30.10.2024
NFL Power Ranking nach Woche 8
Die Saison marschiert mit großen Schritten Richtung Halbzeitmarke - Zeit für das nächste Zwischenfazit. kicker-Experte Adrian Franke sortiert zum zweiten Mal in dieser Saison alle 32 Teams im NFL Power Ranking nach Woche 8.

Ranking nach Woche 4: 28
Zurück auf dem Platz des trostlosesten Teams in der NFL - so lassen sich die letzten Wochen in Carolina zusammenfassen.
Nach einem kleinen Boost durch das, was Andy Dalton der Offense geben konnte, war die Niederlage gegen Washington mit Marcus Mariota ein weiterer Tiefpunkt. Und dabei ist die Offense im internen Vergleich noch fast das geringere Problem. Die Defense wirkt schlichtweg nicht kompetitiv. Ohne Derrick Brown, ohne Shaq Thompson, derzeit ohne Jadeveon Clowney - hier sind auch die letzten Stabilisatoren weggebrochen. Und selbst mit den dreien wäre hier vermutlich nicht viel herauszuholen.
Ich halte es für denkbar, dass wir Bryce Young, der am Sonntag für Andy Dalton gegen Denver einsprang, auch im weiteren Saisonverlauf noch sehen. Ob das letztlich wirklich relevant ist, das ist eine andere Frage. Immerhin: Die Line hat eine positive Entwicklung gezeigt dieses Jahr. Wer auch immer hier nächstes Jahr Quarterback spielt, muss nicht bei Null anfangen. Auf Receiver dagegen stehen nach dem Trade von Diontae Johnson nach Baltimore wieder größere Fragezeichen.
Es gibt derzeit kaum ein Team, das einer derart ungewissen Zukunft entgegensteuert.
Ranking nach Woche 4: 27
Die Erkenntnis in Tennessee kam dann doch schnell: Will Levis hatte knapp über 150 Dropbacks in dieser Saison, da entschieden sich die Verantwortlichen, dieses Experiment zu beenden. Oder zumindest entschieden sie, dass ihr All-In-Ansatz aus der Offseason nicht mehr angebracht war.
Ob das jetzt eine vorschnelle oder eine gerechtfertigte Einschätzung war, darüber kann man diskutieren. Mehr aber noch kann man darüber diskutieren, inwieweit sie die Offseason überhaupt so kurzfristig gedacht hätten angehen sollen, wenn sie dann noch vor der Saisonmitte bereit waren, unter anderem DeAndre Hopkins abzugeben.
Dass das Zwischenfazit so ausfällt, ist zumindest nachvollziehbar. Levis hat nicht viel Grund für Optimismus gegeben, und die Saison insgesamt läuft nicht so, wie erhofft. Das betrifft auch die Außendarstellung, wenn man einige der öffentlichen Aussagen von Head Coach Brian Callahan oder auch von Calvin Ridley hört.
Die rechte Seite der Offensive Line ist noch immer problematisch, der Pass-Rush ist nicht auf dem erhofften Level, trotz einer guten Rookie-Saison von T’Vondre Sweat. Auch Rookie-Kollege Jarvis Brownlee hat sich schnell etabliert. Doch die großen Offseason-Verpflichtungen Ridley und L’Jarius Sneed bleiben bislang hinter den Erwartungen zurück, gegen die Lions kollabierte zuletzt das Special Team. Es liegt einiges im Argen in Nashville und eine One-and-Done-Saison für Callahan halte ich nicht mehr für ausgeschlossen.
Ranking nach Woche 4: 31
Nach dem überraschend guten Start in die Saison sind die Patriots nun doch dort angekommen, wo die meisten sie im Sommer vermutet hatten. In Teilen sogar noch schlechter als das, denn die im Vorjahr noch zähe Defense wird bislang den Erwartungen nicht wirklich gerecht.
Offensiv dagegen waren alle Bedenken gerechtfertigt. Die Offensive Line ist die erwartet große Schwachstelle, und nach mehreren Verletzungen umso mehr. Auch die Receiver sind wenig verlässlich, genau wie das Play-Calling. Es gibt einzelne positive Momente, aber viel mehr auch nicht.
Immerhin: Drake Maye schließlich doch nach fünf Wochen mit Jacoby Brissett rein zu werfen, hat nicht die Offense auf Knopfdruck repariert - das konnte auch niemand erwarten -, aber es hat der Offense zumindest eine Chance gegeben. Maye spielt im Kontext der Umstände gut, und ihn für den Rest des Jahres zu sehen ist mit Abstand der interessanteste, der relevanteste und gleichermaßen der am ehesten ermutigende Part für die übrige Patriots-Saison.
Ranking nach Woche 4: 29
Der Ausverkauf hat begonnen, Davante Adams abzugeben war ein logischer Schritt mit Blick darauf, wo die Raiders derzeit stehen. Die Frage lautet eher: Sollten noch weitere Moves folgen? Insbesondere mit Blick auf Maxx Crosby, der zwar das Herzstück dieses Teams ist und auch noch einige gute Jahre haben sollte, der gleichzeitig aber auch der mit Abstand wertvollste Trade-Kandidat wäre, den die Raiders haben.
Unabhängig davon, wie sich die Raiders hier entscheiden: Der Umbruch muss jetzt endlich kommen. Der Plan, mit einer starken Defense und einer Run-first-Offense dieses Jahr kompetitiv zu sein, ist bereits jetzt gescheitert und durch die Verletzung von Aidan O’Connell ist Las Vegas auch wieder bei Gardner Minshew angekommen.
Vielleicht können die Raiders im Laufe der Saison noch etwas mehr Stabilität auf der defensiven Seite finden. Und die Rookie-Saison von Tight End Brock Bowers macht viel Hoffnung. Das sind die positiven Punkte der bisherigen Raiders-Saison.

