05.09.2024
Die NFL-Kolumne von kicker-Experte Adrian Franke
Das Warten hat ein Ende - die neue Saison ist endlich da! Pünktlich zum Auftakt analysiert und sortiert kicker-Experte Adrian Franke alle 32 Teams: Das NFL Power Ranking stimmt euch ein auf die neue Saison.

Es ist ein glasklares Übergangsjahr in New England, in jeder Hinsicht. Der Trade von Matt Judon Mitte August untermauert das. Dementsprechend würde ich auch von Anfang an andere Parameter anlegen, als schlicht zu fragen, wie viele Spiele die Patriots in dieser Saison gewinnen. Es geht mehr darum, herauszufinden, was genau man eigentlich schon im eigenen Kader hat - und was noch fehlt.
Etwa, welcher der jungen Receiver sich aufdrängt. Vielleicht ist die Nummer 1, die New England in dieser Offseason in Person von Calvin Ridley und dann Brandon Aiyuk bereits gejagt hat, ja schon im Team? Ist Caedan Wallace eine legitime Left-Tackle-Option? Ist Alex Van Pelt die richtige Play-Caller-Wahl? Und dann natürlich: Wann ist der richtige Moment, um Drake Maye rein zu werfen?
Viele richtungsweisende Fragen auf der offensiven Seite des Balls. Defensiv sind die personellen Fragezeichen in Summe kleiner, auch wenn Christian Barmore hier erstmal fehlen wird und man jetzt eben Judon ersetzen muss. Hier muss Jerod Mayo zeigen, dass er an Belichicks auch letztes Jahr noch starke Defense-Arbeit anknüpfen kann, während er sich gleichzeitig im Head-Coach-Stuhl zurechtfinden muss.
Es gibt durchaus ein Szenario, in dem ich die Commanders in vier Wochen ordentlich nach oben schiebe. Und vermutlich bin ich gemessen am Konsens vergleichsweise skeptisch hier, aber bei Washington kommen für mich einige Punkte zusammen.
Ich habe Zweifel daran, dass Jayden Daniels als Passer in der NFL funktioniert. Seine Athletik als Runner wird ein Faktor sein, das steht außer Frage; aber als Passer habe ich zu viele Probleme im College gesehen, insbesondere in puncto Pocket-Management, und das in sehr guten Umständen bei LSU. Das, was wir von Kliff Kingsbury in der NFL bislang gesehen haben, war ein Scheme, das viel auf den Quarterback ablädt. Und das wenige Mismatches kreiert, die Defenses via Play-Design wenig unter Druck setzen.
Diese beiden Punkte in Kombination mit einer Offensive Line, die mehrere größere Fragezeichen hat, lassen mich bei der Offense skeptisch zurück. Auch wenn sie mit Terry McLaurin einen guten Nummer-1-Receiver hat.
Defensiv wird viel davon abhängen, wie schnell Dan Quinn dieser Unit seine DNA einimpfen kann. Die Qualität auf Edge ist vermutlich nicht da, auch Linebacker könnte insbesondere in Coverage wacklig werden. Die Secondary gefällt mir vergleichsweise gut, aber auch hier hat Quinn nicht die Qualität zur Verfügung, die er in Dallas hatte.
Ich erwarte eine klare Entwicklung für Carolina, verglichen mit vergangener Saison. Das kann immer noch bedeuten, dass die Panthers bis Saisonende eines der fünf, sechs schlechtesten Teams der Liga sind und die Saison mit einem hohen Pick beenden. Der Unterschied zu letztem Jahr aber sollte sein, dass es ein kompetitives Team mit einer Richtung über die Saison hinaus ist.
Die Grundpfeiler dafür kommen aus der Offseason. Mit der verbesserten Interior Offensive Line, einem massiven Receiver-Upgrade allein durch Diontae Johnson - plus, was auch immer sie im ersten Jahr von Erstrunden-Pick Xavier Legette bekommen - und dem Boost, den ich mir spezifisch für Bryce Young durch Dave Canales verspreche.
Young ist dabei generell die kritische Personalie. In besseren Umständen herauszufinden, was man in ihm hat, ist der wichtigste Punkt der kommenden Saison. Defensiv müssen die Panthers zwar Brian Burns ersetzen, Ejiro Evero bleibt aber als Defensive Coordinator, und er hat jetzt eine tiefere Edge-Gruppe zur Verfügung - und im Idealfall auch Jaycee Horn mal für die ganze Saison.
Ich erwarte keinen riesigen Sprung bei den Panthers, aber ein kontinuierliches Klettern raus aus dem Liga-Keller.
Man kann die Argumentation bei den Broncos ähnlich aufziehen wie bei den Patriots, mit zwei Unterschieden: Denver hat eine stabilere Baseline durch Sean Payton und durch die Offensive Line, insbesondere im Run Game. Beides sind bei den Broncos feste Größen, wo in New England noch Fragezeichen stehen.
Ansonsten aber gibt es auch in Denver viele Baustellen; genau wie man es erwarten würde, wenn man sich von einem Quarterback mit 80-Millionen-Dead-Cap-Hit trennt und seinen Nummer-2-Receiver weg tradet. Die Receiver-Gruppe hinter Courtland Sutton muss sich erst finden, vielleicht mit mehr Veteran-Stabilität durch Josh Reynolds. Auf Tight End sucht man Difference Maker vergebens.
Und natürlich hat auch Denver die große Quarterback-Frage. Bo Nix kann der schnelle Ballverteiler sein, den Sean Payton letztes Jahr vermisst hat. Aber kann er auch mehr als das sein? Und wie weit bringt das diese Offense?
Die Defense hielt sich letztes Jahr mit viel Blitzing und vielen Turnovern über Wasser, das zu wiederholen ist schwierig. Patrick Surtain ist der klare Fixpunkt für eine Defense, der es ansonsten an solchen festen Größen fehlt. Auch wenn die Defensive Line halbwegs stabil sein sollte und vor allem mit Speed im Pass-Rush überzeugt.
Die Defense der Raiders wird gut sein, da bin ich relativ optimistisch. Sie wird mindestens "nervig" sein und könnte für den einen oder anderen Überraschungssieg sorgen. Maxx Crosby und Christian Wilkins sind dabei natürlich die Spieler im Mittelpunkt, aber auch Spieler wie Jack Jones, Malcolm Koonce und Tre’von Moehrig sollte man hier nennen.
