17.01.2022
Wildcard-Game: San Francisco verdient sich Trip nach Green Bay
Der geplante Angriff auf den Super Bowl fand für die favorisierten Dallas Cowboys ein frühes Ende. Auch weil die Defense der San Francisco 49ers die hochgelobte Offensive der Texaner um Dak Prescott in Schach hielt - und sich die Cowboys einmal mehr zu viele Strafen leisteten.

Seit 20 Jahren hatten die Dallas Cowboys und die San Francisco 49ers nicht mehr gemeinsam in den Play-offs gestanden. Am Sonntag fand eine der größten Rivalitäten der NFL-Historie (begründet vor allem in den Duellen der 90er) eine Neuauflage, in die die Cowboys im heimischen AT&T Stadium als Favorit gingen.
Die 49ers wollten davon allerdings nichts wissen. Ein starker Eröffnungsdrive mündete im Touchdown von Running Back Elijah Mitchell. Die bärenstarke Defense der Gäste stellte die statistisch beste Offensive der NFL in der Folge vor immense Probleme. Quarterback Dak Prescott, der in der Offseason einen Vertrag über 40 Millionen Dollar pro Jahr unterschrieben hatte, konnte seine hochgelobten Receiver kaum in Szene setzen. Ein Touchdown-Pass auf Amari Cooper gelang ihm in der ersten Halbzeit immerhin.
Da die klar dominanten Niners sich dreimal mit einem - jeweils von Kicker Robbie Gould verwandelten - Field Goal begnügen mussten, waren die Cowboys zur Pause noch in Reichweite (7:16). Die Niners hatten zudem kurz vor der Halbzeit den Verlust ihres besten Edge Rushers Nick Bosa (Gehirnerschütterung) zu verkraften.
Die 49ers hielten den Druck auf Prescott auch ohne Bosa hoch. Insgesamt musste der Cowboys-Quarterback fünf Sacks einstecken, die beste Offensive der NFL kam nur auf 307 Yards. Und der Rückstand wuchs weiter, als Prescott sich im dritten Viertel eine Interception leistete (K’Waun Williams) und der gewohnt starke Deebo Samuel im nächsten Play einen starken Lauf in die Endzone hinlegte - 23:7.
Keine Werbung in eigener Sache betrieb im Übrigen der gebürtige Franke Mark Nzeocha, der von den 49ers unlängst reaktiviert worden war. Weil er nach einem bereits gescheiterten Cowboys-Drive in den Punter reinrasselte, blieb Dallas in Ballbesitz. Letztlich blieb der Fauxpas aber folgenlos.
Denn auch wenn die Cowbyos per Field Goal verkürzten (nach u.a. einem erfolgreichen Fake Punt), schienen die 49ers nun kurz davor zu sein, für die Vorentscheidung zu sorgen. Doch ihr Quarterback Jimmy Garoppolo (16/25, 172 Yards, INT) machte das Spiel wieder spannend. Erst überwarf er den freistehenden Brandon Aiyuk, dann leistete er sich eine hanebüchene Interception auf Cowboys-Corner Anthony Brown, die nicht nur das Stadion wieder aufweckte. Wenig später lief Prescott selbst in die Endzone - nur noch 17:23!
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Die Niners, bei denen sich im Schlussviertel auch noch Linebacker Fred Warner verletzte, versuchten nun, an der Uhr zu drehen, was auch deshalb gelang, weil die Cowboys sich durch völlig unnötige Strafen immer wieder selbst in den Fuß schossen. 14 Flaggen gegen Dallas - schon in der Regular Season das am meisten bestrafte Team - flogen insgesamt aufs Feld.
In den Schlussminuten wurde es trotzdem noch einmal richtig dramatisch. Erst fehlten Samuel Zentimeter (nach Review) für ein neues First Down, das die Partie beendet hätte, dann wurde ein erfolgreicher Quarterback-Sneak von Garoppolo wegen eines Fehlstarts in der O-Line zurückgenommen.

So kamen die Cowboys (ohne Auszeiten) 32 Sekunden vor Schluss an der eigenen 20-Yard-Linie noch einmal an den Ball. Prescott, der insgesamt eine für seine Verhältnisse schwache Vorstellung ablieferte (23/43, 254 Yards, TD, INT), brachte sein Team in Wurfdistanz zur Endzone. Dann setzte er 14 Sekunden vor Ende zu einem 17-Yard-Lauf durch die Mitte an, an dessen Ende er es jedoch verpasste, dem Schiedsrichter den Ball rechtzeitig zuzuwerfen. So musste sich dieser erst seinen Weg bahnen, um ihn platzieren zu können, die Zeit lief ab und Prescotts Spike für einen letzten womöglich siegbringenden Pass von der 24-Yard-Linie kam zu spät. "This is the end of the game", verkündete der Referee und schickte die Cowboys-Fans einmal mehr ins Tal der Play-off-Tränen.
Bei den 49ers hingegen kannte der Jubel keine Grenzen. Durch den Sieg verdiente sich Shanahans Team in den Divisionals ein Duell bei den am Wildcard-Wochenende spielfreien Green Bay Packers um Star-Quarterback Aaron Rodgers. Kommenden Sonntag (2.15 Uhr MEZ) geht es im Lambeau Field zur Sache.