Ranking nach Woche 4: 16
Die Euphorie der ersten Wochen der Saison ist gefühlt Jahre her. Seitdem hat sich Derek Carr verletzt, genau wie Chris Olave und Rashid Shaheed. Die Interior Offensive Line besteht aus Backups, und während gegnerische Defenses schon ab Woche 3 merklich eher einen Zugriff auf die Saints-Offense gefunden haben, wirkt die Saints-Defense wie eine Unit, die ohne Energie auf dem Platz steht.
Es ist eine langsame Defense, die an der Line of Scrimmage verliert und in der Secondary nicht mehr die dominante Coverage-Unit vergangener Jahre aufs Feld bringt.
Statt zur Saisonmitte über einen möglichen Division-Titel zu sprechen, lautet das Thema in New Orleans: Wie kann der lange überfällige Rebuild endlich gezielt eingeleitet werden? Immerhin: Die Saints könnten diesen Umbruch trotz des furiosen Saisonstarts mit einem Top-5-Pick starten.
Ranking nach Woche 4: 25
Es scheint relativ klar zu sein, worauf diese Giants-Saison hinsteuert. Das ist ein Team, das vielleicht eine der besten Draft-Klassen aus dem vergangenen Jahr an den Start bringt - aber das, erst recht nach der Verletzung von Andrew Thomas, noch immer keine ausreichend stabile Offensive Line und vor allem keine langfristige Quarterback-Antwort hat.
Und insbesondere auf Letzterem wird der Fokus der kommenden Offseason liegen. Daniel Jones spielt wie der Borderline-Top-20-Quarterback, der er ist, und jeder weiß, dass er nicht die Antwort in New York ist. Mit Nabers, Thomas, Dexter Lawrence, Dru Phillips, Brian Burns, Tyler Nubin und Wan’Dale Robinson steht das rudimentäre Gerüst für die nächsten Jahre. Aber es ist auch klar, dass dieses Team in Teilen noch immer einen Rebuild braucht.
Und auch Brian Daboll und GM Joe Schoen sollten sich nicht zu sicher fühlen. Zwar verkündete Teambesitzer John Mara letzte Woche, dass er Veränderungen auf dem Head-Coach- oder dem GM-Posten nicht erwartet, doch wir alle wissen, wie schnell diese Dinge laufen können. Beide sollten sich achtbar aus der Affäre dieser Saison ziehen, um dann die Chance zu haben, einen neuen Quarterback an Land zu ziehen.
Ranking nach Woche 4: 30
Die Verletzung von Deshaun Watson stellt eine Zäsur dar. Gut möglich, dass wir Watson nie wieder in einem Browns-Trikot sehen. Die Browns waren bis zuletzt nicht gewillt, Watson auf die Bank zu setzen und nach dem, was wir dieses Jahr gesehen haben, muss man davon ausgehen, dass das auch im weiteren Saisonverlauf nicht passiert wäre.
Wie geht es jetzt weiter? Die Baustellen in Cleveland sind größer als nur das, was auf der Quarterback-Position los war. Die Offensive Line war bislang - auch verletzungsbedingt - eine unerwartet große Baustelle, von Amari Cooper hat man sich bereits getrennt und auch schematisch muss sich Cleveland für die Zeit ohne - oder nach? - Deshaun Watson neu erfinden.
Gleichzeitig war es beeindruckend, zu sehen, wie diese Offense im ersten Spiel mit Jameis Winston explodierte. Winston hatte ohne Frage mehrfach Interception-Glück beim überraschenden Sieg gegen die Ravens, doch wie er die Pocket managte, wie er Passfenster attackierte, die Watson liegen ließ, wie er die Play Action Konzepte umsetzte - all das war ausgesprochen positiv. Und es unterstrich, dass eben doch ein Potenzial in dieser Offense steckt, das Watson nie abrufen konnte.
Offen ist die Frage danach, wie schnell ein Übergang jetzt eingeleitet werden soll. Für den Rest der Saison haben die Browns einen Floor, wenn Winston so weiter macht und die Defense weiter zumindest gut spielt. Auf der Seite des Balls ist Cleveland längst nicht so dominant wie letztes Jahr, kann aber Offenses noch immer Probleme bereiten.
Ranking nach Woche 4: 26
Der kleine positive Hauch nach dem Spiel gegen die Patriots in London ist nach der Niederlage gegen die Packers auch schon wieder verflogen. Nicht nur, dass man es nicht schaffte, die Packers selbst mit Malik Willis zu bezwingen - Jacksonville verlor verletzungsbedingt Rookie-Receiver Brian Thomas zumindest kurzfristig, sowie Receiver Christian Kirk für den Rest der Saison.
Die Offense ist auch dieses Jahr wieder frustrierend, vom inkonstanten Run Game über die Accuracy-Probleme von Trevor Lawrence bis hin zu den Drops der Receivern. Die Defense allerdings ist schlichtweg schlecht.
Hier spielen die Stars nicht auf ihrem gewohnten Level, der Man-heavy Ansatz funktioniert so gar nicht und nach Expected Points Added pro Play ist die Jaguars-Defense auf dem letzten Platz angekommen.
Ich gehe weiter stark davon aus, dass es in Jacksonville nach der Saison einen größeren Umbruch geben wird.
Ranking nach Woche 4: 21
Die Defensive der Colts hat sich ganz klar stabilisiert. Indianapolis war nach den ersten Wochen der Saison auf Kurs, eine historisch schlechte Run-Defense zu stellen und das ist längst nicht mehr der Fall. Diese Verbesserung fand sogar ohne DeForest Buckner statt, der seit der vergangenen Woche wieder mit an Bord ist.
In der Offense ist es noch immer schwierig, handfeste Trends auszumachen. Es steht außer Frage, dass die Offense in den Spielen mit Joe Flacco mehr Sicherheit und einen konstanteren Floor hatte. Flacco verteilt den Ball präziser Underneath, er spielt on-time innerhalb der Struktur und dann in diesen Spielen sah man auch, was für ein Faktor Josh Downs für diese Offense sein kann.