Die Defense wird die Raiders in einigen Spielen halten und sie zu einem unangenehmen Gegner machen, insbesondere wenn sie konstant mit dem 4-Man-Rush Druck machen kann. Das wird die Basis für alles auf der defensiven Seite sein. Die Frage ist, inwieweit die eigene Offense daraus Kapital schlagen kann. Und da habe ich doch erhebliche Zweifel.
Die Playmaker-Gruppe mit Davante Adams, Jakobi Meyers und auch Brock Bowers, von dem ich mir gleich im ersten Jahr einiges erwarte, ist gut. Aber die Quarterback-Situation ist potenziell die schlechteste in der NFL, und die Idee, über das Run Game zu kommen, wird nur klappen, wenn die Offensive Line ihren Best Case abruft. Hier haben Kolton Miller und Jackson Powers-Johnson weite Teile der Vorbereitung verpasst und Thayer Munford muss erst zeigen, dass er ein Upgrade gegenüber Jermaine Eluemunor darstellt.

Die Lines auf beiden Seiten des Balls werden diese Saison für New Orleans enorm erschweren. Selbst wenn Rookie-Tackle Taliese Fuaga auf der linken Seite halbwegs schnell funktioniert, vertraue ich Trevor Penning rechts nicht, und auch beide Guard-Spots sind wacklig.
Derek Carr hat sich letztes Jahr in der zweiten Saisonhälfte gesteigert, aber wir wissen, was eine anfällige Protection mit Carrs Spiel macht. Umso mehr, da die Saints mit Chris Olave zwar einen sehr guten Receiver haben, dahinter aber einen deutlichen Drop-Off.
Vielleicht wird der Offensive-Coordinator-Tausch hier einen Effekt haben, mit Klint Kubiak wird die Line womöglich ein wenig mehr entlastet. Aber auch hier bleibt abzuwarten, wie gut dessen Philosophie mit Carrs schematischen Vorlieben funktioniert.
In der defensiven Front hat man über die letzten Jahre am ehesten den schleichenden, aber konstanten Qualitätsrückgang im Kader der Saints bemerkt. Cam Jordan ist immer noch ein verlässlicher Run-Defender, aber nicht mehr der High-Impact-Pass-Rusher, wie noch vor einigen Jahren. Carl Granderson wäre eine gute Nummer 3, muss aber die Nummer 2 sein. Und von den jungen, hoch gepickten Spielern Bryan Bresee, Payton Turner und Isaiah Foskey kam bislang nicht genug, um die Löcher zu stopfen.
Mit Demario Davis ist New Orleans dahinter nach wie vor exzellent besetzt, und die Secondary ist der Hauptgrund dafür, dass die Saints letztes Jahr einmal mehr eine sehr gute Defense hatten. Aber wie lange können sie das noch aufrechterhalten?
Nach einer fraglos enttäuschenden Vorsaison sind die Giants ein Bounceback-Team. Mit einer verstärkten Offensive Line, die in keiner Top-10-Liste auftauchen wird, aber auch weiter weg von der schlechtesten Line der Liga sein sollte - da nämlich waren die Giants letztes Jahr. Und das alleine machte die Offense häufig schlicht nicht funktional.
Aber auch mit einer Receiver-Gruppe, die endlich eine legitime Nummer 1 hat. Malik Nabers gibt den Giants einen echten Difference Maker, wie ihn Daniel Jones in seiner bisherigen NFL-Karriere noch nicht hatte. Nabers bringt nicht nur eine komplett neue Dynamik in die Offense, er wird auch den Receivern daneben die Arbeit erleichtern. Ich war und bin bei Daniel Jones immer eher auf der skeptischen Seite, aber er kann ein solider Ballverteiler sein und mit seiner Athletik als Runner der Offense eine zusätzliche Dimension geben.
Will sagen: Ich sehe immer noch klare Limits was die Upside für diese Version der Giants angeht. Aber der Floor sollte deutlich stabiler sein. Und hier kommt auch die Defense mit in die Argumentation, denn die Defensive Line könnte eine der besten in der NFL werden. Mit dem besten Nose Tackle der NFL in Dexter Lawrence, Neuzugang Brian Burns und Kayvon Thibodeaux auf der anderen Seite, der nur noch die Nummer 3 sein muss. Die Secondary ist dagegen ein großes Fragezeichen.
Es ist ein Übergangsjahr in Minnesota, das mit der bitteren Verletzung von J.J. McCarthy nicht gänzlich zu einem Muster ohne Wert verkommt, aber doch den wichtigsten Part der anstehenden Saison verloren hat: Die Evaluation des Rookie-Quarterbacks.
Gleichzeitig erwarte ich nicht, dass ein Übergangsjahr selbst mit Sam Darnold auch ein Jahr im Liga-Keller bedeutet. Dafür hat dieses Team eindeutig zu viel Talent, genau wie zu gutes Coaching.
Darnold wird starten, aber wir haben letztes Jahr gesehen, was Kevin O’Connell mit verschiedenen Backup-Quarterbacks noch herausholen kann. Und mit Justin Jefferson, Jordan Addison, Aaron Jones, einem sehr guten Tackle-Duo, und ab etwa Saison-Mitte auch wieder T.J. Hockenson ist das Gerüst ausgesprochen stark.
Aber auch die defensive Entwicklung wird interessant: Hier fehlt der Nummer-1-Edge nach dem Abgang von Danielle Hunter, dafür ist die Edge-Gruppe deutlich breiter aufgestellt, inklusive Erstrunden-Pick Dallas Turner. Vielleicht kann Brian Flores die Blitz-Intensität in der Folge ein wenig runterfahren? Die Corner-Gruppe sowie die Interior Defensive Line verhindern aber größere Sprünge für die Defense insgesamt.

In ihrem Gesamtumfang wirken die Investitionen der Titans in dieser Offseason definitiv ein, zwei Stufen drüber. Grundsätzlich aber werde ich es nicht kritisieren, wenn ein Team versucht, die offensiven Umstände schnell deutlich zu verbessern, um herauszufinden, was es in seinem jungen Quarterback hat.
