vor 16 Stunden
San Francisco bleibt perfekt
Die San Francisco 49ers bleiben auch nach sechs Spielen ungeschlagen. Gegen die Washington Commanders sah lange Zeit alles nach einer einseitigen Angelegenheit aus, am Ende musste San Francisco beim 23:17-Erfolg jedoch bis in die letzten Sekunden um den sechsten Sieg zittern.

Brock Purdy und Christian McCaffrey sorgten früh für klare Verhältnisse, ehe Jayden Daniels die Commanders nach einem zwischenzeitlichen 3:23-Rückstand zurück ins Spiel brachte. Zweimal bekam Washington in der Schlussphase sogar die Chance, die Partie komplett zu drehen - zweimal hielt die Defense der 49ers stand. San Francisco steht damit bei 6-0, Washington fällt auf 1-4-1.
Die 49ers ließen von Beginn an keinen Zweifel daran, wer das Spiel kontrollieren sollte. Gleich der erste Drive führte San Francisco über 64 Yards in die Endzone. Purdy fand George Kittle aus elf Yards zum frühen 7:0.
Washington antwortete lediglich mit einem Field Goal aus 51 Yards. Anschließend marschierte San Francisco erneut nahezu problemlos über das Feld. Acht Plays und 72 Yards später vollendete McCaffrey aus einem Yard zum 13:3.
Während die 49ers offensiv beinahe nach Belieben über das Feld marschierten, fand Washington kaum Antworten. Besonders bitter: Bei 4th-and-2 an der 13-Yard-Linie der 49ers warf Daniels den Ball unter Druck ins Aus und vergab damit die beste Chance der Commanders auf einen Touchdown in der ersten Hälfte.
San Francisco bestrafte die fehlende Effizienz. Kurz vor der Pause legten die 49ers einen langen Drive über 69 Yards hin, der mehr als sechs Minuten von der Uhr nahm. Wieder übernahm McCaffrey aus einem Yard - 20:3.
Die Zahlen unterstrichen die Dominanz: San Francisco hatte zur Pause 303 Yards Raumgewinn gesammelt, Washington lediglich 90. Die 49ers hatten in der ersten Hälfte zudem genauso viele First Downs wie die Commanders überhaupt offensive Plays: 17.
Auch nach der Pause kontrollierte San Francisco zunächst das Geschehen. Ein weiterer langer Drive über 65 Yards endete mit einem 33-Yard-Field-Goal von Eddy Pineiro. Beim Stand von 23:3 schien die Partie entschieden.
Purdy spielte dabei effizient und nahezu fehlerfrei. Der Quarterback beendete den Abend mit 21 angekommenen Pässen bei 29 Versuchen für 264 Yards, einen Touchdown und keine Interception.
Besonders McCaffrey bereitete Washington Probleme. Der Runningback erlief 64 Yards und zwei Touchdowns und fing zusätzlich neun Pässe für 53 Yards.
Doch die Commanders gaben sich nicht geschlagen. Daniels führte Washington noch vor Ende des dritten Viertels über 65 Yards und fand Stefon Diggs aus einem Yard zum ersten Touchdown der Gäste.
Plötzlich kam die Offense der Commanders ins Rollen. Im vierten Viertel folgte ein weiterer langer Drive, diesmal über 80 Yards. Daniels bediente Rachaad White aus neun Yards und verkürzte auf 17:23.
Aus einer vermeintlich entschiedenen Partie war wieder ein One-Score-Game geworden. Daniels steigerte sich nach der schwachen ersten Hälfte deutlich und kam am Ende auf 300 Passing Yards sowie zwei Touchdowns ohne Interception. Das Laufspiel blieb dagegen praktisch wirkungslos: Washington brachte es insgesamt lediglich auf 53 Rushing Yards.
In der Schlussphase bekam Washington tatsächlich noch zweimal die Möglichkeit, das Comeback zu vollenden. Beim ersten Versuch marschierten die Commanders tief in die Hälfte der 49ers. Bei 4th Down suchte Daniels Treylon Burks in der Nähe der Endzone, doch Malik Mustapha verhinderte mit einem Pass Breakup den möglichen Führungsscore. Noch 1:54 Minuten waren zu diesem Zeitpunkt zu spielen.
San Francisco konnte die Partie anschließend jedoch nicht endgültig beenden. Washington bekam den Ball 52 Sekunden vor Schluss an der eigenen 46-Yard-Linie zurück und arbeitete sich noch einmal bis an die 28 der 49ers heran.
Dann wurde es chaotisch. Daniels kassierte eine Intentional-Grounding-Strafe, wodurch Washington für den letzten Spielzug bis an die 40-Yard-Linie zurückgeworfen wurde. Die Commanders brauchten einen Touchdown, doch Daniels bekam nicht einmal mehr die Gelegenheit zu einem Verzweiflungswurf. Keion White und Ogbo Okoronkwo erreichten den Quarterback und machten mit einem gemeinsamen Sack endgültig den Deckel drauf.
Für Purdy hatte der sechste Saisonsieg zusätzlich historische Bedeutung. Mit seinem Auftritt erreichte der Quarterback die Marke von 1.500 Passversuchen und qualifizierte sich damit für die offizielle NFL-Bestenliste beim Career Passer Rating. Mit einem Rating von 105,6 übernahm er dort laut dem vorliegenden AP-Bericht die Spitze vor Lamar Jackson (102,7).
Für San Francisco setzt sich damit ein Traumstart fort. Die 49ers stehen erstmals seit 2019 wieder bei 6-0 und haben nun sechs Spiele in Serie gewonnen. Damals startete das Team sogar mit acht Siegen und erreichte am Ende der Saison den Super Bowl.
Washington bleibt dagegen nach dem bitteren 27:27 gegen die New York Giants erneut ohne Sieg. Diesmal fehlte nach einer beeindruckenden Aufholjagd nur ein Touchdown zur kompletten Wende. Die Commanders stehen nach sechs Spielen bei 1-4-1 - während die 49ers weiterhin eine perfekte Bilanz vorweisen können.
Autor: Niklas Kreuzer