Anthony Richardson kann der Offense diese Stabilität bislang nicht geben. Snap-technisch befindet er sich quasi noch in seiner Rookie-Saison, insofern ist Geduld noch immer angebracht. Gleichzeitig zeigt er bislang kaum Fortschritte verglichen mit letztem Jahr, das ist der besorgniserregende Part. Ihn jetzt zu benchen halte ich trotzdem für den falschen Schritt, denn: Kein Quarterback braucht die Spielpraxis dringender als er.

Ranking nach Woche 4: 32
Dass die Dolphins einen Sprung machen würden, wenn Quarterback Tua Tagovailoa wieder zurückkehrt, war klar. Auch wenn man hier nochmals betonen muss, dass die Probleme insbesondere mit der Offensive Line früh in der Saison auch mit Tua sehr deutlich sichtbar waren. Auch da limitierten sie die Offense merklich.
Ohne Tua waren die Dolphins vier Wochen lang ein wenig auf Eis gelegt. Drei der vier Spiele gingen verloren, einzig die Patriots konnte man schlagen. Gleichzeitig war in dieser Phase war sichtbar, dass die Defense langsam aber sicher besser in der Saison kam. Obwohl es auch hier in Person von Jaelan Phillips einen schmerzhaften Verlust gab.
Für die weitere Saison ist jetzt die Frage, ob Miami sich ein zu tiefes Loch gegraben hat. Am Sonntag geht es nach Buffalo, und eine Niederlage bei den Bills würde alle Playoff-Träume fast schon begraben.
Das Comeback von Tua Tagovailoa gegen Arizona gab dennoch ein wenig Grund zur Hoffnung. Das schnelle, präzise Timing-Passspiel war sofort wieder zu sehen, die Offense lief direkt wieder deutlich runder. Und das gibt Miami zumindest die Chance, auf der Seite des Balls wieder Spiele zu gewinnen. Insbesondere dann, wenn die Defense ihren Aufwärtstrend bestätigen kann. Aber wofür ist das gut, sollte man in vier Tagen bereits Niederlage Nummer sechs kassieren?
Ranking nach Woche 4: 15
Ich hatte über die Cowboys bereits vor einigen Wochen geschrieben, mit Hinweis darauf, dass sie sich zunehmend dort befinden, wo Jerry Jones nie sein will: in der Bedeutungslosigkeit.
Und es wäre im Fall der Cowboys immer noch Bedeutungslosigkeit mit Niveau, aber der Tenor bleibt gleich. Dieses Team fühlt sich wie ein 8-9-, oder 9-8-, oder bestenfalls 10-7-Team an, das, wenn überhaupt, eine Randnotiz in den Playoffs darstellt.
Letzteres waren die Cowboys in den vergangenen Jahren auch, dort aber zumindest nach einer überzeugenden Regular Season. Davon sind wir aktuell weit entfernt, mit einem schwachen Run Game, einer inkonstanten Offensive Line und vor allem einer - zugegebenermaßen angeschlagenen - Defense, die viel zu viel zulässt.
Prescott spielt eine solide Saison, doch die Cowboys brauchen ihn jede Woche in absoluter Bestform, um eine Chance zu haben. Das ist viel verlangt, insbesondere angesichts des Waffenarsenals außerhalb von CeeDee Lamb. Und dieser Druck führt auch eher zu noch mehr Risiko und mehr Fehlern.
Ranking nach Woche 4: 24
Wir wissen nach der ersten Saisonhälfte relativ gut, was für ein Team die Broncos sind.
Es ist ein Team, dessen Defense eine der positiven Überraschungen dieser Saison ist. Die Front ist überraschend stark, angeführt von Zach Allen, der eine echte Breakout-Saison spielt. Das in Kombination mit der Aggressivität von Vance Joseph, Nummer-1-Elite-Corner Patrick Surtain sowie einer insgesamt unerwartet guten Secondary gibt diesem Team den Floor. Denver hat die Entwicklung aus der zweiten Saisonhälfte letztes Jahr fortgesetzt und stellt dieses Jahr eine der besten Defenses.
Diese Defense ist auch der Hauptgrund dafür, dass die Broncos im Wildcard-Rennen eine Chance haben. Die Offense ist der Komplementär-Part dazu, mit der wöchentlichen Aufgabe, "genug" zu machen.
Das klappt insbesondere dann, wenn das Run Game glänzt. Aber das stößt schnell an Grenzen, wenn es gegen gute Teams geht. Fair ist aber auch: Bo Nix zeigt vereinzelte Fortschritte, und solange Denver ihn in sauberen Pockets und guten Game Scripts hält, kann er der Ballverteiler sein, damit die Offense "genug" macht.
Wir benötigen Ihre Zustimmung, um den X-Service zu laden!
Wir verwenden X, um Inhalte einzubetten. Dieser Service kann Daten zu Ihren Aktivitäten sammeln. Bitte lesen Sie die Details durch und stimmen Sie der Nutzung des Service zu, um diese Inhalte anzuzeigen.
Ranking nach Woche 4: 10
Rechnerisch ist diese Saison natürlich noch nicht vorbei, aber der Spielraum für Fehler ist minimal. Und die Jets fühlen sich nicht wie ein Team an, das einen weiteren Tiefschlag als Team geschlossen gut wegstecken würde.
Und mehrere Register wurden ja auch schon gezogen. Die Entlassung von Robert Saleh, das Austauschen des offensiven Play-Callers, der Trade für Davante Adams, das späte Beenden der Haason-Reddick-Situation. Was wir festhalten können, ist, dass die Entlassung von Saleh bisher so gar keinen Effekt hatte. Zumindest keinen positiven: Der Edge-Rush ist durch die Verletzung von Jermaine Johnson empfindlich geschwächt, dennoch spielte die Defense zuletzt unter ihren Möglichkeiten.
