26.12.2023
Baltimore setzt dickes Ausrufezeichen
Die Baltimore Ravens setzen sich im Duell der Conference-Spitzenreiter überraschend deutlich mit 33:19 bei den San Francisco 49ers durch. MVP-Kandidat Brock Purdy erlebt einen Abend zum Vergessen.

Es war erst das dritte Mal seit dem Merger 1970, dass sich in der NFL so spät in der Saison die Spitzenreiter der beiden Conferences (beide mit 11-3-Bilanz) gegenüberstanden. Und zur Halbzeit konnten die von den Wettbüros favorisierten 49ers im heimischen Levi’s Stadium zufrieden sein, nur mit 12:16 im Hintertreffen zu liegen. Als erster Quarterback der laufenden NFL-Saison leistete sich Brock Purdy gegen die starke Ravens-Defense in einer Halbzeit nämlich gleich drei Interceptions. Die erste unterlief ihm beim ersten Drive der 49ers in der Redzone, als sein Pass in den Armen für Safety Kyle Hamilton landete.
Die ersten Punkte verbuchten dennoch die Niners - auf kuriose Weise: Ravens-Quarterback Lamar Jackson erhielt viel Druck, stolperte in der eigenen Endzone über den hinfallenden Schiedsrichter und kassierte die Safety. Kicker Jake Moody stellte mit einem Field Goal aus 45 Yards auf 5:0. Es folgten allerdings die nächsten beiden Picks von Purdy, dessen abgefälschte Pässe in den Armen von Cornerback Marlon Humphrey bzw. erneut Hamilton landeten.
Trotz der drei Ballgewinne gelang den Ravens allerdings nur ein Touchdown durch einen kurzen Lauf von Running Back Gus Edwards. Weil auf der anderen Seite auch Christian McCaffrey mit dem Ball in die Endzone rannte (Touchdown Nummer 21 in der laufenden Saison), hielt sich der Rückstand der 49ers zur Pause in Grenzen. Kurz vor der Halbzeit zeigte Jackson einmal mehr seine überragenden Scramble-Fähigkeiten. Bei 3&16 wand er sich gerade noch aus einem Sack heraus und lief anschließend für 30 Yards. Justin Tucker verwandelte sein drittes Field Goal zum 16:12.
Wer eine Steigerung der 49ers erwartete, sah sich nach der Pause getäuscht. Vielmehr verlor das Team von Head Coach Kyle Shanahan im dritten Viertel völlig den Faden. Punt, Interception Nummer 4 (diesmal warf Purdy unter Druck in die Arme von Patrick Queen), Punt - lautete die Bilanz der Offense, die überhaupt nicht mehr in Fahrt kam. Den Ravens, bei denen Jackson schalten und walten konnte, wie er wollte, gelangen durch Nelson Agholor und Zay Flowers zwei Touchdowns binnen 18 Sekunden. Nach dem vierten Field Goal von Tucker führte Baltimore nach drei Vierteln mit 33:12 - gefühlt war die Partie entschieden.
Nachdem Purdy neun Minuten vor Schluss vorzeitig vom Feld genommen worden war, brachte Ersatz-Quarterback Sam Darnold die 49ers mit einem Touchdownpass auf Ronnie Bell ein wenig heran und zwei Minuten vor Schluss sogar noch einmal kurz vor die Endzone. Doch nach Interception Nummer fünf war die Entscheidung endgültig gefallen, stand die deutliche 19:33-Heimniederlage fest. Mit einer Turnover-Bilanz von insgesamt +13 hatten die 49ers vor Woche 16 die NFL angeführt. Am Montagabend lautete sie -5. Eine ungewohnt undisziplinierte Vorstellung passte ebenfalls ins Bild: Die 49ers kassierten zehn Strafen für insgesamt 102 Yards.
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Die Ravens (12-3) setzten mit dem Sieg in Santa Clara wenige Wochen vor dem Start der Play-offs nicht nur ein dickes Ausrufezeichen, sondern machten auch einen großen Schritt zum Gewinn der AFC North (weiterhin zwei Siege vor den Cleveland Browns). Auch im Rennen um den Top Seed in der AFC liegt Baltimore weiter vorne. Verfolger Miami (11-4) wird am kommenden Spieltag in Maryland vorstellig.
Die 49ers, die sich die NFC West bereits gesichert hatten, haben es weiterhin in eigener Hand, sich Platz 1 in der NFC und damit ein spielfreies Wildcard-Wochenende zu sichern. Dafür müssen sie ihre abschließenden Spiele in Washington und gegen die L.A. Rams aber gewinnen. Verfolger Philadelphia (ebenfalls 11-4, im direkten Duell aber unterlegen) hatte sich am 2. Weihnachtstag mit 33:25 gegen die New York Giants durchgesetzt.
Neu gemischt werden die Karten einmal mehr im Rennen um den MVP-Titel, in dem Purdy zuletzt zum Favoriten avanciert war. Seine Vier-Interception-Performance (dazu 18/32 für 255 Yards) hat ihn wieder zurückgeworfen, zumal er gegen Jackson (23/35, 252 Yards, 2 TD, 45 Rushing Yards), einen seiner direkten Konkurrenten, deutlich den Kürzeren zog.