07.12.2025
Entscheidung bereits zur Pause
Nach einem ausgeglichenen Auftakt zwischen den Indianapolis Colts und Jacksonville Jaguars verloren die Colts Quarterback Daniel Jones. Ohne den etatmäßigen Starter ging offensiv nicht mehr viel, während auch die Defense kaum Lösungen fand.

Wenn die Offense noch stottert, muss eben die Defense aushelfen: Nach einem kurzen Auftritt des Jaguars-Angriffs war es Linebacker Devin Lloyd, der einen Pass von Colts Quarterback Daniel Jones durch die Mitte abfangen konnte. Fünf Snaps später hechtete sich Running Back Travis Etienne zur ersten Führung in die Endzone.
Die Colts blieben unbeeindruckt und versuchten wieder vermehrt auf Running Back Jonathan Taylor zu vertrauen, der die letzten beiden Wochen vergleichsweise blass geblieben war. Er sorgte auch für den schnellen 7:7-Ausgleich.
Der anschließende Kickoff brachte nach einem Fumble von Returner Bhayshul Tuten gleich zwei Verletzte auf Seiten Jacksonvilles. Nach kurzer Behandlungspause gab es einen einhändigen Highlight-Catch von Wide Receiver Brian Thomas Jr., der so wieder an seine starke Rookie-Saison 2024 erinnerte. Er kam am Ende mit drei Catches auf 87 Yards. Ein Pass von Trevor Lawrence zu Jakobi Meyers aus 14 Yards erhöhte auf 14:7.
Der Moment, der das Spiel nachhaltig beeinflussen sollte, kam auf der anderen Seite kurz vor Viertelende: Quarterback Daniel Jones, der mit einer speziell für ihn angefertigten 3D-Schiene über seinem gebrochenen Wadenbein aufgelaufen war, ging ohne gegnerische Einwirkung zu Boden und musste durch Rookie Backup Riley Leonard ersetzt werden. Jones humpelte stattdessen in Richtung Lockerroom. Die Erstdiagnose Achillessehnenverletzung lässt ein vorzeitiges Saisonende und eine lange Pause befürchten.
Natürlich mussten jetzt die Mitspieler mehr Verantwortung übernehmen. Das vermeintlich sichere Laufspiel zur Unterstützung des Sechstrundenpicks Leonard brachte jedoch gleich das zweite Turnover, als sich Jonathan Taylor den Ball aus den Händen reißen ließ. Einen Snap später erhöhte Travis Etienne mit seinem zweiten Touchdown auf 21:7 für die Jaguars.
Leonard zeigte in dieser schwierigen Situation ohne wirkliche Vorbereitung durchaus Kampfwillen und konnte sein Team zumindest noch zu einem 28-Yard-Field-Goal von Neuzugang Blake Grupe führen. Die Jaguars reagierten jedoch vor allem schnell auf die jetzt noch verstärkten Laufversuche von Jonathan Taylor. In dieser Saison hatten die Jaguars zuvor noch keinem gegnerischen Running Back mehr als 70 Yards erlaubt. Die Marke fiel zwar diesmal mit 74 Yards, aber das störte in der allgemeinen Feierlaune erst einmal niemand.
Carsten Keller
Spannend wurde es zunächst trotzdem noch, weil Tuten im zunehmend stärkeren Regen zum zweiten Mal den Ball verlor. Diesmal sicherten sich die Colts den Fumble. Für Punkte reichte es trotzdem nicht, ein Lauf von Jonathan Taylor bei 4th&1 wurde von der Defense erwartet und gestoppt.
Ein weiter Pass zu Wide Receiver Tim Patrick brachte stattdessen die Jaguars noch einmal in Scoring Position und der 32-Jährige sicherte sich auch auf den Knien in der Endzone einen Pass von Lawrence zum 28:10. Mehr als nur die Vorentscheidung bereits zur Pause.
Die Colts versuchten es jetzt mit mehr Play Action, da die Jaguars die Runs von Jonathan Taylor erwarteten. Das brachte zwar ein 36-Yard-Field-Goal von Grupe, sah aber insgesamt nicht so aus, als ob man den Jaguars angesichts 15 Punkten Rückstand noch einmal sonderlich gefährlich werden könnte.
Jacksonville begnügte sich damit, den Colts nicht allzu viel Raumgewinn zu erlauben und die Uhr zu kontrollieren. Das lief über weite Strecken sehr gut, im Gegensatz zu den Colts, die auch noch Pech hatten: Ein Pass zu Wide Receiver Michael Pittman, bei dem sowohl er als auch sein Passverteidiger Greg Newsome beide Hände am Ball hatten, wurde als Interception gewertet, obwohl auch CBS-Regelexperte Gene Steratore widersprach.
Punkte gab es zwar nicht, aber ein Turnover on Downs an der Endzone ließ die Colts mit dem Rücken zur Wand starten. Zuviel für Jones-Ersatz Leonard, der nach einem Sack von Defensive End Hines-Allen in der eigenen Endzone weitere zwei Punkte der Jaguars verkraften musste.
Sein persönliches Highlight kam aber noch: Er sprintete kurz vor Schluss über sechs Yards für seinen ersten NFL Touchdown in die Endzone zum 19:36-Endstand. Ansonsten war sein Auftritt so, wie man das angesichts der Voraussetzungen ohne Vorbereitung erwarten musste: 18/29 angebrachte Pässe für 145 Yards und eine Interception.
Für die Colts ist nicht zuletzt wegen der Jones-Verletzung der erste Division-Titel seit 2014, damals mit Andrew Luck, in weite Ferne. Selbst eine Playoff-Qualifikation dürfte angesichts der letzten Spiele mittlerweile als Überraschung gewertet werden.
Die Jaguars befinden sich dagegen in hervorragender Ausgangsposition an der Spitze der AFC South bei noch ausstehenden Heimspielen gegen Jets und Titans sowie Auswärtspartien bei den Broncos und Colts.