Und die Offense hat sich gesteigert, wirkt aber dennoch nur phasenweise on-point. Wenn Rodgers schnell den Ball verteilt und präzise die Mitte des Feldes attackiert, dann bewegen die Jets den Ball effizient. Ansonsten fehlt häufig der Floor, und das obwohl die Investitionen in die Line bisher weitestgehend funktionieren.
So steht die Frage im Raum, ob man die Edge-Situation in der Offseason nicht ganz anders hätte angehen müssen. Ob man einen anderen Play-Caller im Frühjahr hätte installieren müssen. Ob man den Adams-Trade schon früher hätte machen müssen. Ob die Saleh-Entlassung nicht ein voreiliger Fehler war.
Vielleicht bekommen die Jets einen Lauf in der zweiten Saisonhälfte. Die notwendige Konstanz dafür haben sie bisher nicht gezeigt.

Ranking nach Woche 4: 11
Was ist in dieser Saison realistisch noch drin für die Bengals? Der Record ist der eine Punkt und ich würde es noch immer nicht ausschließen, dass Cincinnati es irgendwie noch in die Playoffs schafft.
Aber fast mehr noch zielt die Frage darauf ab, inwieweit Cincinnati die eigenen Probleme in den Griff bekommt. Denn da wäre die Defense, die extrem anfällig ist, die regelmäßig die Line of Scrimmage verliert und dann viel Druck auf die Secondary ausgeübt wird. Der Pass-Rush ist kaum existent, die Run-Defense selbst mit voller Box anfällig.
Da wäre die Offensive Line, die kein Desaster, aber noch immer inkonstant ist. Und natürlich das offensive Scheme. Burrow ist ein exzellenter Ballverteiler aus der Shotgun, so will er auch spielen und mit Ja’Marr Chase und Tee Higgins hat er die Waffen dafür. Doch den schematischen Floor, den wir letztes Jahr mit Jake Browning gesehen haben, vermisse ich weitestgehend komplett dieses Jahr.
Das macht es für Cincinnati schwer, einen Plan B zu entwerfen. Etwas, auf das man zurückfallen kann. Und es erschwert den offensiven Floor, während man gleichzeitig eine schwache Defense mitschleppen muss.
Ranking nach Woche 4: 9
Seahawks-Fans werden wahrscheinlich über weite Teile dieser Regular Season darüber diskutieren können, ob es ein Rebuild-Start, ein Übergangsjahr oder eine Saison ist, in der man eine Rolle in den NFC-Playoffs spielen kann. Denn das Team liefert je nach Woche und Tagesform Argumente für jede dieser Interpretationen. Bestes Beispiel waren die letzten beiden Wochen: Ein überzeugender Sieg in Atlanta, nur um eine Woche später zuhause von den Bill überdeutlich die Grenzen aufgezeigt zu bekommen.
Umso wichtiger ist es, den Fokus auf die - soweit man von so etwas überhaupt sprechen kann - handfesten Erkenntnisse zu richten. Zum Beispiel die Erkenntnis, dass man in Geno Smith einen Quarterback für die nächsten Jahre hat. Die Erkenntnis, dass Jaxon Smith-Njigba die Nummer 2 in der Offense sein kann. Die Erkenntnis, dass die Offensive Line weiter Arbeit braucht, auch wenn Verletzungen hier Teil der Geschichte sind. Die Erkenntnis, dass Offensive Coordinator Ryan Grubb nach wie vor eine bessere Balance für seine Offense finden muss.
Mehr Stabilität in der rechten Seite der Offensive Line, eine gesunde Defensive Line mit noch mehr Qualität gegen den Run, besseres Linebacker-Play - die To-Do-Liste für die Offseason sollte relativ klar sein. Und dann ist Seattle vielleicht gar nicht so weit davon entfernt, ein ernsthaftes Playoff-Team zu sein, wie es am vergangenen Sonntag den Anschein hatte.
Ranking nach Woche 4: 14
Der Verlust von Chris Godwin tut extrem weh. Godwin hatte bis dato eine Top-5-Receiver-Saison gespielt und war der Motor dieser Offense. Mike Evans wird erst nach der Bye Week zurückkehren, er wird jetzt wieder eine größere Rolle einnehmen müssen und womöglich muss die Offense dann wieder vertikaler aufgezogen werden.
Die gute Nachricht ist, dass die Line sich zunehmend stabilisiert hat, und auch das Backfield sortiert sich mehr und mehr, zum Vorteil der Offense. Tampas Run Game ist deutlich besser, als in der vergangenen Saison und Liam Coen ist bislang ein sehr guter offensiver Play-Caller.
Doch so sehr Godwin fehlt, und so sehr das die weitere Prognose für das Passing Game erschwert - die Baustellen in der Defense sind größer. Insbesondere die Coverage ist problematisch, und das nicht erst seit der Verletzung von Jamel Dean. In mehreren Spielen wurden der Zone Coverage der Bucs deutliche Grenzen aufgezeigt.
Immerhin: Genau wie in der Offense mit der Line und mit dem Backfield gibt es auch in der Defense Lichtblicke. Neben den etablierten Säulen würde ich hier vor allem Yaya Diaby als besten Pass-Rusher des Teams, sowie Rookie-Slot-Corner Tykee Smith hervorheben.
Ranking nach Woche 4: 19
Die Bears-Defense in Bestbesetzung ist eine der besten Defenses in der NFL. Sie haben keinen dominanten Pass-Rush, aber genügend Floor hier, um dann mit ihrer starken Secondary Offenses vor große Probleme zu stellen. Es ist beeindruckend, zu sehen, was Chicago hier aufgebaut hat - und hier ist absolut noch Potenzial da, denn gerade in der Secondary sind die Bears sehr jung.
