09.11.2025
NFL erstmals in Berlin
An diesem Sonntag gastierte die NFL zum ersten Mal in Berlin - und fuhr mit dem Vergleich zwischen den Colts und Falcons eine hochspannende Angelegenheit inklusive Verlängerung auf. Dort behauptete sich Indianapolis durch den alles überragenden Running Back Jonathan Taylor mit 31:25.

Aus Berlin berichtet Markus Grillenberger
Zum bereits fünften Mal machte die National Football League an diesem 9. November 2025 Halt in Deutschland - nach München 2022, zweimal Frankfurt 2023 und erneut München 2024 verfrachtete es die größte Bühne im American Football dieses Jahr allerdings erstmals in die Hauptstadt nach Berlin. Das hiesige Olympiastadion präsentierte sich dabei in den NFL- und Deutschland-Farben unmittelbar vor Kickoff - rund um die US- und Deutschland-Hymne durfte auch farblich passendes Feuerwerk vom Dach nicht fehlen.
Auf dem Feld vor über 72.000 Football-Fans im bestens besuchten Rund standen sich die als Überraschungsteam in diese Regular Season gekommenen Indianapolis Colts (7-2) aus der AFC South um den Wiener Offensive Tackle Bernhard Raimann und die Atlanta Falcons (3-5) aus der NFC South gegenüber. Und für beide Mannschaften ging es um einen wichtigen Sieg im immer heißer werdenden Playoff-Rennen.
Am Ende machten bei dieser denkbar knappen Angelegenheit voller Highlights, Fehler und Wendungen die Colts das Rennen, vor allem dank dem einmal mehr bärenstarken Colts-Running-Back Jonathan Taylor (über 200 Rushing Yards plus Touchdown-Rekordlauf) wurde das Spiel trotz zwischenzeitlicher langem Rückstand mit 31:25 nach Verlängerung gewonnen.
Los ging es auf jeden Fall mit einem ordentlichen Drive tief aus der eigenen Hälfte von "Gastgeber" Indianapolis, ein zwischenzeitlicher Fumble konnte dabei selbst erobert werden. Beim Versuch, ein 4th&2 via Pass von Colts-Quarterback Daniel Jones auszuspielen, scheiterte die Truppe aus Indiana, die vor einer Woche beim 20:27 in Pittsburgh mit drei Interceptions sowie drei Fumbles gegen die Steelers-Defense erstmals schlecht ausgesehen, allerdings.
Es folgte der erste Drive der Falcons, doch auch hier ging es trotz einer ersten guten Aktion von Star-Running-Back Bijan Robinson nicht bis ins Ziel. Vielmehr wurde Atlantas Spielmacher Michael Penix beim Abdrehen von hinten getackelt - Fumble, Ballverlust und kurz darauf der Colts-Touchdown zur 6:0-Führung durch Top-Läufer Jonathan Taylor. Dessen bereits 13. Rushing Score im zehnten Einsatz.
Ganz ohne Fehler ging es jedoch auch hier nicht, Kicker Michael Badgley vergab beim Extrapunkt - so stand es nur 6:0 für die als Favorit gehandelten Colts, deren Touchdown-Song "Maria (I Like It Loud)" live im Stadion von Scooter-Sänger H.P. Baxxter performt wurde.
Der verpasste Kick zum 7:0 sollte sich übrigens direkt rächen, weil beim folgenden Atlanta-Drive über nur fünf Plays und 81 Yards mit starken Catches für Drake London am Ende Tyler Allgeier via kurzem Touchdown-Lauf samt dieses Mal verwandeltem Punkt das 7:6 verbuchte. Lange hielten sich die Mannen aus Indy aber nicht mit dem Rückstand auf, zumal auf beiden Seiten gefühlt die Defenses noch keine Lust auf ordentliche Arbeit hatten. Die Folge: Mit lediglich zwei Aktionen - 28-Yard-Lauf von Ass Taylor und 37-Yard-TD-Fang von Receiver Alex Pierce nach präzisem Pass von Spielmacher Jones stand es inklusive Extrapunkt 13:7. Dem lautstark mitgehenden Publikum wurde also früh reichlich geboten.