Eine verbesserte Offensive Line - sofern J.C. Latham schnell funktioniert - sowie eine starke Receiver-Gruppe werden Will Levis eher eine Chance geben. DeAndre Hopkins, der allerdings angeschlagen aus der Saisonvorbereitung kommt, Calvin Ridley als Nummer 2 und Tyler Boyd im Slot, das kann sich sehen lassen.
Hinter die Line muss man aber trotz des personellen und des Coaching-Upgrades so lange ein Fragezeichen setzen, bis wir es auf dem Platz sehen. Das gilt auch für eine neu zusammengestellte Secondary mit einem Rookie-Defensive-Coordinator: Dennard Wilson kommt aus Baltimore und übernimmt diesen Posten.
L’Jarius Sneed und Chidobe Awuzie sollten ein gutes Corner-Duo bilden können, auf Safety ist zumindest Tiefe. Mit Jamal Adams und Quandre Diggs haben sich die Titans auch hier mit Veterans verstärkt. Es ist ein insgesamt altes Team, das sich Tennessee in dieser Offseason zusammengekauft hat. Ein gewisses Maß an kurzfristigen Resultaten sollte man also auch vom neuen Head Coach Brian Callahan erwarten.
Das zweite Jahr des Rebuilds bedeutet auch, dass konkrete Fortschritte auch in Form sportlicher Ergebnisse sichtbar sein müssen. Jetzt hat Kyler Murray die gesamte Saisonvorbereitung mitgemacht und ist ab Woche 1 auf dem Platz, es ist die zweite hoch gehandelte Draft-Klasse und in der Free Agency wurde auch ein wenig investiert.
Das sollte sich auch sportlich bemerkbar machen - zumindest in der Offense. Die Cardinals hatten letztes Jahr ab Woche 10, also als Murray zurückkam, nach EPA pro Play die Nummer-9-Offense in der NFL. Das Run Game war die ganze Saison über eines der ligaweit besten. Mit Marvin Harrison als neuer Nummer 1, Michael Wilson in seinem zweiten Jahr und Greg Dortch im Slot hat diese Offense Top-10-Potenzial. Sofern die Offensive Line halbwegs hält.
Defensiv sieht man den Rebuild noch entschieden deutlicher. Die Cardinals haben zwar in die Front investiert und zumindest ihren Floor etwas stabilisiert, doch das Saisonaus von B.J. Ojulari setzt ein noch größeres Fragezeichen hinter den ohnehin fragwürdigen Pass-Rush. Auch Erstrunden-Pick Darius Robinson fehlt zum Saisonstart.
Hier werden Rookies und andere junge Spieler wie Max Melton, Garrett Williams und Roy Lopez zu tragenden Säulen aufsteigen müssen, damit die Defense den Liga-Keller verlassen kann. Das ist in Ordnung für Jahr 2 des Rebuilds, aber es könnte eben auch die schlechteste Defense der NFL sein.
Aus Chargers-Sicht kann man nur hoffen, dass die Fußverletzung von Justin Herbert nicht bis in die Saison hinein noch - oder wieder - ein Thema sein wird. Die Chargers brauchen ihren Franchise-Quarterback, um halbwegs eine Chance darauf zu haben, im ersten Jahr unter Jim Harbaugh direkt positiv zu überraschen.
Denn so realistisch muss man sein: Mit einer Playmaker-Gruppe voller Fragezeichen und ohne echten Fixpunkt, einer deutlich umgebauten Offensive Line und einer Defense mit mehreren größeren Baustellen wäre es selbst mit der "Harbaugh-Magie" eine Überraschung, würden die Chargers neun, vielleicht zehn Spiele gewinnen.
Für einen so schnellen Turnaround braucht es Herbert in Topform, aber auch mindestens einer der jungen Playmaker muss einen deutlichen Schritt nach vorne machen. Joe Alt muss sich schnell etablieren. Und in der Defense braucht es nochmal ein starkes Jahr von Khalil Mack, Joey Bosa muss fit bleiben, Derwin James wieder in die Spur finden, Rookie-Linebacker Junior Colson schnell einschlagen und Kristian Fulton nochmal seine beste Titans-Form abrufen.
Das sind schlicht sehr viele Dinge, die klappen müssen, und da sprechen wir noch gar nicht über die schwache Interior Defensive Line und die Frage, inwieweit Greg Romans Offense zu Justin Herbert passt. Viele Fragezeichen, aber der Harbaugh-Herbert-Faktor kann überraschen.
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Ein rundum solides Team mit zwei zentralen Fragezeichen: Kann Liam Coen aus Baker Mayfield eine ähnlich effiziente Saison rausholen, wie Dave Canales letztes Jahr? Und haben die Bucs defensiv noch die qualitativen Mittel für zumindest das obere Liga-Mittelmaß?
Denn auf der defensiven Seite des Balls haben sich die Bucs von Carlton Davis, ihrem langjährigen Nummer-1-Corner, getrennt, genau wie von Shaquil Barrett, ihrem besten Pass-Rusher der vergangenen Saison. Junge Spieler wie Zyon McCollum und Yaya Diaby rücken damit in prominentere Rollen, beide haben zwar letztes Jahr auch schon viel gespielt, jetzt aber müssen sie Leistungsträger sein. Auch Calijah Kancey muss zeigen, dass er mehr sein kann, als ein reiner Interior-Pass-Rusher.
Die Offense bietet die größere schematische Ungewissheit, hier aber sollte der Floor immer noch hoch sein. Die Bucs haben eine sehr gute Receiver-Gruppe, die mit Jalen McMillan weiter verstärkt wird. Und auch die Offensive Line sollte besser sein als letztes Jahr, was man spezifisch im Run Game merken wird.
Wie weit kann eine Top-8-Defense mit einem Elite-Pass-Rush und Playmakern in der Secondary die Steelers mit enttäuschender Offense tragen? Das ist seit vielen Jahren die übergreifende Frage vor jeder Steelers-Saison.
Dieses Jahr sollte es eigentlich anders werden. So wirklich sehe ich das aber noch nicht, auch wenn Pittsburgh die beste Defensive Line in der NFL an den Start bringen könnte.
Ja, Russell Wilson und Justin Fields für sehr überschaubaren Aufwand zu bekommen, ist gut. Und ich erwarte hier in Summe auch ein Upgrade verglichen mit dem, was Pittsburgh letztes Jahr von Kenny Pickett bekommen hat. Aber wie groß wird dieses Upgrade wirklich? Und vor allem: Davon ausgehend, dass die Offensive Line noch etwas Zeit brauchen wird, könnte das das mögliche individuelle Quarterback-Upgrade wieder relativieren.