Offensiv ist die Line nach wie vor ein Sorgenkind, jetzt umso mehr durch die Verletzung von Left Tackle Braxton Jones, der aber wohl Glück im Unglück hatte und nur kurzfristig ausfallen soll. Stabil sind die Bears hier so oder so noch nicht.
Caleb Williams hatte am Sonntag gegen Washington über drei Viertel sein schwächstes Saisonspiel seit dem Auftakt, zeigte dann aber einmal mehr, was in ihm steckt. Als Ballverteiler, mit seiner starken Receiver-Gruppe, wird er jetzt noch mehr für den Floor sorgen müssen, sollte durch die angeschlagene Line auch das Run Game wackeln. Wir sehen die positiven Trends in Chicago auf beiden Seiten des Balls, und gleichzeitig sehen wir auch, dass der Kader noch eine starke Offseason braucht.
Ranking nach Woche 4: 18
So frustrierend Niederlagen wie die gegen Arizona letzte Woche auch sind, darf man im Kontext dieser Spiele nicht vergessen, wo die Chargers in ihrem Roster Building stehen: In vielen Bereichen am Anfang. Nirgends ist das zutreffender, als bei den Wide Receivern und die Defizite hier sind schon das ganze Jahr über deutlich sichtbar. Greg Romans Passing Game hilft dabei ebenfalls nicht.
Dass die Chargers dennoch bereits einen gewissen Floor haben, liegt einerseits an Justin Herbert, der zunehmend in der Saison ankommt. Nach einem wackeligen Saisonstart war Herbert über die letzten Wochen wieder exzellent.
Es liegt aber auch an der Defense, die bislang die Erwartungen deutlich übertrifft. Khalil Mack kann an seine starke Vorsaison anknüpfen und die Chargers spielen auf der Seite des Balls mit Physis und Speed.
Offensiv soll das Run Game die Basis für alles sein. Doch trotz einer verbesserten Line fehlt hier noch die Konstanz. Nach Wide Receiver ist die Interior Offensive Line immer noch die größte offensive Baustelle.
Ranking nach Woche 4: 23
Was für einen Unterschied so eine Woche doch machen kann! Vor dem Thursday Night Game gegen die Vikings kursierten lautstarke Trade-Gerüchte rund um Cooper Kupp, die Saison der Rams schien auf bestem Wege, im Sande zu verlaufen.
Dann kam Kupp gegen Minnesota zurück. Und Puka Nacua kam überraschend schnell von seiner Verletzung zurück. Und plötzlich sah die Offense doch wieder so aus, wie wir uns diese Offseason in der Offseason vorgestellt hatte: Mit einem guten Run Game, einem präzisen Matt Stafford und Receivern, die ihre Matchups gewinnen und Räume in der Zone Coverage finden. Es ist ein Unterschied wie Tag und Nacht, wenn Stafford, Nacua und Kupp plötzlich wieder gemeinsam auf dem Platz stehen.
Die Verletzungen in der ersten Saisonhälfte waren extrem. Auch die Line, die eigentlich eine Stärke hätte sein sollen, wurde durch viele Ausfälle zu einer Schwachstelle. Doch vielleicht war dieses Spiel gegen Minnesota ein Wendepunkt?
In der Defense drückt Jared Verse dieser Saison bislang seinen Stempel auf und ist der klare Favorit auf den Defensive Rookie of the Year Award. Die Secondary allerdings ist anfälliger als erwartet. Dennoch: Ich traue diesem Team in der zweiten Saisonhälfte ein komplett anderes Gesicht zu, als das, was wir über weite Teile der bisherigen Saison von den Rams gesehen haben.

Ranking nach Woche 4: 22
Für Arizona geht es im zweiten Jahr des Rebuilds nicht in erster Linie darum, ein Playoff-Team zu sein. Ein verdienter Playoff-Platz wäre eine Art Best Case in dieser Saison, doch die erste Frage für diese Saison lautet: Gibt es merkliche Fortschritte auf beiden Seiten des Balls?
Und während die Offense immer noch eine gewisse Inkonstanz an den Tag legen kann, würde ich diese Frage zur Saisonmitte auf dieser Seite des Balls klar mit Ja beantworten. Denn man sieht nicht nur, dass Arizona hier eine klare Identität entwickelt: Die Cardinals wollen ein Heavy-Personnel-Team sein, sie wollen sich auf den Run stützen und im besten Fall aus 2- und 3-Tight-End-Sets Defenses durch die Luft attackieren.
Auch die Abläufe innerhalb der Offense wirken runder. Die Rolle von Marvin Harrison, die Offensive Line, und Kyler Murray, der in meinen Augen seine beste NFL-Saison spielt.
In geringerem Ausmaß würde ich einen ähnlichen Punkt sogar für die Defense machen. Hier merkt man umso mehr den Mangel an Talent, umso mehr, da Erstrunden-Pick Darius Robinson nach wie vor nicht fit ist. Aber auch hier sah man zuletzt eine Unit, die im Gesamtverbund schneller und physischer spielt. Die jungen Cornerbacks finden sich besser zurecht und Mack Wilson hat sich als echte Verstärkung entpuppt. Hier ist das qualitative Defizit schlicht zu groß, um weitere Sprünge zu erwarten.
Ich erwarte nicht, dass Arizona schon die Konstanz oder die offensiv verlässliche Qualität hat, um die eigene Defense mit zu ziehen, um am Ende in den Playoffs mit dabei zu sein. Den derzeitigen Trend rein leistungstechnisch in der zweiten Saisonhälfte zu bestätigen, würde diese Saison aber schon zu einem Erfolg machen.
Ranking nach Woche 4: 17
Gut möglich, dass Washington in der zweiten Saisonhälfte ein wenig die Puste ausgeht. Dass man dann doch insbesondere in der Defense den Mangel an Qualität merkt und die Offense womöglich mehr Probleme bekommt, wenn gegnerische Coaches mehr Tape für diese Version der Kingsbury-Offense haben.
