vor 4 Stunden
Kansas Citys Siegesserie reißt
Die Seattle Seahawks haben sich eindrucksvoll aus ihrer kleinen Krise zurückgemeldet und ausgerechnet den zuvor ungeschlagenen Kansas City Chiefs die erste Saisonniederlage zugefügt. Beim 20:3 im Lumen Field erinnerte vor allem die gefürchtete "Dark Side"-Defense an die vergangene Saison.

Da waren sie also wieder, die Seattle Seahawks der vergangenen Saison. Nach zwei Niederlagen in Folge und einigen ungewohnt schwachen Auftritten hatten viele Fans zuletzt vergeblich nach der Mannschaft gesucht, die im Februar noch den Super Bowl gewonnen hatte. Ausgerechnet gegen Patrick Mahomes und die bis dato ungeschlagenen Kansas City Chiefs meldete sich Seattle nun eindrucksvoll zurück.
Beim Sunday Night Game im Lumen Field fühlte sich vor allem die Defense plötzlich wieder ganz nach der vergangenen Saison an. Die "Dark Side" machte ihrem Namen alle Ehre, ließ Kansas City gerade einmal 213 Yards Raumgewinn und drei Punkte zu und brachte Mahomes immer wieder zur Verzweiflung.
Für einen Spieler dürfte sich der Abend besonders unangenehm angefühlt haben: Kenneth Walker III. Der Running Back hatte Seattle im Februar noch als Super-Bowl-MVP zum Titel geführt, ehe er sich wenige Wochen später den Chiefs anschloss. Nun kehrte er erstmals als Gegner ins Lumen Field zurück - und bekam die Qualität seiner ehemaligen Teamkollegen direkt selbst zu spüren.
Mit 665 Rushing Yards und als bester Läufer der NFL war Walker angereist. Gegen Seattle war davon nur wenig zu sehen. Bei 14 Läufen kam der 26-Jährige auf gerade einmal 36 Yards und schaffte es nicht einmal in die Nähe der 100-Yard-Marke.
Damit hielt auch eine bemerkenswerte Serie der Seahawks: Seit mittlerweile 36 Spielen hat kein gegnerischer Running Back mehr mindestens 100 Rushing Yards gegen Seattle erzielt. Ausgerechnet Walker hätte diese Serie bei seiner Rückkehr beenden können.
Während Kansas City offensiv also kaum etwas zustande brachte, hatte Seattle mit Jaxon Smith-Njigba einmal mehr einen verlässlichen Unterschiedsspieler in seinen Reihen. Der Receiver fing neun Pässe für 150 Yards und erzielte im zweiten Viertel nach einem 28-Yard-Pass von Sam Darnold den einzigen Passing Touchdown der Partie.
Zu diesem Zeitpunkt hatte Jason Myers die Seahawks bereits per Field Goal in Führung gebracht. Mit einem 10:0 ging es schließlich in die Kabinen. Und wer auf eine typische Mahomes-Aufholjagd nach der Pause gehofft hatte, wurde enttäuscht.

Denn Seattle blieb defensiv hellwach. Mahomes fand kaum freie Anspielstationen, stand immer wieder unter Druck und leistete sich zudem eine Interception gegen Ty Okada. Mehr als ein Field Goal aus 50 Yards durch Harrison Butker brachten die Chiefs an diesem Abend nicht aufs Scoreboard. Der Kicker vergab zudem zwei weitere Versuche aus 58 Yards (zu kurz) und 45 Yards (rechts vorbei).
Für den passenden Schlusspunkt sorgte schließlich ausgerechnet das Laufspiel der Seahawks. Emanuel Wilson marschierte im letzten Viertel über 21 Yards in die Endzone der Chiefs und stellte auf 20:3. Insgesamt sammelte er 100 Rushing Yards - während der ehemalige Seahawks-Star Walker auf der Gegenseite bei den bereits erwähnten 36 hängen blieb.
Nach zuletzt zwei Niederlagen dürfte dieser Auftritt in Seattle erst einmal für reichlich Erleichterung sorgen. Die Seahawks verbessern ihre Bilanz auf 4-3 und haben gezeigt, dass die Mannschaft der vergangenen Saison offenbar doch noch da ist.
Die Chiefs stehen nach ihrer ersten Saisonniederlage bei 5-1. Für Mahomes und Co. war es ein Abend, an dem offensiv praktisch nichts zusammenlief.
Sam Darnold (Seahawks): 20/28 Pässe, 257 Yards, 1 TD, 1 INT
Patrick Mahomes (Chiefs): 19/33 Pässe, 165 Yards, 0 TD, 1 INT
Während Seattle mit dem Befreiungsschlag also wieder Selbstvertrauen tanken dürfte, müssen die Chiefs ihre erste Niederlage schnell abhaken. In Week 8 wartet auf Kansas City das Divisionsduell mit den Denver Broncos (5-2). Mit der Defense der Seahawks kriegen es als Nächstes die Chicago Bears (5-2) um Quarterback Caleb Williams zu tun.