20.01.2025
Drei Baltimore-Turnover zu viel
Die Buffalo Bills stehen im AFC Championship Game der NFL-Playoffs, wo es nun zum Duell mit den Kansas City Chiefs kommt. Im Topduell gegen die Baltimore Ravens, denen zu viele Fehler das Genick brachen, setzten sich Josh Allen und Co. mit 27:25 durch.

Es war zum Abschluss der diesjährigen Divisional Round das mit Spannung erwartete Topspiel zwischen dem Nummer-2- sowie dem Nummer-3-Seed in der AFC. Zwei Teams, die angeführt von ihren beiden Star-Quarterbacks sowie MVP-Favoriten Josh Allen und Lamar Jackson hinter den Detroit Lions die besten Offensivreigen der regulären Saison gestellt hatten. So war es überhaupt erst das siebte Playoff-Duell überhaupt zwischen zwei Mannschaften, die in den Monaten zuvor im Durchschnitt über 30 Punkte erzielten.
Entsprechend war Offensivspektakel vermeintlich vorprogrammiert - was auch der Start in die Partie zunächst untermauerte. Zwar starteten die Ravens, die als erstes den Ball bekamen, etwas verhalten, weil Running Back Derrick Henry einen Pass seines Quarterbacks freistehend fallen ließ. Doch Baltimore wusste entsprechend zu antworten. Allen voran, weil Jackson zunächst Tight End Isaiah Likely mit einem Pass für 39 Yards fand - und einige Plays später Receiver Rashod Bateman über 16 Yards in der Endzone zum ersten Touchdown der Partie.
Doch die gastgebenden Bills antworteten standesgemäß - auch dank eines 34-Yard-Passes von Allen über die Mitte auf Khalil Shakir. Zwar stoppte die Ravens-Defensive die Bills in der Folge beim dritten Versuch. Doch Buffalo scheute keinesfalls das Risiko, ging für den vierten Versuch, konvertierte diesen und glich wenig später durch einen 1-Yard-Lauf durch Ersatz-Running-Back Ray Davis aus.
Baltimore war wieder gefordert - und legte in den darauffolgenden Minuten gleich zwei Drives zum Vergessen hin. Jackson warf nämlich zunächst eine Interception auf Bills-Safety Taylor Rapp. Und nachdem die eigene Verteidigung die Bills zum Punt gezwungen hatte, leistete sich Jackson einen verhängnisvollen Fumble: Nach einem verunglückten Snap wollte er sich aus dem Druck befreien, dabei glitt ihm der Ball bei eisigen und rutschigen Wetterverhältnissen jedoch aus der Hand. Für den zweimaligen MVP Jackson, dem in den vergangenen Jahren immer wieder nachgesagt wurde, in den Playoffs nicht an seine starken Regular-Season-Leistungen anzuknüpfen, war es zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt das erste Spiel in dieser Saison mit zwei Giveaways.
Bills-Pass-Rusher Von Miller ließ sich nicht zweimal bitten, nahm den freiliegenden Ball auf und machte sich auf den Weg in Richtung gegnerische Endzone. Zwar wurde er nach 39 Yards an der 24-Yard-Markierung gestoppt. Doch die Offensive der Bills hatte logischerweise ein kurzes Feld vor sich und wusste dieses auch zu nutzen. Via Quarterback-Sneak sorgte Allen für die 14:7-Führung.
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Die Gäste waren wieder an der Reihe - und Jackson schien sich wieder gefangen zu haben. Mit einem tiefen Zuspiel über 42 Yards fand er Bateman, der noch an der gegnerischen 2-Yard-Linie gestoppt wurde. Doch weil unter anderem Running Back Henry - der über die gesamte erste Hälfte bei nur 21 Rushing Yards gehalten wurde - mit Raumverlust gestoppt und Jackson obendrein gesackt wurde, kam nur ein Field Goal dabei herum.
Die Bills kamen aber vor der Halbzeit auch noch mal an den Ball und robbten sich Schritt für Schritt in Richtung Endzone - neben geduldigem Laufspiel auch begünstigt durch eine diskussionswürdige Pass-Interference-Strafe gegen den ehemaligen Bills- und jetzigen Ravens-Cornerback Tre'Davious White. Schließlich war es erneut Allen, der seine Qualitäten als Läufer unter Beweis stellte und seinen zweiten TD des Tages zur 21:10-Halbzeitführung erzielte.