Doch selbst wenn all das passieren sollte, könnte man diese Saison als enormen Erfolg verbuchen. Denn zu sehen, wie Kingsbury die Offense für Jayden Daniels öffnen konnte - und wie schnell Daniels für sich betrachtet in der NFL ankam, war extrem ermutigend für die Zukunft dieser Franchise.
Und um das klar zu sagen: Noch ist davon nichts zu sehen. Das Run Game sieht gut aus, die Line ist besser, als erwartet. Washington ist das nach wie vor ein Team, das offensiv den Ball bewegen kann, und das defensiv zumindest mit einem gewissen Level an Energie und Explosivität spielt. Ich bin gespannt, wo diese Saison für die Commanders noch hingeht.
Wir benötigen Ihre Zustimmung, um den X-Service zu laden!
Wir verwenden X, um Inhalte einzubetten. Dieser Service kann Daten zu Ihren Aktivitäten sammeln. Bitte lesen Sie die Details durch und stimmen Sie der Nutzung des Service zu, um diese Inhalte anzuzeigen.
Ranking nach Woche 4: 20
Vielleicht sind die Falcons letztlich genau das Team, das so viele im Sommer erwartet haben. Eine bestenfalls leicht unterdurchschnittliche Defense mit altbekannten Problemen in der Front - auch der Matt-Judon-Trade hat hier bislang nicht geholfen -, mit einer Offense, die an einem guten Tag Spiele gewinnt. Wie spät gegen die Eagles, gegen die Bucs und gegen Carolina.
In jedem Fall hat sich Atlanta hier stabilisiert, allen voran Kirk Cousins hat sich stabilisiert. Drake London ist nach durchwachsenem Start mehr und mehr zum Mittelpunkt der Offense geworden, Darnell Mooney spielt eine überraschend gute Saison und selbst Kyle Pitts war zuletzt mehr involviert.
Die Falcons haben noch immer eine gute Offensive Line und sollten noch mehr aus ihrem Run Game herausholen können. Nach dem Sweep über die Bucs und angesichts des Zustands der Saints und der Panthers sollte der Weg Richtung Division-Sieg auch mit den defensiven Baustellen machbar sein. Und dann lautet die Frage, ob Atlanta noch mehr defensive Sicherheit gewinnen kann.
Ranking nach Woche 4: 13
Die Eagles finden mehr und mehr eine Identität. Die Defense hatte einen holprigen Start in die Saison, präsentierte sich zuletzt aber verbessert. Insbesondere die jungen Defensive Backs werden besser.
Offensiv ist das Run Game die Basis dieses Teams. Saquon Barkley ist der eine Schlüssel, A.J. Brown der andere. Denn ich vertraue dem Passing Game nicht, wenn es einen konstanten Floor bereitstellen soll, zumindest nicht gegen gute Defenses. Aber wenn es mit Big Plays ein funktionierendes Run Game ergänzen soll? Das ist die ideale Aufgabe für Brown, Jalen Hurts und Co.
Schwierig finde ich es, anhand dieser bisherigen Erkenntnisse ein Ceiling für das Team festzulegen. Denn Philadelphia wirkt auf mich damit sehr Matchup-abhängig: Wenn die Eagles den Ball laufen können, können sie Spiele kontrollieren. Wenn Hurts Zeit in der Pocket hat, attackiert er vertikal das ganze Feld, so wie am Sonntag gegen die Bengals. Hurts hatte in dieser Partie auch sein bestes Rushing-Spiel bislang.
Die aktuelle Formel halte ich für zu anfällig, um wirklich oben mitzuspielen. Dafür müssen die positiven Trends auf beiden Seiten des Balls noch merklich weitergehen. Gleichzeitig ist die Spitze in der NFC abgesehen von Detroit bisher qualitativ nicht in unerreichbarer Ferne.

Ranking nach Woche 4: 12
Eine Elite-Defensive-Front kombiniert mit Quarterback-Diskussionen, einem (überraschend?) guten Record und Mike Tomlin, der Spiele als Underdog gewinnt - Steelers-Fans, sagt Bescheid, wenn ihr das schon einmal gehört habt.
Zugegeben, ein bisschen anders fühlt sich diese Saison schon an. Denn selbst mit Quarterback-Diskussionen bekommen die Steelers gerade ihr bestes Quarterback-Play seit Jahren. Wilson macht seine Sache bislang gut, das gibt der Offense noch mehr eine Chance, während sich die Line zunehmend stabilisiert und bald endlich weitestgehend fit sein sollte.
Vielleicht hilft das auch dem Run Game, das bislang noch überschaubar daherkommt. Umso mehr, da das die eigentliche Identität der Offense sein soll. Die Front auf der defensiven Seite des Balls dagegen wird ihrem Ruf mehr als gerecht. Highsmith ist inzwischen wieder fit, Watt spielt auf seinem gewohnten Level und Cam Heyward spielt bislang eine exzellente Saison. Die Steelers wirken gut genug, um dieses Jahr vielleicht sogar in den Playoffs ein unangenehmer Gegner zu sein.
Ranking nach Woche 4: 7
Die Texans stehen bei 6-2, sie haben gerade den Sweep über Division-Rivale Indianapolis geschafft, und das mit einer Offense, die derzeit noch ohne Star-Receiver Nico Collins auskommen muss.
An sich ein positives Halbzeit-Zwischenfazit. Doch ich vertraue diesem Team noch nicht. Beziehungsweise, genauer gesagt: Ich vertraue der Offense nicht. Denn die Defense spielt sehr gut, die Front ist sogar besser als das, was ich erwartet hatte, und dahinter haben sich mehrere junge Defensive Backs mit guten Leistungen festgespielt. Allen voran die Rookies Calen Bullock und Kamari Lassiter.
