vor 1 Tag
Seattle trotzt Darnold-Schock
Drake Maye hat den New England Patriots mit drei Interceptions im Schlussviertel eine bittere Auftaktniederlage beschert. Die Seattle Seahawks haben das Super-Bowl-Rematch trotz eines 0:10-Rückstands und des frühen Ausfalls von Sam Darnold noch mit 13:10 gewonnen.

Große Bühne, zäher Beginn und eine Schlussphase, die für alles entschädigte: Das Super-Bowl-Rematch zwischen den Seattle Seahawks und den New England Patriots entwickelte sich zum ersten großen Drama der neuen NFL-Saison.
Lange deutete wenig auf eine Wende hin, ehe die Partie im vierten Viertel innerhalb weniger Minuten vollständig kippte. Eigentlich war alles bereit für eine Overtime, am Ende stand jedoch ein 13:10 für Seattle, das nach drei Vierteln kaum jemand hatte kommen sehen.
Dabei begann der Abend mit einer großen Party: Seattle enthüllte das Banner für den Triumph im Super Bowl LX, Richard Sherman hisste die "12"-Flagge. Die offensive Unterhaltung fiel danach zunächst deutlich kleiner aus. Besonders bitter: Bereits im ersten Drive wurde Darnold vom ehemaligen Seahawk Dre’Mont Jones zu Boden gebracht. Der Quarterback humpelte mit einer Hüftverletzung vom Feld und kehrte nicht zurück.
Die ersten fünf Angriffsserien endeten in der Folge allesamt mit einem Punt. Seattles Pass Rush bereitete Maye Probleme, auch die Run Defense hielt stand. Auf der anderen Seite setzte New Englands Front Darnold-Backup Drew Lock unter Druck. Christian Gonzalez, neuer Rekordverdiener auf seiner Position, ließ gegen Ende des ersten Viertels zudem eine beinahe geschenkte Interception an der Seitenlinie fallen.
Erst im zweiten Viertel brachen die Patriots den Bann - mit reichlich Hilfe. Mayes deutlich zu kurzer Pass zwang den bereits enteilten A.J. Brown zum Abbremsen, Seahawks-Verteidiger Josh Jobe lief in den Receiver und kassierte so eine Pass Interference an der Zwei-Yard-Linie. Ausgerechnet ein Fehlwurf öffnete damit die Tür zum ersten Touchdown der Saison. Einen Spielzug später bediente Maye Rookie Eli Raridon nämlich zum 7:0.
Seattle antwortete vor der Pause vor allem mit Strafen. Zwei False Starts und eine seltene Offensive-Offside-Strafe zerstörten aussichtsreiche Situationen, zeitweise gab es sogar Buhrufe von den eigenen Fans. Entsprechend ging es mit dem mageren 7:0 in die Kabinen.
Zu Beginn der zweiten Hälfte verloren auch die Patriots einen Schlüsselspieler: Brown musste mit einer Knöchelverletzung raus. Dennoch erhöhte New Englands Kicker Andy Borregales aus 50 Yards auf 10:0, nachdem Seattle den bereits gestoppten Drive mit einer Roughing-the-Kicker-Strafe verlängert hatte.
Dann begann die Aufholjagd - aber nicht ohne den nächsten Umweg. Cooper Kupp brachte die Seahawks mit einem spektakulären einhändigen Catch in die Red Zone und fing wenig später sogar den vermeintlichen Touchdown zum Anschluss. Weil sich Kupp und George Holani vor dem Snap gleichzeitig bewegten, zählten die sechs Punkte jedoch nicht. Jason Myers verkürzte so per Kick lediglich auf 3:10.

Im Schlussviertel warf Maye tief auf Romeo Doubs in doppelte Deckung und wurde von Nehemiah Pritchett abgefangen. Lock nutzte das Geschenk: Bei 4th & 1 rechnete alles mit einem kurzen Lauf, doch der Backup täuschte die Ballübergabe an und fand Jaxon Smith-Njigba völlig frei. Die Patriots verteidigten genau den einen Yard, den Seattle brauchte - und schenkten JSN dafür die übrigen 45 bis in die Endzone. 10:10.
Mayes nächster tiefer Versuch landete erneut bei Seattle, diesmal in den Armen von Julian Love. Lock führte sein Team anschließend bis an die Drei-Yard-Linie, ließ bei 2nd & 1 aber die Spieluhr ablaufen. Statt mehrerer Versuche auf den Touchdown blieb nur Myers’ Field Goal zum 13:10. Seattle hatte das Spiel gedreht, legte sein Schicksal aber erneut in die Hände der Defense.
Maye hielt New England im entscheidenden Drive zunächst am Leben - und verwandelte bei 4th & 9 einen Pass auf Hollins. Die Patriots marschierten mit unter einer Minute Restzeit weiter bis in sichere Field-Goal-Reichweite - doch Maye wollte mehr. Die Idee, vor dem Ausgleich noch den Sieg zu suchen, war nachvollziehbar. Mayes Wurf war es weniger. Jobe fing die dritte Interception des Schlussviertels und setzte den perfekten Schlusspunkt unter das Comeback der "Dark Side".
Seattle reist in Woche zwei zu den Arizona Cardinals, New England empfängt die Pittsburgh Steelers. Dabei dürften vor allem die Verletzungen von Darnold und Brown im Mittelpunkt stehen.
Drake Maye: 23/33 Pässe, 178 Yards, 1 Touchdown, 3 Interceptions
Drew Lock: 16/22 Pässe, 187 Yards, 1 Touchdown, keine Interception
Sam Darnold: 1/2 Pässe, 13 Yards (vor seiner Hüftverletzung)
Jaxon Smith-Njigba: 8 Catches, 122 Yards, 1 Touchdown
A.J. Brown: 3 Catches, 26 Yards (vor seiner Knöchelverletzung)
Turnovers: Seahawks 0, Patriots 3
Strafen der Seahawks: 10 für 98 Yards
mhh