Zu Beginn des zweiten Viertels entsendete auch die Falcons-Abwehr erste Zeichen - und stoppte Indianapolis zunächst geschickt bei 3rd&8, ehe ein 53-Yard-Field-Goal zu kurz kam und nicht ins 16:7 mündete. Colts-Kicker Badgley passierte somit bereits der zweite Fauxpas an diesem Nachmittag inmitten der kalten Berliner Luft samt einsetzender Dunkelheit. Kapital schlugen die Falcons aber nicht daraus, bei 3rd&9 lief QB Penix ins Niemandsland.
Doch: Die Abwehr Atlantas hielt direkt nochmals - und nun lieferte die andere Seite über eine recht kurze Distanz zur gegnerischen Endzone zuverlässig ab. Robinson-Läufe, genaue Penix-Pässe plus ein feiner Heber rechts in den Zielbereich zur sicher fangenden Lieblingsadresse London tüteten das 14:13 ein - zugleich die Pausenführung, auch weil Colts-Quarterback Jones noch eine Interception unterlief. Safety Jessie Bates tütete diese unter den Augen von NFL-Commissioner Roger Goodell, deutschen Ex-Spielern wie Björn Werner, Sebastian Vollmer, Markus Kuhn oder auch Fußballgästen wie Nationalspieler Nico Schlotterbeck (BVB) sowie auch Hertha-Profi Fabian Reese quasi mit dem Gang in die Katakomben via starkem Catch ein.
Weiter ging's nach der Halbzeit-Showeinlage des australischen Künstlers "The Kid LAROI" mit einem ordentlichen Falcons-Drive samt Field Goal zum 17:13 vom erst kürzlich verpflichteten Kicker Zane Gonzalez, der sich mit seinen 30 Jahren und seiner Erfahrung von bereits etlichen NFL-Teams als zuverlässige Kraft zeigte.
Obendrein funktionierte die Falcons-Defense weiterhin und schlug dem zu fahrlässig handelnden "Indiana Jones" bei 3rd&13 das Ei aus der Hand - Fumble und Balleroberung. Der so stark in die Saison gestartete Quarterback stockte sein Fehlerkonto damit in den vergangenen zwei Partien auf insgesamt vier Interceptions plus drei verlorene Fumbles auf.
Davon wussten sich die Colts gefühlt zwar zu erholen, doch nach einem guten wie Zeit schluckenden Drive fanden sie den Schlüssel zum Touchdown oder zumindest neuem First Down kurz vor der Endzone nicht. Den insgesamt siebten Third-Down-Versuch verpatzte das formelle Heimteam ebenso wie den folgenden vierten Versuch, sodass die Falcons den Ball bei weiterhin gültiger 17:13-Führung innehatten und damit in den finalen Abschnitt gingen.
In diesem letzten Viertel vor 72.203 Zuschauern im Olympiastadion erreichten die deutlich länger am Ball befindlichen Spieler aus Indianapolis erneut keinen Touchdown trotz solidem Drive. Dieses Mal gelang durch Kicker Badgley aus 34 Yards der 16:17-Anschluss. Hochspannung also.

Es folgte das Highlight des Tages: Nach schwacher Offense-Performance Atlantas übergab Spielmacher Jones tief in der eigenen Hälfte den Ball an Taylor. Und der seit Jahren extrem überzeugende Star-Running-Back (26) sprintete gegen eine löchrige Abwehr der Falcons über 83 Yards vor tosender Geräuschkulisse zur 22:17-Führung - neuer Franchise-Rush-TD-Rekord der Colts inklusive.
Das alles - in Verbindung mit gescheiterter "Two-Point Conversion" via Passversuch von Jones zum damit verpassten 24:17 - rief aber nur nochmals Atlanta auf den Plan. Am Ende eines starken Drives über Spielmacher Penix und Allgeier hechtete sich Letzterer zu seinem zweiten Score des Tages (23:22). Die anschließend auch noch erfolgreiche "Two-Point Conversion" - Pass von Penix links raus zum freistehenden London - stellte das 25:22 her.
Das Ende? Mitnichten! Trotz mehrerer kritischer Aktionen und Situationen lief Jones einmal selbst stark über 19 Yards, ehe der Quarterback Indy zum erfolgreichen Field Goal führte - Kicker Badgley traf hier sicher rund eine halbe Minute vor Ablauf der Uhr zum 25:25. Die Folge war wie ein Jahr vorher beim Vergleich zwischen Panthers und Giants (20:17) die Overtime, in der die Falcons zunächst ans Ei kamen und keine Punkte generierten. Somit hatten die Colts die Chance auf den Sieg - und nutzten diese natürlich durch den Mann des Tages. Der alles überragende Running Back Taylor lief zu seinem dritten TD - und zum 31:25.
Indianapolis Colts
Daniel Jones, Quarterback: 19/26 Pässe für 255 Yards, ein TD, eine Int., ein verlorener Fumble
Jonathan Taylor, Running Back: 32 Carries, 244 Yards, drei TDs
Alec Pierce, Wide Receiver: vier Catches, 84 Yards, ein TD
Atlanta Falcons
Michael Penix Jr., Atlanta Falcons: 12/28 Pässe für 177 Yards, ein TD, keine Int., ein Fumble
Tyler Allgeier, Running Back: 11 Carries, 57 Yards, zwei TDs
Bijan Robinson, Running Back: 17 Carries, 84 Yards
Drake London, Wide Receiver: 6 Catches, 104 Yards, ein TD