18.01.2026
Turnover-Festival in der Mile High City
Die Buffalo Bills müssen ihren Traum von einem Super-Bowl-Sieg auch in diesem Jahr begraben. Nach hochspannender Angelegenheit in Denver beim #1 Seed der AFC - 30:33 nach Verlängerung - spielten trotz erreichtem Comeback zu viele Fehler eine Rolle beim Aus in der Divisional Round.

Anfang der 90er-Jahre hatten die Buffalo Bills viermal in Folge den Super Bowl erreicht - und jedes Mal verloren. Mit dem 2018 in der 1. Runde gedrafteten Josh Allen sollte dieses Trauma längst ad acta gelegt werden. Nach jahrelangem Scheitern gegen die Kansas City Chiefs um Patrick Mahomes (und einmal an den Cincinnati Bengals um Joe Burrow) sollte es diese Saison anders werden - zumal Mahomes und Burrow mit ihren Teams die Playoffs gar nicht erst erreicht hatten.
Nach dem hochspannenden wie hochdramatischen 30:33 nach Verlängerung in Denver musste allerdings erneut konstatiert werden: Ein sichtlich enttäuschter wie niedergeschlagener Allen hatte es mit seinen Farben erneut nicht geschafft - auch weil dem 29-Jährigen letztlich selbst zu viele Fehler unterlaufen waren (25/39, 283 Passing und 66 Rushing Yards, drei Touchdown-Pässe bei zwei Interceptions und zwei verlorenen Fumbles).
Doch der Reihe nach ...
Mit einem langen Drive eröffneten die Denver Broncos bei Sonnenschein und Temperaturen leicht über dem Minuspunkt die diesjährige Divisional Round. Einziges Manko für den #1 Seed der abgeschlossenen Regular Season: Nach über 7:30 Minuten (14 Plays, 64 Yards) hatte Wide Receiver Lil'Jordan Humphrey einen perfekt gesetzten Pass seines Quarterbacks Bo Nix in der Endzone nicht fangen können - das Ei rutschte ihm durch die offenen Hände.
Deswegen gelang am Ende durch Kicker Will Lutz aus 28 Yards lediglich das Field Goal zum 3:0 - und die Gäste aus dem US-Bundesstaat New York, die vergangene Woche in der Wild Card Round dramatisch ein 27:24 bei den Jacksonville Jaguars verbucht hatten, kamen glimpflich davon. Und nutzten diese erste Steilvorlage mit ähnlichem Muster wie die Gastgeber eiskalt aus. Beim eigenen Drive über 7:24 Minuten (zwölf Plays, 67 Yards) nämlich stand nach starken Läufen von Top-Running-Back James Cook und einem finalen Pass von Allen auf den komplett alleingelassenen Receiver Mecole Hardman der Touchdown zur 7:3-Führung.
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Alles sah zu diesem Zeitpunkt für einen Durchmarsch der hochmotiviert wirkenden Bills aus, die Auswärtskulisse im lautstarken Empower Field at Mile High schien ihnen nichts auszumachen. Vielmehr mussten die Broncos bei ihrem nächsten Drive zum Punt ansetzen, während Buffalo unter anderem einen 26-Yard-Run von Allen auf den Rasen zauberte.
Dann aber der erste große Fauxpas: Nach Tackling von Linebacker Alex Singleton verlor Running Back Cook, der die Regular Season mit famosen 1621 Rushing Yards plus zwölf Scores abgeschlossen hatte, den Ball - sein insgesamt siebter Fumble in dieser gesamten Spielzeit. Denvers Safety Talanoa Hufanga passte auf und sicherte sich den Ball.
Dieser Fehler rächte sich zudem in Form eines Touchdown-Drives der Hausherren. Mit Runs der jungen Läufer Jaleel McLaughlin (25, undrafted 2023) sowie Rookie R.J. Harvey (24) und starken Aktionen von Quarterback Nix - der First Rounder im NFL Draft 2024 fand Marvin Mims für 27 Yards, sprintete selbst für weitere elf und warf schließlich gegen die überraschte Bills-Defense zum TD auf den als Receiver gemeldeten Offensive Tackle Frank Crum - konnte ein 10:7 hergestellt werden.
Zudem ließ die eigene Defense mit Stopps letztlich nur ein Field Goal der Bills (Kicker Matt Prater aus 33 Yards) zum 10:10 gewähren. Nicht nur das: Denver kam selbst kurz vor der Pause noch mit einer weiteren sauberen Offense-Vorstellung zum zweiten Touchdown in diesem Playoff-Clinch - stark vollendet mit einem 29-Yard-TD-Wurf von Spielmacher Nix auf Humphrey. Also auf den Receiver, der zu Beginn noch Butterfinger gezeigt hatte und als Undrafted Agent von 2019 erst zu dieser Saison von den New York Giants gekommen war.
Doch mit diesem 17:10 nicht genug. Vielmehr unterlief bei nur noch etwa 20 Sekunden auf der Uhr dem selbst mal wieder laufenden Allen ein fataler Fumble nach Tackling von Sack-Maschine Nik Bonitto. So fatal, dass mit Ablauf der Uhr Kicker Lutz noch aus 50 Yards zum 20:10 einschoss. Mit einer vom eigenen Anhang lautstark gefeierten Zwei-Score-Führung ging es somit in die Katakomben.
Und mit noch lautstärkerem Jubel begann das dritte Quarter: Nach 0-Yard-Run von Cook brach die bockstarke Broncos-Abwehr schon wieder durch, der in der Regular Season mit 14 Sacks ausgestattete Pass Rusher Bonitto verpasste Allen einen Sack von hinten. Nach weiterer Fumble-Eroberung feuerte Kicker Lutz aus 28 Yards zum 23:10 durch die Stangen.