Denn sowohl Wilson als auch Fields sind keine Quarterbacks für schlechte Pockets. Beide halten den Ball tendenziell zu lange, beide haben schlechtes Pocket-Management. Und die Receiver-Qualität ist nach dem Abgang von Diontae Johnson ebenfalls schlechter.
Die Hoffnung ruht auf Offensive Coordinator Arthur Smith, der ebenfalls eine Verbesserung darstellt, und darauf, dass er zumindest ein funktionales Run Game auf die Beine stellen kann. Das wäre aber vermutlich deutlich gefährlicher mit Fields, der zunächst auf der Bank platznehmen muss.

Jahr Eins nach der Pete-Carroll-Ära verspricht auf jeden Fall viel Spannung. Der neue Head Coach Mike Macdonald hat letztes Jahr in Baltimore die beste, vermutlich auch modernste, Defense der NFL dirigiert, und Offensive Coordinator Ryan Grubb kommt frisch aus dem College, wo er mit unter anderem Michael Penix, Rome Odunze und Ja’Lynn Polk die spektakulärste Offense der vergangenen College-Saison aufs Feld brachte.
Zwei Fragen lassen sich als eine Art Überschrift festhalten: Inwieweit hat Macdonald schon das Personal, um seine Ideen umzusetzen? Und zu wie viel Prozent kann Grubb seine Offense auf die NFL übertragen?
Letzteres ist nicht nur eine schematische Frage. Grubb hatte bei Washington den Luxus einer sehr starken Offensive Line - Seattle hat hier massive Fragezeichen. Connor Williams ist eine nette August-Verpflichtung, aber wann ist er bei 100 Prozent? Wann findet Abraham Lucas zu alter Stärke? Was hat Laken Tomlinson noch im Tank? Kann Christian Haynes den Right-Guard-Posten erobern?
Die Playmaker sind gut, Geno Smith ist ein guter, und für diese Offense passender Quarterback, aber an der Line könnte es im ersten Jahr scheitern. Defensiv hat Macdonald nicht die Qualität in der Secondary oder auf Linebacker, die er bei den Ravens hatte. Aber die Defensive Line kann definitiv positiv überraschen, auch wenn hier Uchenna Nwosu erstmal ausfällt. Besonders spannend wird es sein, zu sehen, was er mit Devon Witherspoon plant.
Es ist das erste Jahr nach einer langen Ära, ein wenig Geduld ist also gefordert. Aber Seattle könnte bis Saisonende mit dem Passing Game und dem Pass-Rush noch sehr positiv überraschen.
Eine weitere typische "Chris-Ballard-Offseason", in der man sich manchmal einfach diesen einen größeren Move, den Mut, eine echte Impact-Verstärkung zu holen, wünschen würde. Doch das ist schlicht nicht der Stil des GMs der Colts, und so gilt auch dieses Jahr: Die Basis ist stabil, für mögliche große Sprünge müssen die eigenen jungen Spieler sowie die neuen Rookies sorgen.
Und zumindest dieses Jahr könnte diese Rechnung aufgehen. Anthony Richardson kommt nach seiner verletzungsbedingt stark verkürzten Rookie-Saison zurück, die Erwartungen an seine zweite Saison sind groß. Dass den Colts in der zweiten Runde des Drafts Adonai Mitchell in den Schoß fiel, könnte ihnen den vertikalen Playmaker geben, der dieser Offense gefehlt hat - und der gut zu Richardsons Arm passt.
Mitchell könnte früh zusätzlich wichtig werden, wenn Josh Downs erstmal fehlt - das gilt auch für den Nummer-1-Pick auf der defensiven Seite: Nach der schweren Verletzung von Samson Ebukam rückt Laiatu Latu vermutlich schnell in eine prominente Rolle. Er soll hier der zweite Unterschiedsspieler neben DeForest Buckner werden.
Die Colts haben eine sehr junge Secondary mit Potenzial, aber eben auch mit wenigen Fixpunkten. Fixpunkte sind die Offensive Line, das Run Game, Michael Pittman und Head Coach und Play-Caller Shane Steichen.
Ich frage mich schon, ob 2024 ein Make-or-Break-Jahr in Jacksonville sein könnte. Was passiert, wenn man die Playoffs erneut verpasst? Wackelt dann der Stuhl von Doug Pederson? Fliegt er gar direkt? Trevor Lawrence wurde gerade bezahlt, er ist und bleibt der Dreh- und Angelpunkt dieser Franchise. Aber die Erwartungshaltung dürfte schon in die Richtung gehen, dass man sich jetzt nicht in der eigenen Division von den Texans - und womöglich den Colts? - abhängen lassen will.
Gleichzeitig ist es nicht ganz leicht, einzuschätzen, wo genau dieser Jaguars-Kader überhaupt steht. War es ein Fort- oder ein Rückschritt, Calvin Ridley und Zay Jones durch Gabe Davis und Brian Thomas zu ersetzen? Oder Darious Williams durch Ronald Darby in der Secondary? Ist Arik Armstead wirklich der Spieler, der die Front stabilisiert, falls Travon Walker das weiterhin nicht kann?
Mitch Morse auf Center ist definitiv ein Upgrade, aber so richtig weiß man nicht, wo die Reise für dieses Jaguars-Team hingehen soll - was Platz 17 irgendwo auch als Sinnbild verdeutlicht. Ich bin gespannt, was Ryan Nielsen aus dieser Defense herausholen kann, und ich denke, dass Lawrence mit zwei großen vertikalen Outside-Receivern gut funktionieren wird. Aber die Jaguars haben nach wie vor viele Baustellen für ein Team mit Playoff-Ambitionen.
Es ist absolut möglich, dass der Hype hier gerade ein wenig zu weit geht. Und vielleicht wirkt es dann am Ende wie eine Enttäuschung, sollte Chicago "nur" acht oder neun Spiele gewinnen. Aber das Potenzial ist da, um schon im ersten Jahr mit Rookie-Quarterback Caleb Williams einen enormen Sprung zu machen.
