzung verzweifelt nach einem Quarterback sucht. Richardson bringt trotz seiner Schwächen immer noch enormes physisches Potenzial mit - und ist auch erst 23 Jahre alt.
Fest steht: Richardson steht am Scheideweg. Sollte seine Karriere als Colt vorbei sein, stellen sich die folgenden Fragen: Bekommt ein anderes NFL-Team das enorm hohe Potenzial besser entfacht? Oder droht er, sich in die Reihe der "Was-wäre-wenn"-Talente der NFL-Geschichte einzusortieren?
val