Durchgang zwei begann dann aus Ravens-Sicht vielversprechend. So forcierte die eigene Defensive umgehend ein Three-and-out und zwang die Bills auch bei ihrem zweiten Einsatz zum Punt, während die Offensivreihe in ihrem ersten Drive zumindest ein Field Goal zustand brachte und den Rückstand so auf acht Punkte verkürzen konnte. Weil die Ravens insgesamt auch ihr Rushing Game ins Rollen bekamen (89 Rushing Yards im dritten Viertel gegenüber lediglich elf bei den Bills), gelang dem zuvor noch blass gebliebenen Henry kurze Zeit später sein erster Touchdown des Spiels. Weil aber die anvisierte Two Point Conversion misslang, blieb es aber bei sechs Punkten und so folglich zunächst beim 19:21 aus Sicht des Teams aus dem US-Bundesstaat Maryland. Henry reihte sich im Übrigen ein weiteres Mal in die NFL-Geschichtsbücher ein - als siebter Spieler erreichte er die Marke von 1000 Karriere-Rushing-Yards in den Playoffs.

Die Bills waren zum Start in das vierte und letzte Viertel nun wieder unter Zugzwang und bewegten den Ball zunächst auch gut, an der gegnerischen 33-Yard-Linie konnte Allen dann allerdings seine beiden Pässe auf Amari Cooper und Shakir nicht anbringen, sodass Kicker Tyler Bass gefordert war. Aus 51 Yards - bei diesen widrigen Bedingungen durchaus anspruchsvoll - ließ er sich aber nicht beirren und stellte auf 24:19.
Es ging nun in die heiße Phase, in der die Ravens bei ihrem folgenden Drive wieder in Führung gehen wollten. Doch wie bereits in Durchgang sollte ein kritischer Turnover diesem Unterfangen einen Strich durch die Rechnung machen. Denn Jackson bediente zunächst seinen ziemlich freistehenden Tight End Mark Andrews, der Bills-Linebacker Terrel Bernard mit einer Körpertäuschung aussteigen lassen wollte, sich von diesem dabei aber den Ball aus der Hand schlagen ließ. So gab er den Ballbesitz wieder her und zog vor allem den Zorn von Head Coach John Harbaugh auf sich.
Buffalos Offensive betrat etwa auf Höhe der Mittellinie und mit noch knapp neun Minuten auf der Uhr das Feld und marschierte bis an die gegnerische 2-Yard-Linie, wo die Ravens schließlich den Stopp schafften. Trotz Überlegungen, den vierten Versuch auszuspielen, gingen die Gastgeber auf Nummer sicher und kickten das Field Goal zum 27:19. So blieben den Ravens noch dreieinhalb Minuten.
Jackson zeigte sich in diesem Drive von seiner besten Seite, er behielt die Ruhe in der Pocket, verschaffte sich mit seinen Fähigkeiten als Scrambler immer wieder Platz und verteilte die Bälle an seine Mitspieler. Schließlich fand er seinen Tight End Likely über 24 Yards ein weiteres Mal für den Touchdown. Doch Andrews, der mit einem Catch noch seinen Anteil an diesem Drive hatte, konnte den Ball bei der zwingend erforderlichen Two Point Conversion nicht festhalten. Die Ravens mussten nun zum Onside-Kick antreten, der hingegen nicht erfolgreich war. So reichte den Bills ein First Down, um die Zeit runterlaufen zu lassen und den 27:25-Sieg einzutüten.
Während die Postseason für Jackson und die Ravens, denen in diesem Spiel die Fehleranfälligkeit und vor allem die Turnover-Bilanz von -3 zum Verhängnis wurde, ein weiteres Mal frühzeitig und ernüchternd zum Ende kommt, bekommt es Allen mit seinen Bills in der kommenden Woche bei seinem Playoff-Kryptonit, den Kansas City Chiefs, zu tun. Ein Duell, das es in den vergangenen Jahren in den Playoffs zuhauf gegeben hat - zuletzt im vergangenen Jahr. Allerding stets mit dem besseren Ende für Patrick Mahomes und Co.