Es ist schlicht selten, dass ein so talentierter Quarterback wie Caleb Williams in die NFL kommt. Noch seltener ist es, dass er dann in diese Umstände kommt. Mit einem legitimen Receiver-Trio, bei dem ich auch die Rollenaufteilung sehr mag: DJ Moore als flexible Nummer 1, Keenan Allen als Slot-Possession-Receiver und Rome Odunze als großer X-Receiver. Die Offensive Line reißt keine Bäume aus, aber sie sollte solide sein. Und auch die ergänzenden Playmaker wie Cole Kmet, Gerald Everett und D’Andre Swift sind mindestens solide.
Falls Williams sein Potenzial halbwegs schnell abrufen kann, kann das eine Top-10-Offense sein. Die Defense war letztes Jahr phasenweise schon eine Top-10-Unit, hier aber muss ich erst konstante Production von der Front sehen, ehe ich das wieder prognostiziere. Außerhalb von Montez Sweat gibt es hier zu viele Fragezeichen. Die Secondary ist dafür umso besser. Hier könnte Chicago eine Top-8-Unit haben, die allerdings diese Defense auch maßgeblich tragen muss.
Die Defense war letztes Jahr eine absolute Elite-Unit, zumindest in der Regular Season. Mit einem dominanten Four-Men-Rush und einer der besten Secondaries in der NFL konnte Cleveland Teams immer wieder auf der Seite des Balls dominieren.
Die Offense hat an sich ein starkes Gerüst: Die Line ist gut bis sehr gut, genau wie der Play-Caller. Auch das Waffenarsenal wurde weiter verstärkt, hier haben die Browns jetzt ein legitimes Receiver-Trio, zusätzlich zu David Njoku.
Es ist der Quarterback, der hier ein gigantisches Fragezeichen hinter all die positiven Dinge setzt. Deshaun Watsons Top-Level haben wir zuletzt vor vier Jahren gesehen, mit den Receiver-Investitionen und auch dem Scheme, das vermehrt auf Watson zugeschnitten wurde, gehen die Browns trotzdem weiter All-In. Oder anders formuliert: Sie geben ihm jede Chance, erfolgreich zu sein.
Wenn das dieses Jahr nicht klappt - wann dann? Mit der Frage steht und fällt auch die Browns-Saison. Nicht unbedingt dahingehend, was in der Regular Season möglich ist: Hier sollte die Defense für ausreichend Floor sorgen. Aber mit Watson in der Form der vergangenen beiden Jahre ist ein Playoff-Run in der AFC nicht möglich.

Zweifel dahingehend, ob die Falcons defensiv genug Qualität haben, sind komplett gerechtfertigt. Der Edge-Rush ist ein riesiges Fragezeichen, auch wenn mit Matt Judon hier eine klare Verstärkung geholt wurde. Doch Judon ist 32 Jahre alt und kommt von einer Verletzung zurück, ein wenig Vorsicht ist hier also geboten. Lorenzo Carter und Arnold Ebiketie sind die Alternativen, keiner der beiden hatte bislang in einer Saison mehr als 35 Quarterback-Pressures.
Die Cornerback-Gruppe hat A.J. Terrell und dahinter einen deutlichen Dropoff. Mit Bates und Simmons hat Atlanta jetzt ein spannendes Safety-Duo, dennoch: Hier wird der neue Head Coach Raheem Morris gleich zeigen müssen, was er kann.
Ich denke, dass die Defense letztlich größere Sprünge - also wenn wir wirklich an einen tiefen Playoff-Run denken - verhindert. Aber die Offense sollte gut genug sein, um Atlanta für mich zum klaren Favoriten in dieser Division zu machen.
Die Falcons haben die beste Offensive Line in der Division und eine der sechs, sieben besten Lines in der NFL. Drake London könnte nach zwei produktiven Saisons trotz der Umstände mit Kirk Cousins jetzt eine Breakout-Saison haben. Ich erwarte auch von Kyle Pitts wieder eine bessere Saison, insbesondere, wenn er wieder bei 100 Prozent ist und wenn sich vielleicht seine Rolle auch etwas verändert.
Offensive Coordinator Zac Robinson ist zum ersten Mal in der Play-Caller-Rolle, hier schwingt also eine Ungewissheit mit. Aber wir wissen, was die strukturelle Basis sein wird, Robinsons Offense wird in der von Sean McVay verwurzelt sein. Deshalb bringt Morris ihn aus Los Angeles mit. Das sollte zu Cousins passen, und auch zu Pitts, London und Bijan Robinson. Atlanta könnte eine Top-12-Offense stellen.
Die All-In-Saison der Jets im ersten "echten" - und vielleicht einzigen - Jahr mit Aaron Rodgers ist auf Kante genäht. Aber falls New York mit Glück auf dem Injury Report durch die Saison geht, gibt es einen Best Case, in dem die Jets in den Playoffs für Furore sorgen können.
Falls Mike Williams fit bleibt, falls Tyron Smith fit bleibt, falls Alijah Vera-Tucker fit bleibt - und natürlich falls Rodgers selbst nicht nur fit bleibt, sondern nochmal wie ein Top-12-Quarterback spielen kann. Dann könnte New York eine gute bis sehr gute Offense haben, selbst mit all den Zweifeln, die bei Nathaniel Hackett als Play-Caller mitschwingen. Das wäre ein Best Case, mit dem man dementsprechend so nicht rechnen kann.
Aber es gibt zumindest eine Chance darauf, und dann würde auch die herausragende Defense nochmal anders zur Geltung kommen. Die Jets hatten trotz katastrophaler eigener Offense letztes Jahr eine der besten Defenses in der NFL, fast alle Leistungsträger sind noch da und sind am Anfang ihrer Prime. Einziger Stolperstein: Nachdem sie sich von John Franklin-Myers und Bryce Huff getrennt haben, und die Haason-Reddick-Situation noch immer nicht geklärt ist, ist der Edge-Rush nicht so stark besetzt wie im Vorjahr.
Unabhängig davon, wie genau man die Offseason-Strategie der Cowboys bewertet: Es ist schwer, einen Case dafür zu entwerfen, dass Dallas besser dasteht als in der vergangenen Saison. Dafür haben sie zu viel Tiefe in der Front verloren, sie ersetzen zwei feste Größen in der Offensive Line mit jungen, unerfahrenen Spielern, das Backfield wurde mit dem Tausch Pollard gegen Elliott deutlich weniger explosiv und all das passiert, während der Druck auf das Team durch die Vertragssituationen deutlich erhöht wurde.
