28.11.2025
Jackson und Ravens-Offense weiter in der Krise
Die Cincinnati Bengals haben an Thanksgiving ein deutliches Lebenszeichen im fast verlorenen Playoff-Rennen gesetzt. Beim 32:14-Auswärtssieg in Baltimore feierten sie nicht nur die Rückkehr von Joe Burrow, sondern profitierten vor allem von einer ungewöhnlich dominanten Defense, die Lamar Jackson und die Ravens-Offense mit insgesamt fünf Ballverlusten zermürbte.

Cincinnati eröffnete mit Kicker Evan McPherson das Scoring mit einem 31-Yard-Field Goal zum 3:0. Die Antwort der Ravens ließ nicht lange auf sich warten: Lamar Jackson bewegte die Chains mit Pässen auf seine Tight Ends und eigenen Scrambles, ehe Derrick Henry einen Toss-Lauf über 28 Yards in die Endzone trug - 7:3 Baltimore.
Kurz darauf setzte die Bengals-Defense das erste Ausrufezeichen: Edge-Rusher Joseph Ossai sackte Jackson nahe der eigenen Endzone, schlug den Ball frei und Cincinnati übernahm an der 2-Yard-Linie der Ravens. Doch die Gäste ließen diese Riesenchance liegen: drei Incompletions und ein Lauf für null Yards, Turnover on Downs statt Führung - ein Muster, das die erste Halbzeit prägte.
Baltimore blieb offensiv wacklig. Nach einem spektakulären Scramble-Pass auf Isaiah Likely verlor der Tight End den Ball kurz vor der Goalline, Safety Jordan Battle wischte von hinten nach und der Ball rutschte durch die Endzone ins Aus - Touchback statt sicherem Touchdown. Später im zweiten Viertel wurde ein 36-Yard-Touchdown von Zay Flowers wegen Offensive Pass Interference zurückgepfiffen, und erneut war es Ossai, der mit seinem zweiten Sack die Ravens aus Field-Goal-Range warf.
Kurz vor der Pause dann der nächste Aussetzer: Jackson verlor den Ball beim Wurfversuch einfach aus der Hand, Cincinnati eroberte an der 19-Yard-Linie. Insgesamt leisteten sich die Ravens in Hälfte eins drei Fumbles. Die Bengals machten daraus allerdings "nur" drei Field Goals von McPherson und gingen mit einer 12:7-Führung in die Kabine - gemessen an den Ravens-Fehlern ein fast schmeichelhafter Rückstand für Baltimore.
Nach der Pause kam der Rückkehrer Joe Burrow immer besser in Fahrt. Auf ihrem fünften Trip in die Redzone verwandelten die Bengals endlich in sieben Punkte: Nach einer DPI-Strafe gegen T.J. Tampa fand Burrow Tight End Tanner Hudson in der Endzone, der den Ball mit einer Hand kontrollierte und den 14-Yard-Touchdown zum 19:7 fing.
Baltimore antwortete noch einmal: Jackson bediente Mark Andrews über die Mitte, zog selbst bei einer Zone-Read über außen und Running Back Keaton Mitchell schloss den Drive mit einem 18-Yard-Touchdown-Lauf ab - Zay Flowers lieferte dabei einen krachenden Pancake-Block. Beim Stand von 19:14 schien das Momentum kurz zu kippen.
mgs
Doch Burrow setzte direkt das nächste Ausrufezeichen. Auf Third-and-9 erkannte er ein Mismatch: Receiver Andrei Iosivas gegen Linebacker Roquan Smith. Der Quarterback attackierte genau dieses Duell und legte den 29-Yard-Touchdown-Pass perfekt über Smith hinweg in die Arme von Iosivas - 26:14 Bengals kurz vor Ende des dritten Viertels.
Die Ravens arbeiteten sich zu Beginn des Schlussviertels noch einmal in die Redzone, angetrieben von einem 44-Yard-Catch-and-Run von Derrick Henry. Doch auch hier schlug die Bengals-Defense zu: Ein Pass von Jackson wurde an der Line of Scrimmage von Myles Murphy abgefälscht, Linebacker Demetrius Knight Jr. schnappte sich den Ball und returnierte die Interception 39 Yards zurück. McPherson erhöhte anschließend mit weiteren Field Goals - unter anderem aus 52 und 41 Yards - auf 32:14.
Baltimore versuchte es danach mit Fourth-Down-Versuchen und tiefen Pässen, kam aber nicht mehr zurück ins Spiel. Zunächst scheiterte ein Drive an einem incomplete Pass bei 4th&8, später sorgte ein Fumble von Zay Flowers - herausgeschlagen von Cornerback Jalen Davis - für den fünften Turnover des Abends. Passend zu einem Spiel, in dem sich die Ravens-Offense mit eigenen Fehlern selbst aus dem Spiel nahmen.

Joe Burrow, der mit einer Carbon-Platte im linken Schuh zurückkehrte, beendete die Partie mit 24 von 46 Pässen für 261 Yards und zwei Touchdowns. Er brachte vor allem in Halbzeit zwei Ruhe und Struktur in eine Offense, die in seiner Abwesenheit immer wieder schwankte. Kicker Evan McPherson traf sechs Field Goals und war damit ein zentraler Faktor im Bengals-Gameplan.
Auf der anderen Seite kam Lamar Jackson, der seit Wochen um Form und Fitness kämpft, auf 246 Pass-Yards (17/32), verlor aber zwei Fumbles und warf eine Interception. Insgesamt vier Fumbles und eine Interceptions sind für eine ohnehin zuletzt stockende Ravens-Offense deutlich zu viel. Derrick Henrys früher 28-Yard-Touchdown-Lauf und Keaton Mitchells Scoring-Run blieben die wenigen Highlights eines ansonsten frustrierenden Abends für Baltimore.
Für Cincinnati (4-8) ist der Sieg mehr als nur ein emotionaler Burrow-Comeback-Moment: Die Bengals-Defense, bislang Schlusslicht der Liga in zugelassenen Punkten, lieferte aus dem Nichts ihr bestes Saisonspiel. Mit nun vier Siegen können sie sich zumindest ein kleines Restfenster für einen späten Playoff-Run offenhalten - während Baltimore (6-6) sich nach diesem Rückschlag neu sortieren muss.