Die Offense dagegen kämpft seit Wochen mit den gleichen Problemen: Houston hat eine der schwächsten Early-Down-Offenses, die Offensive Line ist anfällig und Houston verlangt regelmäßig sehr viel von C.J. Stroud, insbesondere bei Third Down. Offensiv fehlt der Rhythmus, und während die Line sowie die Collins-Verletzung Teile der Erklärung dafür sind, muss man auch Play-Caller Bobby Slowik hier hinterfragen.
Die gute Nachricht: Houston hat noch Zeit, um hier Dinge zu verändern, und Collins zurück zu bekommen wird einige Probleme kaschieren. Gleichzeitig wird jetzt Stefon Diggs den Rest der Saison mit einem Kreuzbandriss verpassen. Um in der AFC ganz oben mitzuspielen, brauchen die Texans mehr Konstanz von ihrer Offense.
Ranking nach Woche 4: 5
Was für eine bittere Woche für die Vikings. Erst verlor man ein enges Spitzenspiel gegen die Lions, nur um dann schon am Donnerstag nach Los Angeles zu müssen, wo die Rams plötzlich wieder mit Kupp und Nacua die Vikings ebenfalls schlugen. Und schlimmer noch: Die Knieverletzung, die Left Tackle Christian Darrisaw im Spiel gegen die Rams erlitten hat, erfordert eine Operation und beendet seine Saison.
Damit muss die Line einen massiven Verlust einstecken und das könnte sich früher oder später auch auf das Spiel von Sam Darnold auswirken. Darnold erledigt seinen Job nach wie vor gut, die zentrale Frage für die weitere Vikings-Saison lautet: Wie viel mehr braucht Minnesota von ihm spezifisch, und von der Offense generell?
Denn die Spiele gegen Detroit und dann fast noch mehr gegen die Rams offenbarten Löcher in der Vikings-Defense, die ungute Erinnerungen an die vergangene Saison hochkommen lassen. Minnesotas Blitzes klappten gegen Los Angeles überhaupt nicht, und prompt taten sich Löcher in der Secondary auf.
Das kann ein Ergebnis der kurzen Woche nach einem physischen Spiel gegen Detroit sein. Doch auch letztes Jahr lernten gegnerische Offenses im Laufe der Saison, Minnesotas Defense zu entschlüsseln. Das darf den Vikings dieses Jahr nicht wieder passieren.
Ranking nach Woche 4: 4
Von den Hängepartien am Verhandlungstisch aus dem Sommer über die McCaffrey-Saga und die Verletzung von Javon Hargraves bis hin zum Kreuzbandriss von Brandon Aiyuk im Spiel gegen die Chiefs vor zwei Wochen ist es eine Saison voller Hindernisse und voller verschiedener Brandherde.
Und da sprechen wir noch nicht einmal darüber, dass Shanahan schematisch dieses Jahr Rätsel aufgibt. Purdy ein wenig mehr im Dropback Passing Game zu vertrauen und sich dessen Aggressivität hier zu Nutze zu machen, ist ein guter Plan. Doch das, was sie bislang offensiv machen, ist zu extrem und entzieht der Offense zu sehr ihre Identität.
Die Defense ist nicht erst seit der Hargrave-Verletzung an der Line dünn aufgestellt, insbesondere gegen den Run wurde das auffällig.
Aber sie haben noch immer Stars auf allen Ebenen. McCaffrey könnte in der Offense bald zurückkommen, und Shanahan wird spätestens nach der Aiyuk-Verletzung damit anfangen müssen, wieder mehr der Offense selbst einen Floor zu geben. Das Spiel gegen Dallas war ein guter erster Schritt in diese Richtung, und die Bye Week gibt Shanahan jetzt die Gelegenheit, womöglich weiter einige Dinge umzubauen. Wovon ich fest ausgehe.
Diese Niners-Saison ist definitiv noch nicht verloren. Dieses Team könnte in zwei Monaten ein sehr anderes Gesicht haben und deutlich gefestigter daherkommen; nicht zuletzt, weil die Line ihre Sache ordentlich macht. Ich sehe San Francisco weiterhin als Favoriten in der NFC West.
Ranking nach Woche 4: 8
Die Packers fühlen sich wie die Art Team an, das früh in der Saison ein paar Probleme lösen und kollektiv in der Saison ankommen muss - das dann aber auch Richtung Postseason heißlaufen kann. Also ein wenig wie letztes Jahr, und hier darf man nicht vergessen, dass es immer noch eine sehr junge Offense ist, während die Defense einen neuen Defensive Coordinator mit ganz anderen schematischen Ideen bekommen hat.
Und die Timeline ist, verglichen mit der vergangenen Saison, zusätzlich beschleunigt. Jordan Loves aggressiver Stil wird hier und da zu einzelnen Fehlern führen, seine Herangehensweise war bisweilen zu wild früh in dieser Saison. In Summe aber wirkte die Offense phasenweise bereits runder. Die Einbindung der Receiver wirkt gefestigter, das Run Game sieht gut aus und Matt LaFleur etabliert sich weiter als einer der besten Play-Caller in der NFL. Man kann dafür argumentieren, dass er sogar die Nummer 1 dieses Jahr ist.
Auf der anderen Seite des Balls ist insbesondere eine Sache auffällig, mehr noch als schematische Veränderungen oder sonstige Umstellungen: Kein Team hat dieses Jahr in einer Positionsgruppe einen derartigen Quantensprung hingelegt, wie Green Bay auf Safety. Die Packers hatten über die letzten Jahre eine der schwächsten Safety-Gruppen in der NFL, angeführt von Xavier McKinney und den Rookies Javon Bullard und Evan Williams könnten sie eine der besten Units dieser Saison stellen. Wenn sich jetzt der Pass-Rush weiter steigert, hat Green Bay eine echte Chance darauf, mit einer Top-10-Defense Richtung Playoffs zu gehen.
Ranking nach Woche 4: 2

Es ist zugegebenermaßen frustrierend, Baltimore nun bereits zum zweiten Mal in dieser Saison in einem Spiel zu sehen, das die Ravens als klarer Favorit aus der Hand geben.