Das heißt aber nicht, dass plötzlich alles schlecht ist. Dallas sollte weiterhin eine gute bis sehr gute Offense aufs Feld bringen, sofern die Line halbwegs funktioniert. Dafür sind der Floor mit Dak Prescott, CeeDee Lamb und Co. zu groß - und das sollte eigentlich auch für die Defense gelten.
Auf der Seite des Balls sind die Cowboys zwar letztes Jahr im Laufe der Saison eingebrochen, was auch daran lag, dass Dallas auf Linebacker konstant Probleme hatte. Hier zumindest sollte man jetzt stabiler aufgestellt sein, spannender wird aber sein, was Mike Zimmer schematisch mit der Defense verändert. Dass Nummer-2-Corner DaRon Bland erst einmal für vier bis sechs Wochen ausfällt, könnte Zimmer anfangs limitieren.
Den Verlust von Aaron Donald kann man nicht eins zu eins auffangen, das steht außer Frage. Die Rams haben aber zumindest eine junge Gruppe in der Front, die sowohl eine gute Tiefe, als auch Upside mitbringt.
Allen voran Jared Verse würde ich hier ins Rennen werfen, dessen Physis den Rams auf Edge guttun wird. Aber auch Rookie-Kollege Braden Fiske, sowie Vorjahres-Breakout-Spieler Kobie Turner geben den Rams eine spannende Defensive Line. Gemeinsam mit Nose Tackle Bobby Brown erwarte ich zwar eine schwächere Gruppe als im Vorjahr, aber keine Front, die ohne Donald in sich zusammenfällt. Die Secondary könnte dagegen stabiler sein als letztes Jahr, mit einem Veteran-Corner-Duo, und einem klaren Upgrade auf Safety in Person von Kamren Curl, sowie perspektivisch vielleicht mit Rookie Kamren Kinchens.
Von der Offense erwarte ich eine Top-10-Unit. Die verbesserte Interior Offensive Line, in Kombination mit Cooper Kupp zurück bei 100 Prozent, Puka Nacua im zweiten Jahr, einem noch tieferen Backfield und Matt Stafford: Es wäre schon sehr überraschend, wenn Sean McVay daraus keine Top-Offense formen könnte.
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Meine große Sorge bei den Dolphins ist, dass die zentrale Problemzone der vergangenen Saison eher noch schwächer wurde. Gemeint ist die Offensive Line, und so eindrucksvoll es Mike McDaniel auch gelang, die Line hinter dem ganzen Speed er Playmaker zu verstecken: Als es spät in der Saison, gegen Playoff-Teams und dann direkt in den Playoffs darum ging, einen Plan B und Plan C umzusetzen, war das nicht drin.
Dafür waren der Quarterback, aber auch die Line zu limitiert. Miami kann seine Speedster im Run Game zwar nach außen bringen, aber nicht durchs Zentrum dominieren. Und das sehe ich eher noch problematischer. Ich traue es McDaniel zu, das phasenweise zu überspielen, zumal die Playmaker-Gruppe noch explosiver wurde. Aber das stößt irgendwann an Grenzen, und da sehe ich auch Tua zu limitiert.
Bis das in der Saison dann zu Problemen führt, sollte Miami sich aber zumindest im Playoff-Rennen schon gut platziert haben. Und vielleicht gibt es dann auch noch einen defensiven Boost: Wenn Bradley Chubb und Jaelan Phillips von ihren Verletzungen zurückkommen. Phillips hatte sich im November die Achillessehne gerissen, Chubb zum Ende der Regular Season das Kreuzband. Phillips ist bereits wieder mit an Bord, wird aber vermutlich langsam herangeführt.
Der unerwartete Rücktritt von Shaq Barrett hilft entsprechend wenig; hier gilt es außerdem, den Verlust von Christian Wilkins aufzufangen. Das aber immerhin in einem neuen Scheme, das Vic-Fangio-Missverständnis wurde schnell wieder beendet, von den Ravens kommt Anthony Weaver als neuer Defensive Coordinator.
Ich bin sehr auf die neue Version der Bills-Offense gespannt. Wie viel mehr wird das Passspiel noch auf das Quick Game und das Underneath Passing Game verlagert? Ohne Stefon Diggs und Gabriel Davis, dafür mit Curtis Samuel, einer Vielzahl und Underneath-Waffen und Josh Allen, der sich vermehrt als Kurzpass-Quarterback stabilisiert hat, liegt ein stärkerer Fokus darauf zumindest nahe.
Der große X-Faktor ist Keon Coleman. Buffalos Top-Pick im diesjährigen Draft soll die X-Receiver-Rolle übernehmen. Er ist vom Körperbau her auch eine logische Wahl dafür, seine beste Rolle sehe ich aber auch eher in der Mid-Range - und nicht unbedingt als isolierter Receiver. Außerdem bekommt Allen einen neuen Center, nachdem die Bills Mitch Morse abgegeben haben.
Die Defense ist in einem Übergangsjahr, nachdem man sich von mehreren langjährigen Säulen getrennt hat. Unter anderem die Safeties Jordan Poyer und Micah Hyde sind weg, genau wie Cornerback Tre’Davious White und die Pass-Rusher Leonard Floyd und Shaq Lawson. Wie groß der tatsächliche qualitative Verlust im Hier und Jetzt wirklich ist, bleibt abzuwarten; in jedem Fall aber wird es eine jüngere Bills-Defense sein. Umso mehr, da Linebacker Matt Milano lange verletzt fehlen wird.
Es ist ein neues Kapitel für die Bills in der Josh-Allen-Ära. Aber mit ihm, einer noch immer guten Defensive Line, einem Waffenarsenal mit Upside und der Stabilität, die Sean McDermott der Defense gibt, sollten die Playoffs trotzdem wieder das Mindestziel sein.
Haason Reddick, Fletcher Cox und allen voran Jason Kelce waren wichtige Säulen der Eagles - dieser Kader ist aber auch zum Start in die kommende Saison glänzend besetzt. Dabei muss man die Standard-Eagles-Einschätzung vielleicht ein wenig anpassen. Denn so lange war das ein Team, das sich über seine Stärken an der Line of Scrimmage auf beiden Seiten des Balls definierte. Und hier gibt es angesichts der Abgänge ungewohnte Unsicherheit.
