27.06.2026
Bitterer geht's kaum
Die Raiders Tirol haben im wohl dramatischsten Spiel der bisherigen EFA-Saison eine bittere Niederlage kassiert. Nach mehreren Führungswechseln und eigener Führung kurz vor Schluss mussten sich die Innsbrucker sechs Sekunden vor dem Ende doch noch geschlagen geben.

Bei über 30 Grad in Innsbruck brauchten beide Offenses zunächst etwas Anlaufzeit. Nach Punts auf beiden Seiten setzte dann die Defense der Prague Lions das erste Ausrufezeichen. Defensive Back Dakota Thomas fing einen Pass von Steven Krajewski ab und brachte die Tschechen in aussichtsreicher Feldposition zurück aufs Feld. Zwar hielt die Raiders-Defense zunächst stand, das anschließende Field Goal brachte Prag aber mit 3:0 in Führung.
Für den Raiders-QB wurde es kurz darauf noch schlimmer, dennLinebacker Aleksandar Borkovic machte aus einem weiteren Pass von Krajewski ein echtes Highlight. Spektakulär tauchte der Serbe unter den Ball, fing die Interception und trug sie über das halbe Feld zum Pick Six in die Endzone - 10:0 nach gut zehn Minuten. Ein echter Schock für die Hausherren.
Die Tiroler ließen sich davon aber nicht aus der Ruhe bringen. Adrian Platzgummer fing zunächst den ersten Touchdown seiner EFA-Karriere zum Anschluss, ehe Lukas Haslwanter die Fans von den Sitzen riss. Der Running Back brach mit einem 60-Yard-Lauf durch die Mitte bis kurz vor die Endzone durch und vollendete den Drive wenig später selbst zum 13:10, der Extrapunkt ging jedoch daneben.
Vor dem Halbzeitpfiff kam dann auch Prag nochmal aufs Scoreboard. Nachdem eine Interception der Raiders aufgrund einer Strafe zurückgenommen worden war, entkam Jaylon Henderson dem Pass Rush und fand David Luksan tief zur erneuten Führung. Mit einem 17:13 für die Gäste ging es in die Kabinen.
Auch nach der Pause blieb die Partie völlig offen. Ein Fumble der Lions brachte Tirol zunächst zurück ins Spiel, ehe Henderson selbst zum Touchdown in die Endzone lief und Prag somit wieder auf 24:16 stellte. Mit diesem Spielstand ging es dann auch ins letzte Viertel.
In diesem entwickelte sich das Kellerduell dann zu einem nahezu beispiellosen Shootout. Felix Kantner bereitete mit einem 60-Yard-Catch den nächsten Raiders-Touchdown vor, die anschließende Two-Point-Conversion zum 24:24 gelang ebenfalls. Kurz darauf drehte Tirol die Partie durch einen über 60 Yards langen Touchdown von Carter zum 31:24 sogar komplett.
Das Tivoli Stadion stand Kopf, der erste Saisonsieg war zum Greifen nah. Doch was danach passierte, hatte mit einem normalen Footballspiel nur noch wenig zu tun.
mhh

Ein eigentlich harmlos wirkender Pass auf William Patterson entwickelte sich zum nächsten Big Play der Tschechen. Der US-Amerikaner ließ nach dem Catch sämtliche Gegenspieler stehen und sprintete über mehr als 60 Yards zum direkten 31:31-Ausgleich. Noch neun Minuten waren zu spielen - und niemand ahnte, was ab jetzt noch alles folgen würde.
Die Raiders hatten erstmal erneut die passende Antwort. Nachdem sie sich bis an die 40-Yard-Linie vorgearbeitet hatten, übernahm Tim Tonko das Kommando. Der Running Back las seine Blocks perfekt und lief die restlichen 40 Yards einfach an allen Verteidigern vorbei - 38:31! Die Fans waren überzeugt: Jetzt bringen die Tiroler den ersten Sieg über die Ziellinie.
Denkste.
Nur wenige Spielzüge später schlugen die Lions schon wieder zurück. Radim Kalous bekam den Ball an der 35-Yard-Linie, fand links die freie Außenbahn und rannte - begleitet von starken Blocks seiner Mitspieler - ebenfalls bis in die Endzone. 38:38, was für ein Shootout! Spätestens jetzt waren beide Defenses komplett abgemeldet.
Mit noch zwei Minuten auf der Uhr schien Tirol das Spiel dann einmal mehr für sich zu entscheiden. Krajewski täuschte den Handoff clever an, spielte den Ball auf Carter und der US-Amerikaner zündete sofort den Turbo. Wieder nutzte er die Blocks auf der rechten Außenbahn perfekt aus und sprintete bis zum Touchdown. Das Stadion explodierte.
Doch plötzlich machte sich wieder Nervosität breit - denn der Extrapunkt misslang. Statt einer Sieben-Punkte-Führung stand nur ein 44:38 auf der Anzeigetafel. Heißt: Mit etwas mehr als 2 Minuten auf der Uhr würde den Tschechen ein Touchdown mit erfolgreichem Extrapunkt für den Sieg reichen.
So bekam Prag tatsächlich noch eine letzte Chance. Und sie kamen gefährlich nah an die Endzone der Österreicher. Mit nur sechs Sekunden auf der Uhr standen die Lions an der Fünf-Yard-Linie. Jetzt hieß es alles oder nichts.
Und Prags Präferenz war klar: Henderson bekam diesmal keinen Druck, fand Matyáš Bílý am linken Rand der Endzone und der Receiver brachte den Ball trotz enger Coverage sicher zu Boden - Touchdown! Marek Hrubon verwandelte den Extrapunkt eiskalt zum unglaublichen 45:44.
Den Raiders blieb mit 3 Sekunden Restzeit nur noch ein letzter Hail-Mary-Versuch. Doch auch der landete in den Armen von Dakota Thomas, der mit seiner zweiten Interception den Schlusspunkt unter eines der verrücktesten Spiele setzte, die die European Football Alliance bislang gesehen hat.
Was am Ende bleibt, ist nicht nur die bittere Niederlage der Tiroler, sondern auch ein Schlussviertel für die Geschichtsbücher: 49 Punkte fielen allein in den letzten zwölf Minuten. Selbst für Football-Verhältnisse wirkt das beinahe unwirklich.