Die Ravens haben eine Offense, die auf verschiedenste Arten Spiele gewinnen kann. Das Passing Game zeigt verschiedene Antworten und bekommt jetzt mit Diontae Johnson noch eine weitere Option, vor allem gegen den Blitz haben sie noch mehr Lösungen. Und Lamar Jackson spielt abermals auf MVP-Level.
Die Offensive Line findet sich ebenfalls zunehmend und solange das eine zumindest funktionale Unit ist, reicht das. Der Impact von Derrick Henry auf diese Offense ist deutlich spürbar; sich auf diese Ravens-Offense vorzubereiten dürfte kein Vergnügen für gegnerische Defensive Coordinators sein.
Die Defense ist im Vergleich dazu das klare Sorgenkind. Baltimore lässt noch immer vereinzelt zu viele Big Plays zu, und der Pass-Rush ist noch nicht so konstant wie letztes Jahr. Das wurde gegen Cleveland überdeutlich. Die individuelle Qualität auf allen drei Ebenen ist weiterhin da, doch Auftritte wie der gegen die Browns lassen einen am Fortschritt auf der Seite des Balls zweifeln.
Ranking nach Woche 4: 1
Der Trade für Amari Cooper könnte im Rückblick ein Wendepunkt in dieser Bills-Saison sein. Nicht weil er die Offense "rettet", Buffalo hätte ich auch ohne Cooper weiterhin in die Playoffs getippt. Vielmehr weil er Buffalo eine reelle Chance darauf gibt, die außerhalb von Baltimore kompletteste und vielseitigste Offense in der NFL aufs Feld zu bringen.
Cooper ist der Receiver, der diese Offense öffnen kann. Rookie Keon Coleman ist ohnehin in der X-Receiver-Rolle, sodass Cooper herumgeschoben werden kann. Gleichzeitig ist er immer noch ein Nummer-1-Receiver, der Man Coverage schlägt und diese Option hat den Bills gegen Baltimore und gegen Houston merklich gefehlt.
Dadurch erhält ein Team, das mit einer guten Defensive Front, einer guten Offensive Line, einem Elite-Quarterback, einem guten Run Game, einer unterschätzten Cornerback-Gruppe und einem guten Coaching Staff ohnehin einen hohen Floor hatte, jetzt die Chance, sein Ceiling hoch zu schrauben.
Die Spiele gegen Baltimore und Houston haben gezeigt, dass das notwendig sein würde, um in der AFC in den Playoffs mitzuhalten. Und wenn Cooper jetzt dazu beitragen sollte, dass auch Coleman noch besser ankommt, könnte das ein riesiger zusätzlicher Gewinn dieses Trades sein.
Ranking nach Woche 4: 6
Die Offense feuert nach einigen Startschwierigkeiten aus allen Rohren. Detroit hat die beste Offensive Line in der NFL, sie haben ein starkes Run Game und das Passing Game hat viel mehr wieder seinen Rhythmus gefunden. Das liegt an besseren Game Plans, aber auch an einem glänzend aufgelegten Jared Goff.
Detroit ist offensiv wieder an dem Punkt der vergangenen Saison. Ein extrem hoher Floor, und die Möglichkeit, Defenses auf verschiedenste Arten zu attackieren, was für sich eine Art Ceiling darstellt.
Die Defense ist insbesondere gegen den Run deutlich stabiler als letztes Jahr, die runderneuerte Secondary hatte bislang Höhen und Tiefen. Brian Branch ist hier der Stabilisator, und ein angehender Superstar. Doch von der Secondary wird jetzt mehr kommen müssen.
Denn die weitere defensive Prognose steht gänzlich unter dem Einfluss der schweren Verletzung von Aidan Hutchinson. Ein unheimlich bitterer Ausfall, Hutchinson individuell war auf bestem Wege, sich als Favorit für den Defensive Player of the Year Award zu positionieren und aus Sicht der Defense ist er der eine Ausfall, den sie so gar nicht kompensieren können.
Es wäre dementsprechend bitter - und ist doch keine unrealistische Prognose -, wenn der Mangel an individueller Pass-Rush-Qualität am Ende Detroit in den Playoffs zum Verhängnis werden würde.
Ranking nach Woche 4: 3
Ich habe immer noch Zweifel daran, dass diese Version der Chiefs-Offense in den Playoffs gut genug sein kann. Aber für den Moment ist die klare Aussage: Sie sind nicht spektakulär, aber sie sind effizient und jetzt müssen wir abwarten, welche Rolle DeAndre Hopkins in diesem Konstrukt bekommt.
Kansas City ist offensiv - maßgeblich dank Patrick Mahomes - in der Lage, einige "fehlerfreie Drives" pro Spiel aneinander zu reihen. Das heißt: Drives, bei denen sie negative Plays vermeiden, schnell spielen, präzise spielen, Mahomes den Ball über die Mitte verteilt und sie einzelne Trick Plays und Runs aneinanderreihen.
Diese Drives, kombiniert mit dem sehr vereinzelten Shot Play reichen, solange die Defense auf diesem Level spielt. Kansas City ist auch ohne L'Jarius Sneed sehr physisch auf den Cornerback-Spots, die Chiefs-Defense ist dieses Jahr aber noch viel stabiler gegen den Run und besser darin, Big Plays zu unterbinden.
Kansas City in dieser Konstellation ist auch mit Blick auf die Playoffs mindestens ein extrem unangenehmer Gegner. Dass diese "gerade gut genug"-Effizienz offensiv angesichts der Umstände so anhält, damit kann man selbst mit dem besten Quarterback seiner Generation nicht planen. Aber wir müssen eben das Gegenteil auch erst einmal sehen, und mit der Defense auf diesem Level gibt es derzeit kein Team, das ich in Summe über Kansas City sehe.
Adrian Franke