In der Defensive Line hat sich Jalen Carter bereits etabliert - von Jordan Davis und Milton Williams daneben kann man das noch nicht behaupten. Und wie schlägt sich Bryce Huff in einer größeren Rolle? Kann er die Lücke schließen, die der Reddick-Abgang hinterlässt? Bekommen die Eagles im zweiten Jahr mehr von Nolan Smith? Es ist eine junge Defensive Line mit Upside, aber auch mit weniger Gewissheit.
Ähnlich sieht es in der Offensive Line aus, zumindest innen. Landon Dickerson ist gesetzt, Cam Jurgens rückt als designierter Kelce-Nachfolger jetzt auf den Center-Spot. Right Guard ist ein Fragezeichen, hier hat Ex-Jets-Top-Pick Mekhi Becton eine legitime Chance auf den Startplatz.
Im Gegenzug aber könnte Philadelphia mit den Neuzugängen Saquon Barkley und Jahan Dotson hinter A.J. Brown, DeVonta Smith und Dallas Goedert eine der zwei, drei besten Skill-Position-Gruppen in der NFL haben. Und in der Defense wurde die Secondary generalüberholt, ein dringend notwendiger Schritt. Die Coordinator-Verpflichtungen auf beiden Seiten des Balls sollten indes massive Upgrades darstellen.

Die Packers sind immer noch ein junges Team, insbesondere in der Offense - während die Defense in Jahr 1 eines schematischen Neustarts steht. In gewisser Weise stecken die Packers also insgesamt noch in den Kinderschuhen.
Gleichzeitig ist das Potenzial enorm, und aufbauend auf dem, was Jordan Love und die Offense im Laufe der vergangenen Saison gezeigt haben, auch die Erwartungshaltung.
Love hatte eine sensationelle zweite Saisonhälfte, nachdem sowohl er, als auch die jungen Receiver sich besser in der Offense zurechtgefunden haben. Hier haben die Packers viele Schultern, auf denen sie die Last verteilen können, und auch verschiedene Receiver für verschiedene Matchups. Die große Frage lautet, ob sich einer als Nummer 1 entpuppt, oder ob die Packers schlicht keinen wirklichen Nummer-1-Receiver haben werden.
Die Tight Ends könnten ebenfalls einen Schritt im zweiten Jahr machen, Josh Jacobs sollte Aaron Jones gut ersetzen können und die Offensive Line hat mit Erstrunden-Pick Jordan Morgan ein Upgrade bekommen. Green Bay hat das Potenzial, eine Top-5-Offense zu stellen.
Top-10-Potenzial hat die Defense seit einigen Jahren auch. Kein Wunder, sind hier doch über Jahre die Top-Picks rein geflossen: Rashan Gary, Kenny Clark, Quay Walker, Eric Stokes, Jaire Alexander, Devonte Wyatt, Lukas Van Ness - es werden sieben eigens gepickte First Rounder dieses Jahr für die Packers starten oder relevante Snaps spielen. Und mit Xavier McKinney kam auch der teuerste Free-Agency-Neuzugang dieses Jahr für die Defense. Jetzt liegt es am neuen Defensive Coordinator Jeff Hafley, daraus endlich auch eine schlagkräftige Truppe zu formen.
Beim Versuch der Lions, den Playoff-Run aus dem Vorjahr zu wiederholen, stellen sich für mich zwei Fragen: Die Secondary wurde so intensiv adressiert - sind hier genug Treffer dabei, um die Defense wirklich umzukrempeln? Und: Hat Detroit genug Qualität auf Outside-Receiver, um offensiv das Vorjahres-Level zu halten und dann noch einen Schritt nach vorne zu machen?
Ersteres halte ich für absolut denkbar. Letzteres ist ein viel größeres Fragezeichen. Josh Reynolds ist kein Superstar, aber er war ein sehr nützlicher Spieler für Detroits Offense. Vor allem aber war er der beste Outside Receiver dieser Offense. Reynolds ist weg, und Detroit hat nichts auf Outside Receiver gemacht, sprich: Alle Hoffnungen ruhen auf Jameson Williams, und darauf, dass er in seiner dritten Saison nicht nur einen Breakout haben, sondern auch eine vielseitigere Rolle als den reinen vertikalen Receiver spielen kann.
Das kann funktionieren, aber es ist ein Risiko für ein Team mit diesen Ambitionen. Die Baseline ist dabei keineswegs in Gefahr, die Offensive Line könnte sehr gut die beste Line in der NFL sein, und mit Amon-Ra St. Brown, Sam LaPorta und Jahmyr Gibbs hat Detroit eines der besten Underneath-Waffenarsenale in der NFL. Dazu kommt eine verbesserte Front und eben die Möglichkeit, dank der stärkeren Secondary, aggressiver in Coverage zu agieren.
Nach einer verlorenen Vorsaison ist die Bengals-Offense wieder bereit, um anzugreifen. Mit Joe Burrow zurück bei 100 Prozent, mit einer verbesserten Offensive Line, mehr Upside auf dem Nummer-3-Receiver-Spot und auf Tight End.
Es wird voraussichtlich das letzte Jahr mit Ja’Marr Chase und Tee Higgins gemeinsam auf dem Platz sein, und es gilt, das Maximum rauszuholen. Vielleicht ja auch mit einigen offensiven schematischen Anpassungen, nachdem die Offense mit Backup Jake Browning mehr in einer Under-Center-Play-Action-Herangehensweise letztes Jahr durchaus gute Phasen hatte.
Teil der Herausforderung für die Offense könnte sein, dass Cincinnati häufig viele Punkte brauchen wird, um Spiele zu gewinnen. Denn die Defense kommt mit einigen Baustellen daher: Cornerback hat einige Fragezeichen, ganz besonders aber die Interior Defensive Line und insgesamt die Defensive Line außerhalb von Trey Hendrickson wird womöglich das ganze Jahr über eine problematische Schwachstelle sein. Immerhin Safety sollte stabiler sein als zuletzt.
Die Texans sind bereit, in der starken AFC ganz oben mitzuspielen. Houston geht mit dem besten Receiver-Trio in der NFL an den Start, nachdem man zu Vorjahres-Breakout-Receiver Nico Collins und Rookie-Überraschung Tank Dell in der Offseason noch Stefon Diggs hinzufügen konnte. Gemeinsam mit Dalton Schultz und Joe Mixon im Backfield steht C.J. Stroud ein exzellentes Waffenarsenal zur Verfügung.
