13.06.2026
Krimi bis zur letzten Sekunde
In Paris kam es am fünften Spieltag der EFA zum Duell zwischen den Paris Musketeers und den Raiders Tirol. Während die Gastgeber nach zuletzt wechselhaften Auftritten vor allem offensiv wieder zu ihrem Rhythmus finden wollten, reisten die Gäste aus Innsbruck mit dem klaren Ziel an, ihren ersten Saisonsieg einzufahren.

Die Gäste aus Innsbruck eröffneten die Partie mit dem ersten offensiven Drive, mussten sich jedoch schnell wieder per Punt vom Ball trennen. Die Offense der Pariser rund um Quarterback Zach Edwards hatte in den vergangenen Wochen immer wieder Schwierigkeiten, den Ball konstant zu bewegen, doch diesmal erwischten die Gastgeber einen starken Start. Mit einem tiefen Pass auf Austin Mitchell brachte Edwards sein Team direkt bis in die Redzone. Im anschließenden 3rd & 7 zeigte der Quarterback erneut seine Klasse und fand seinen französischen Receiver Hugo Tekedam mit einem perfekt platzierten Pass in die hintere linke Ecke der Endzone zum ersten Touchdown der Partie.
Kurz vor Ende des ersten Viertels arbeiteten sich die Innsbrucker, die auf ihren Star-Receiver Aaron Jackson verzichten mussten, nachdem dieser auf die Injured Reserve List gesetzt worden war, bis kurz vor die Endzone der Gastgeber vor. Doch Defensive Lineman Roderick Daniels sorgte mit einem wichtigen Sack bei 2nd & Goal dafür, dass die Musketeers einen Goal-Line-Stand feiern konnten. Immerhin brachte Kicker Jonata Loria die ersten Punkte für die Gäste aufs Scoreboard.
Wenig später setzte Edwards das nächste Ausrufezeichen. Da keine Anspielstation frei war, nahm der Quarterback den Ball selbst in die Hand und sorgte zunächst für viel Raumgewinn. Doch kurz bevor er zu Boden ging, schlug Linebacker Tim Unger ihm mit einem perfekt ausgeführten Peanut Punch den Ball aus der Hand und forcierte damit einen wichtigen Fumble, der den Tirolern den Ballbesitz zurückbrachte. Es dauerte anschließend nicht lange, bis dieser Fehler von Edwards doppelt bestraft wurde.
Raiders-Quarterback Steven Krajewski fand seinen Homegrown-Receiver Marco Schneider mit einem kurzen Pass an der Seitenlinie. Schneider nutzte seine Geschwindigkeit, ließ mehrere Verteidiger stehen und verwandelte den unscheinbaren Spielzug nicht nur in ein Big Play, sondern auch in den ersten Touchdown der Raiders. Damit gingen die Österreicher erstmals mit 10:7 in Führung.
Mit einem erfolgreichen Field Goal von Dean Faithfull aus der Redzone konnten die Musketeers anschließend zum 10:10 ausgleichen. Die Raiders ließen sich davon jedoch nicht beeindrucken und bewegten den Ball erneut effektiv gegen die Defense der Pariser, die sich zunehmend schwer damit tat, das Laufspiel der Österreicher zu stoppen. Das galt auch für Krajewski, der mehrfach selbst zu Fuß wichtige First Downs erzielte und die Ketten bewegte.
Kurz nach der Two Minute Warning krönte er den starken Drive schließlich selbst: Nachdem er dem Druck der Pariser Defense ausweichen konnte, nutzte er die sich öffnende Lücke und arbeitete sich per Scramble bis an die Goalline vor, wo er den Lauf mit einem physischen Finish in der Endzone vollendete. Der Touchdown brachte die Raiders mit 17:10 kurz vor Ende der Halbzeit in Führung.
Pünktlich zum Ende der ersten Hälfte sorgte Mitchell noch einmal für Aufsehen. Mit auslaufender Uhr trug er einen Punt scheinbar zum Ausgleich in die Endzone zurück und ließ die heimischen Fans jubeln. Die Freude währte jedoch nur kurz, denn eine Flagge gegen das Return-Team der Musketeers nahm den Touchdown wieder vom Board. Somit gingen die Raiders mit ihrer 17:10-Führung in die Halbzeitpause.
Die Halbzeitpause brachte für die Offense der Pariser kaum Besserung. Erneut mussten die Musketeers nach nur wenigen Spielzügen punten, nachdem ein Screen Pass auf Mitchell im dritten Versuch nicht für ein neues First Down gereicht hatte. Die Szene hatte jedoch deutlich schwerwiegendere Folgen. Mitchell verletzte sich bei dem Spielzug schwer am Bein und blieb auf dem Rasen liegen. Nach einer längeren Unterbrechung wurde der US-amerikanische Receiver schließlich auf einer Trage vom Feld gebracht. Die Verletzungspause nahm sichtbar Tempo aus der Partie.
Beide Mannschaften brauchten einige Zeit, um wieder in ihren Rhythmus zu finden. Erst ein Big Play von Jason Bofunda brachte die Gastgeber kurz vor Ende des dritten Viertels in aussichtsreiche Field-Goal-Reichweite. Doch auch daraus konnten die Pariser kein Kapital schlagen, da der Kickversuch geblockt wurde.
Aus einer ähnlichen Distanz trat wenig später auch Raiders-Kicker Loria zu einem Field-Goal-Versuch an, doch ebenso wie sein Gegenüber verfehlte er die Torstangen. Dann folgte der Befreiungsschlag der Gastgeber. Bofunda, der sich im Laufe der Partie zum gefährlichsten Offensivspieler der Pariser entwickelte, führte sein Team bis tief in die Redzone. Beim 4th & Goal aus zwei Yards Entfernung übernahm er schließlich selbst die Verantwortung und sorgte mit einem kraftvollen Lauf für den Ausgleich. Mit noch knapp vier Minuten auf der Uhr bekam die Offense der Raiders den Ball zurück und damit die Chance, mit einem möglichen Game-Winning-Drive ihren ersten Saisonsieg einzufahren.
Doch pünktlich zur Two Minute Warning mussten die Raiders den Ball per Punt abgeben, was den Hausherren die Chance gab, vor heimischem Publikum den entscheidenden Drive der Partie aufs Feld zu bringen. Mit mehreren kurzen Pässen führte Edwards sein Team zunächst bis in die gegnerische Hälfte. Bei einem 3rd & 9 fand er anschließend Tekedam über die Mitte. Trotz eines sofortigen harten Treffers hielt dieser den Ball fest und brachte die Musketeers bis tief in die Redzone. Direkt im nächsten Spielzug suchte Edwards erneut seinen französischen Passempfänger - diesmal in der Endzone. Tekedam fing den Ball zum Touchdown und sorgte damit 15 Sekunden vor Schluss für die Führung.
Die Österreicher bekamen noch eine letzte Gelegenheit, das Spiel doch noch zu drehen. Mit dem Rücken zur Wand setzte Krajewski beim letzten Spielzug der Partie zu einem Hail-Mary-Pass an. Der tiefe Verzweiflungswurf fand jedoch keinen Mitspieler, sondern landete in den Händen von Jamalcolm Liggins, der die Partie mit einer Interception endgültig entschied.
Die Musketeers gewannen damit in den letzten Sekunden eine umkämpfte Partie mit zahlreichen Wendungen und sicherten sich vor heimischem Publikum einen dramatischen Erfolg gegen die Raiders Tirol. Für die Österreicher bedeutete die Niederlage hingegen bereits die vierte Pleite der laufenden Saison.