11.11.2024
Leichte Kritik am Rasen in München
Die Carolina Panthers vergoldeten ihr Auslandsabenteuer in München mit einem Sieg - und nahmen noch weit mehr im Gepäck mit nach Hause. Allen voran: die Atmosphäre in der Allianz-Arena und einen in der NFL angekommen Quarterback.

Aus München berichtet Markus Grillenberger
Nach 700 Tagen war es wieder soweit: Die seit Jahren dem NFL-Bodensatz angehörenden Carolina Panthers haben mal wieder zwei Siege am Stück eingefahren. Und das auch noch mit Bryce Young. Der First Overall Pick des letzten Jahres, der zwischenzeitlich in dieser Saison durch Oldie Andy Dalton ersetzt worden war, führte seine Farben beim NFL-Gastspiel in München zu einem 20:17-Overtime-Sieg über die spät nochmals aufbegehrenden und letztlich zu fehleranfälligen New York Giants (2-8).
Damit verbesserten sich die Panthers zwar nur auf 3-7, sammelten aber neben besonderen Eindrücken rund ums Deutschland-Abenteuer eben jene Erkenntnis, dass Young endlich in der Liga angekommen zu sein scheint. Sicher: Der 23-Jährige riss mit 15 von 25 angekommen Pässen für 126 Yards plus Touchdown keine Bäume aus, leistete sich allerdings auch keine groben Schnitzer und knüpfte damit an seinen tollen "game-winning drive" beim 23:22 gegen die New Orleans Saints von vor einer Woche an.
"Ich bin so stolz auf Bryce", zeigte sich Head Coach Dave Canales, vor dieser Regular Season von den Tampa Bay Buccaneers (dort Offensive Coordinator) gekommen, von seinem Spielmacher äußerst angetan. Angesprochen auf die wenigen Ungenauigkeiten und die nicht allzu gewaltige Endbilanz des Quarterbacks ergänzte Canales: "Er hatte einen sehr guten Tag - und klar, es hätte ein großartiger werden können. Er zeigt uns aber allen, dass er den nächsten Schritt gemacht hat. Er hat abgeliefert."
Klingt ganz danach, als würde Young weiterhin das Vertrauen als Starting Quarterback genießen und in zwei Wochen nach der anstehenden "bye week" auch beim Duell mit den Kansas City Chiefs (9-0), dem weiterhin ungeschlagenen amtierenden Super-Bowl-Champion, randürfen.
Young selbst fühlte sich nach dem in München errungenen Sieg auf jeden Fall "großartig" - auch weil die Panthers endlich mal wieder "zweimal in Folge gewonnen haben". Und weiter: "Wir hatten Aufs und Abs, alles war drin in diesem Spiel. Wir konnten uns aber vor allem auf die O-Line verlassen." Da war was dran, denn die Offensive Line ließ einerseits nur einen Sack für ihren Quarterback zu und schaffte andererseits viele Lücken für Chuba Hubbard.
Der kanadische Running Back, der erst letzte Woche nach seinen zwei Touchdowns gegen die Saints einen neuen Vierjahresvertrag für über 33 Millionen US-Dollar unterzeichnet hatte, lief dieses Mal für einen weiteren Score - und spulte insgesamt mit 28 Carries 153 Yards ab.
Natürlich freute sich nach dem Spiel auf der Pressekonferenz auch Hubbard über das eingetütete Erfolgserlebnis und seine eigene Leistung. Der omnipräsente Athlet, dessen später Fumble im Spielverlauf letztlich nicht nach hinten losgegangen war, zeigte sich dabei aber bescheiden: "Ich kann den Leuten, die mir hierher geholfen haben, nicht genug danken." Er fühle Stolz, überhaupt hier in der NFL spielen zu dürfen - und äußerte ganz nebenbei auch etwas Kritik am Rasen der Allianz-Arena, der schon vor zwei Jahren beim München-Spiel zwischen Tom Bradys Tampa Bay Buccaneers und den Seattle Seahawks (21:16) in den Fokus gerückt worden war. Obwohl der Untergrund vom FC Bayern von reinem Naturrasen zu einer Art Hybridrasen umgeändert worden war, war der Läufer der Panthers nur mittelmäßig angetan. Er sei schon früh ausgerutscht und habe sich zudem bei einer Aktion leicht verletzt. Mit den langen Stollen am Schuhwerk sei es dann aber in Ordnung gewesen.
"Ansonsten war es aber toll und eine spaßige Erfahrung", so Hubbard weiter. "Ich bin schon mal in München gewesen - es ist einfach eine schöne Stadt. Und heute beim Spiel war einfach ein toller Vibe."
Das unterstrich auch Quarterback Young, der zu Beginn der Overtime zwar den Münzwurf verloren, nach einem direkten sowie fatalen Fumble der Giants aber das finale Field Goal von Kicker Eddy Pineiro "vorbereitet" hatte, ausgiebigst: "Es hat sich wie ein Heimspiel angefühlt, die Fans waren bei unseren Third Downs leise - und bei deren etwas lauter." Hier in München zu sein und ein Footballspiel zu spielen, obwohl er aus Philadelphia (Pennsylvania) stammt, in Pasadena (Kalifornien) aufwuchs und mit seinem Team aus North Charlotte kommt, "davon konnte ich als Kind nicht mal träumen. Die Unterstützung hier war unglaublich - auch diese andere Kultur und Atmosphäre aufzusaugen. Das hat sich wirklich großartig angefühlt." Auch wenn er nur ein oder zwei deutsche Wörter in seiner kurzen Deutschland-Zeit gelernt habe. "Da muss ich mich noch steigern."

Und auch Panthers-Cheftrainer richtete auf dem Podium noch ein paar Worte an Gastgeberland Deutschland, an München und die über 70.000 Fans im Rund: "Die Atmosphäre im Stadion war absolut elektrisierend. Das Stadion selbst ist wunderschön. Die Energie aus der Menge war einfach ununterbrochen da - wie bei einem Fußballspiel. Es war ständig laut. Und bei großen Spielzügen ging es noch einmal extra nach oben. Dazu die Lichter, die vielen unterschiedlichen Trikots auf den Rängen." Es sei alles in allem einfach "eine tolle Erfahrung für uns in einer großartigen Stadt" gewesen - auch wenn ich meinen Jungs natürlich gepredigt habe, dass wir vor allem hier sind, um ein Footballspiel zu gewinnen. Am Ende waren unsere Jungs aber auch frisch, haben am Freitag die Stadt etwas erkunden können und heute ein hartes Spiel abgeliefert." Garniert mit einem Sieg. "Toll."