Diese zwei Fumbles am Stück wirkten allerdings wie ein Motivationsschub: QB-Ass Allen, der einen 25-Yard-Pass auf Tight End Dalton Kincaid und am Ende eines langen Drives (neun Plays, 73 Yards) Receiver Keon Coleman für den Zehn-Yard-Score zum 17:23-Anschluss fand, drehte auf. Auf einmal waren die Bills trotz gebrauchter Phase zwischendurch wieder zurück.
Erst recht, als Nix sich daraufhin seinen ersten Fauxpas erlaubte - Interception, abgefangen von Defensive Tackle Deone Walker. Dumm nur, dass seinem Gegenüber Allen bei einer weit versuchten Bombe auf Curtis Samuel Denvers Safety P. J. Locke zum Abfangen erfolgreich dazwischenging. Ein regelrechtes Turnover-Festival stieg somit in diesem ersten Divisional-Duell 2026.
Dennoch führten die Bills plötzlich Anfang des vierten Quarters, weil Allen trotz seiner vielen Fehler eben als Star-Quarterback auftrat und neben einem famosen 46-Yarder für Top-Receiver Khalil Shakir seinen Tight End Kincaid mit einem präzisen Wurf links in der Endzone zum 23:23 fand. Kicker Prater verwandelte zudem den Extrapunkt sicher zum 24:23 - und schon gegen Ende des vierten Viertels aus 31 Yards zum 27:23. Somit waren in der absoluten Crunchtime die Hausherren wieder gefordert - und lieferten nach einer langen Durstrecke mit einem starken Touchdown-Pass von Nix auf Mims zum 30:27. Buffalo aber hatte noch Zeit und arbeitete sich bis zum 30:30-Ausgleich von Kicker Prater - dieses Mal aus 50 Yards - vor.
Die Folge: Verlängerung in der Mile High City.
Diese Overtime begann zunächst denkbar schlecht für die Gastgeber - es musste prompt mit dem ersten Ballbesitz gepuntet werden. Buffalo hatte also mit eigenem Angriffsrecht die Chance, auch nur mit einem Field Goal das Spiel zu entscheiden. Allerdings unterlief hier Allen seine zweite Interception des Tages bei einem tiefen Passversuch auf Wide Receiver Brandin Cooks - überragend wie kurios abgefangen von Cornerback Ja'Quan McMillian.

Also wieder Ballbesitz für Denver, das dieses Mal auch risikobewusst - Head Coach Sean Payton sagte trotz zwischendurch bereits erreichtem Field-Goal-Bereich Pässe an - agierte. Das zahlte sich aus, auch weil die Bills-Cornerback Tre'Davious White und Taron Johnson entscheidende Pass-Interference-Strafen verursachten. Gerade Spielmacher Nix, der am Ende bei 26/46 Würfen auf 279 Passing Yards, drei TDs sowie einen Pick kam und sich kurz vor dem siegbringenden Schuss noch bittererweise den Knöchel brach, behielt wie schon in der Saison bei vielen knappen Spielen und späten Comebacks einmal mehr die Ruhe.
So war es am Ende für Prater, der alle seine vier Field Goals verwandelte, ein Leichtes. Aus 23 Yards schoss der Broncos-Kicker zum 33:30-Sieg ein - und hievte Denver damit ins erneut vor heimischer Kulisse ausgetragene AFC Championship Game. Allen, der später den Tränen freien Lauf ließ, war bedient - und verlor selbst auch sein siebtes Overtime-Spiel.