19.12.2025
Anwärter auf das Spiel des Jahres
Die Seattle Seahawks haben im Topspiel der NFC ein spektakuläres Comeback hingelegt und sich so zumindest vorerst den Top-Seed ergattert. Im Lumen Field drehte das Team ein bereits verloren geglaubtes Duell und gewann nach Verlängerung 38:37.

Zu Beginn knüpften die Rams an ihren knappen Hinspielsieg an und bestimmten das Geschehen lange mit langen Drives und viel Ballbesitz. Schon im ersten Drive ging Head Coach Sean McVay zweimal bei 4th-and-1 volles Risiko: Einmal hielt Kyren Williams die Serie am Leben, beim zweiten Versuch stoppten Josh Jobe und DeMarcus Lawrence den Running Back knapp, sodass Seattle in guter Feldposition übernahm.
Die Seahawks nutzten diese Vorlage. Ein perfekt aufgelegter Screen brachte Kenneth Walker III bis in die Redzone, Zach Charbonnet vollendete den Drive mit einem kurzen Lauf zum 7:0. Die Rams antworteten mit einem langen Drive, in dem zunächst Tight End Davis Allen frei durchkam und Puka Nacua einen umkämpften Fourth-Down-Catch gegen Jobe holte. Ein Touchdown auf Rookie-Tight-End Terrance Ferguson wurde jedoch wegen einer strittigen Strafe annulliert, Kicker Harrison Mevis verkürzte so per 23-Yard-Field-Goal lediglich auf 3:7.
Zu Beginn des zweiten Viertels setzte Nacua mit einem 54-Yard-Catch-and-Run das nächste Ausrufezeichen. Wieder stoppte Seattle die Rams jedoch in der Redzone, Mevis traf dieses Mal aus 28 Yards zum 6:7. Kurz vor der Pause belohnten sich die Rams dann doch: Ein methodischer 11-Play-Drive über 62 Yards, der mehr als sechs Minuten von der Uhr nahm, endete mit einem 3-Yard-Touchdown-Pass von Matthew Stafford auf Ferguson zum 13:7. Ein letzter Seahawks-Angriff, eingeleitet durch einen starken 17-Yard-Run von Walker bei 3rd-and-16, endete kurz vor der Redzone mit einem Fumble von Ex-Ram Cooper Kupp - so ging es in die Pause.
Nach der Halbzeit meldete sich Seattle sofort zurück. Wieder brach Walker über die rechte Seite durch und sprintete 55 Yards bis in die Endzone zum 14:13 - die Seahawks führten wieder. Stafford konterte mit einem tiefen 48-Yard-Pass auf Xavier Smith, doch erneut blieb L.A. im letzten Drittel des Feldes hängen. Mevis’ 41-Yard-Field-Goal drehte das Ergebnis zum 16:14, ließ aber weiter Punkte auf dem Rasen liegen.
Mitte des Viertels tauchte dann Jaxon Smith-Njigba erstmals im Spiel auf und fing einen 20-Yard-Pass. Kurze Zeit später folgte ein entscheidender Fehler von Sam Darnold: Cornerback Josh Wallace las eine Route, fing den Ball ab und trug die Interception 56 Yards zurück. Aus der exzellenten Feldposition erhöhte Blake Corum per 1-Yard-Run auf 23:14 für die Gäste. Die Rams blieben am Drücker und Nacua legte mit einem 58-Yard-Catch-and-Run nach. Vor Beginn des Schlussviertels stand der Receiver bereits bei dreistelligen Yards.
mhh
Zu Beginn des vierten Viertels schien Los Angeles das Spiel entschieden zu haben. Stafford zeigte eine Variation seines bekannten No-Look-Passes, sah Nacua aus dem Augenwinkel und bediente ihn aus einem Yard Entfernung zum 30:14. Der Quarterback stand da schon bei über 400 Passing Yards, Nacua einmal mehr bei einem Monster-Spiel mit zahlreichen Big Plays.

Doch anstatt den Sieg ruhig nach Hause zu spielen, ließen die Rams Seattle zurück ins Spiel. Darnold warf in der Redzone sogar zunächst eine weitere Interception - Defensive Tackle Kobie Turner ließ sich in Coverage fallen, schnappte sich den Ball vor Smith-Njigba und trug ihn zurück. Erst ein anschließender Punt der Rams brachte die Wende: Rashid Shaheed returnierte den Kick 58 Yards zum Touchdown, Darnold legte eine Two-Point-Conversion auf Kupp nach - nur noch 30:22, und auch das Stadion erwachte wieder.
Die Seahawks-Defense erzwang in der Folge zwei schnelle Three-and-Outs, während die Offense weiter Druck machte. Shaheed setzte mit einem 31-Yard-Gain das nächste Highlight, Darnold bediente anschließend Tight End AJ Barner mit einem 26-Yard-Pass in die Endzone. Die folgende, spektakuläre Two-Point-Conversion - ein abgefälschter Rückwärtspass, den Zach Charbonnet als Fumble aufnahm und in die Endzone brachte - sorgte fünfeinhalb Minuten vor Schluss tatsächlich für den 30:30-Ausgleich.
In der regulären Spielzeit vergab Mevis zunächst ein mögliches Game-Winning-Field-Goal, nachdem Stafford Terrance Ferguson über 28 Yards bedient hatte und eine Strafe weitere 15 Yards brachte. Beide Teams brachten danach aber offensiv nichts mehr zustande - die Entscheidung musste nun also in der Verlängerung fallen.
In der Overtime schien die Seahawks-Defense zunächst erneut zuzuschlagen, als Ernest Jones IV einen abgefälschten Pass abtauchte und scheinbar abfing. Nach Videoüberprüfung wurde der Turnover jedoch zurückgenommen - der Ball hatte zuvor den Boden berührt. Die Rams nutzten die zweite Chance: Stafford fand einmal mehr Nacua tief für einen 41-Yard-Touchdown zur 37:30-Führung. Am Ende stand der Quarterback bei 29 von 49 Pässen für 457 Yards und drei Touchdowns, Nacua bei überragenden 12 Catches für 225 Yards und zwei Scores.
Seattle brauchte jetzt einen Touchdown - und lieferte. Ein 17-Yard-Pass und eine Pass-Interference brachten die Seahawks schnell an die 39-Yard-Linie der Rams, ein spektakulärer Zehenspitzen-Catch von Kupp führte sie in die Redzone. Von dort bediente Darnold Smith-Njigba per 6-Yard-Pass zum 37:36. Anstatt den Ausgleich zu kicken, ließ Head Coach Mike Macdonald seine Offense auf dem Feld - und das Risiko machte sich bezahlt. Darnold fand Tight End Eric Saubert kurz in der Endzone - die entscheidende Two-Point-Conversion und der 38:37-Sieg waren perfekt - das Stadion explodierte förmlich.
Darnold beendete das Spiel mit 22 von 34 Pässen für 270 Yards, zwei Touchdowns und zwei Interceptions. Am Ende steht ein Klassiker, in dem die Rams lange dominieren, Puka Nacua historische Zahlen auflegt - und die Seahawks mit einem späten Run, Special-Teams-Big-Plays und Mut in Overtime doch noch die Oberhand behalten und somit den Top-Seed der NFC sichern.