Die Offensive Line sollte allein mit weniger Verletzungspech stabiler sein, wobei abzuwarten bleibt, wie gut sie selbst in Bestbesetzung sein kann. Houston sollte sich so oder so im Run Game weniger stur auf die Line stützen, und die Offense gezielt noch mehr in Strouds Hände legen.
Wenn Houstons Offense das sein kann, was auf dem Papier möglich scheint, könnte das Edge-Duo bestehend aus Will Anderson und Neuzugang Danielle Hunter sehr effizient auf Quarterback-Jagd gehen. Die Secondary ist auf mehreren Spots jung, aber äußerst vielversprechend. Stingley kommt aus seiner bis dato besten Saison, Rookie Kamari Lassiter könnte auf der anderen Seite direkt starten.
Auch die Linebacker-Gruppe ist stärker als letztes Jahr, Azeez Al-Shaair kennt DeMeco Ryans’ Defense aus San Francisco und sollte direkt für mehr Stabilität sorgen. Die wird vermutlich auch notwendig sein, sollte die Interior Defensive Line nicht merklich überraschen.

Wie schwer wiegt der Aderlass, den die Ravens in dieser Offseason über sich ergehen lassen mussten? Top-Edge-Rusher Jadeveon Clowney, Defensive Coordinator Mike Macdonald, mehrere defensive Position Coaches, Patrick Queen, Geno Stone, dazu drei Starting-Offensive-Linemen, Odell Beckham: Selbst für ein Team wie Baltimore, das vorausplant und meist smart in seinem Roster Building auftritt, sind das viele neue Baustellen.
Natürlich haben die Ravens klare Fixpunkte. Der amtierende MVP Lamar Jackson, Mark Andrews, der letztes Jahr lange ausfiel, Zay Flowers, Derrick Henry, Justin Madubuike, Roquan Smith und die vielleicht beste Secondary in der NFL - das ist ein äußerst starkes Fundament.
In erster Linie geht es darum, zu sehen, wie gut die Abgänge aufgefangen werden. Kann Zweitrunden-Pick Roger Rosengarten direkt auf Right Tackle überzeugen? Haben die Ravens genug Qualität auf den beiden Guard-Spots? Ist die Receiver-Tiefe stark genug? Und kommt genug vom Pass-Rush, der letztes Jahr maßgeblich von Clowney getragen wurde?
Das sind legitime Fragezeichen, auch wenn die Ravens oft gezeigt haben, dass sie insbesondere in der Offensive Line und im Pass-Rush gute Lösungen finden. Aber der Kern, die Fixpunkte, die machen Baltimore auch dieses Jahr wieder zu einem gefährlichen Team.
Mit Blick auf den Kader muss man San Francisco ohne Frage weiterhin in die absolute Spitzengruppe packen. Der Kern dieses Teams ist weiterhin gespickt mit Superstars, von Nick Bosa über Fred Warner, Charvarious Ward, Trent Williams, Christian McCaffrey und George Kittle, bis hin zu Deebo Samuel und natürlich Brandon Aiyuk, dessen monatelange Vertrags-Hängepartie endlich beendet wurde.
Die Role Player sind ebenfalls gut, und mit der Rückkehr von Talanoa Hufanga könnte auch Ji’Ayir Brown daneben im zweiten Jahr einen Sprung machen.
Die größte Frage bei den Niners liegt weniger in der Qualität der Spieler, und mehr in der mentalen Frage: Nach all den Niederlagen der letzten Jahre im NFC Championship Game und im Super Bowl - an welchem Punkt fordert das einen spürbaren mentalen Preis? Seit 2019 hat San Francisco in fünf Jahren zwei Mal im Championship Game und zwei Mal im Super Bowl verloren. Und mit Blick auf das Alter und die Cap-Situation des Teams könnte 2024 die letzte große Chance sein, ehe spürbare Veränderungen oder ein Qualitätsabfall kommen. Das sorgt nicht gerade für weniger Druck.
Für die Regular Season ist diese Komponente vielleicht noch ein wenig vernachlässigbar. Hier würde ich eher fragen: Braucht die Offense nach der turbulenten Offseason eine kleine Anlaufphase? Wie schwer wiegt der Verlust von Dre Greenlaw? Und wie schnell findet sich die Defensive Line, die außerhalb von Bosa und Hargrave einmal komplett ausgetauscht wurde?
Der Floor für San Francisco ist nach wie vor extrem hoch. Aber für die Niners geht es seit fünf Jahren nicht um den Floor, sondern um den letzten Schritt.
Es ist absolut fair, wenn man der Chiefs-Defense im Vergleich zum Vorjahr einen Rückschritt attestiert. L’Jarius Sneed war ein elementarer Teil einer der besten Defenses des Vorjahres, und Kansas City muss mit seiner Vielzahl an jungen Cornerbacks erst zeigen, dass sie zwei gute Starter neben Trent McDuffie ins Rennen schicken können.
In der Front ist Chris Jones weiterhin Dreh- und Angelpunkt, die Edge-Gruppe könnte besser sein als letztes Jahr - sofern sie von Felix Anudike-Uzomah mehr bekommt. Umso wichtiger, da sich Charles Omenihu noch von seinem im AFC Championship Game erlittenen Kreuzbandriss zurückarbeitet.
Gleichzeitig erwarte ich mehr von der Offense. Mehr von der Offensive Line, die letztes Jahr in der Regular Season nicht die Erwartungen erfüllte. Mehr von den Pass-Catchern; hier hat der Titelverteidiger mit Xavier Worthy und Marquise Brown nicht nur mehr Speed, sondern auch mehr generelle Dynamik in die Offense bekommen. Das sollte auch Patrick Mahomes die Arbeit wieder erleichtern, um nicht ganz so Kurzpass-lastig agieren zu müssen.
Es wird spannend sein zu sehen, inwieweit Travis Kelce in der Regular Season wieder dosiert eingesetzt wird. Gerade mit den beiden neuen Receivern an Board. Aber trotz einzelner Fragezeichen geht Kansas City als Favorit mit der Chance auf den historischen Three-Peat in die Saison.
Adrian Franke