10.11.2024
NFL, Week 10: New York patzt mehrmals in der Allianz-Arena
Zum vierten Mal legte die NFL mit einem offiziellen Regular-Season-Spiel einen Stopp in Deutschland ein - dieses Mal wieder in München. Dort sahen über 70.000 Football-Fans kurzweilige Unterhaltung, einen starken Läufer, späte Fehler und eine Verlängerung. In dieser strahlten schließlich die Panthers beim Duell mit den Giants.

Aus München berichtet Markus Grillenberger
Nach dem ersten NFL-Gastspiel in München im November 2022 (21:16 zwischen Tom Bradys Tampa Bay Buccaneers und den Seattle Seahawks noch mit Ex-Kulttrainer Pete Carroll) und den beiden Frankfurt-Matches im vergangenen Jahr (21:14 zwischen Kansas City Chiefs und Miami Dolphins sowie 6:10 zwischen den New England Patriots und Indianapolis Colts) kehrte die größte Football-Liga wieder in die Allianz-Arena zurück.
Und natürlich war das "Heimspiel" der Carolina Panthers gegen die New York Giants, das 20:17 nach Verlängerung enden sollte, wieder garniert von einer bunten Untermalung, vielen in allen möglichen Trikots gekleideten Fans und einem mit Spannung erwarteten sportlichen Duell - auch wenn sich der rein sportliche Wert in Grenzen hielt. Dafür waren sowohl die Panthers als auch die Giants (jeweils 2-7), die den vor Ort ausgiebig gefeierten Deutschen Fullback Jakob Johnson zwar mitbrachten, aber nicht in den aktiven Kader packten, zu schwach in diese Regular Season gestartet.
Schnell sollte sich aber herauskristallisieren, dass die Panthers um den nach Bankverfrachtung für Oldie Andy Dalton inzwischen wieder eingesetzten Quarterback Bryce Young besser unterwegs waren - verdiente 10:0-Pausenführung nach Touchdown-Pass auf Rookie-Tight-End Ja'Tavion Sanders inklusive. Die weiteren Zähler kamen durch ein Field Goal aus 53 Yards von Kicker Eddy Pineiro.
Auf der anderen Seite lief kaum etwas zusammen vor 70.132 Zuschauern in der Münchner Allianz-Arena - zwischenzeitlich verschossenes Field Goal inklusive. Zu allem Überfluss leistete sich Giants-Spielmacher Daniel Jones, in seiner sechsten NFL-Spielzeit ohnehin wieder arg durchschnittlich unterwegs, auch noch eine Interception bei einem abgewehrten und sauber von Safety Xavier Woods gefangenen Ball. Auch mit dem Laufspiel kamen die New Yorker, deren gefürchtete Defensive Line ebenfalls im Zaum gehalten wurde, nicht nennenswert voran. Kurzum: Es war in den ersten 30 Minuten sehr einseitig.
Das änderte sich allerdings direkt nach Wiederbeginn, als nach der kurzen Halbzeit-Show mit US-Musiker Machine Gun Kelly Quarterback Jones direkt einen lauflastigen Drive bis zum Touchdown initiierte. Und so waren die "Big Blue" Mitte des dritten Quarters nicht nur erstmals mit Punkten auf der Anzeigentafel gelandet, durch den Score von Fünftrunden-Rookie-Läufer Tyrone Tracy über stolze 32 Yards waren sie plötzlich mit 7:10 dran. Und die Panthers plötzlich wieder stärker unter Druck - mit dem sie überraschend souverän umgingen. Ein toller Antwort-Drive mit langen Läufen von Hubbard und Spielmacher Jones sowie ein kurzer Touchdown-Rush von Hubbard stellten direkt das 17:7 her.

Überhaupt bot das Duell in diesen Minuten kurzweilige Unterhaltung, auch weil den Mannen aus dem "Big Apple" die Zeit davon lief - und Quarterback Jones plötzlich den bis dato unauffälligen Rookie-Receiver Malik Nabers fand, selbst einige Male lief und knapp 8:30 Minute vor Ende nach schönem Haken allein zum 14:17-Anschluss in die Endzone rannte. Und als kurz darauf Panthers-Ass Hubbard nach einem kurzen Pass den Ball bei einem Tackling verlor (Fumble), sah plötzlich alles nach einer kompletten Kehrtwende aus - bis Spielmacher Jones nahe der Endzone ein weiterer Pick unterlief. Ein wenig Zeit musste Carolina zwar noch überbrücken, was allerdings überhaupt nicht mehr gelang. Vielmehr lief offensiv nichts mehr zusammen, sodass New York Chance um Chance erhielt - und doch noch einmal weiter nach vorn kam. Dort traf Kicker Gano, der aus 43 Yards verschossen hatte, dieses Mal souverän aus 42 Yards. Durch das 17:17 ging es in die Verlängerung.
Dort gewannen die New Yorker zwar durch Spielmacher Jones den Münzwurf, erhielten somit den Ball. Doch schon beim ersten Spielzug ließ sich Rookie-Läufer Tracy den Ball aus den Armen schlagen - Fumble und Eroberung durch Panthers-Profi Jewell, der schon eine Interception eingetütet hatte. Somit hatten die Giants nach ihrem guten Comeback alles mit einer Aktion hergeschenkt, denn Carolinas Kicker Pineiro ließ sich die Chance zum Sieg aus 36 Yards nicht mehr nehmen. Somit verbesserten sich die Panthers in München auf 3-7, während New York auf 2-8 abstürzte.
Nach Geigeneinlage des deutschen Virtuosen David Garrett samt Hymnen-Performance von Florentina und Münzwurf mit paralympischen Sportlern begann das vierte deutsche NFL-Spiel mit dem Kickoff um 15.30 Uhr.
Und nach einem unrunden Start der als Gastgeber geführten Panthers (three & out) nahm die Partie auch direkt an Fahrt auf - auch wenn ein solider erster Drive der Giants zu einem weiteren Punkt führte. Im Anschluss aber rollte Carolinas Quarterback Bryce Young erstmals los und führte seine Farben zu einem Touchdown-Drive ber 90 Yards zum 7:0 - vollendet von Tight End Ja'Tavion Sanders.
Allgemein wirkten die Panthers frischer, agiler, durchdachter im Gameplan. Neben dem ständig eingesetzten und erst langfristig verlängerten Running Back Chuba Hubbard (vier Jahre für über 33 Millionen US-Dollar) lief auch das Passspiel gut an - so auch beim ordentlichen Drive kurz vor Ablauf der ersten 15 Minuten, als etwa der nicht gedraftete Rookie-Receiver Jalen Coker für 24 Yards gefunden wurde. Abgeschlossen wurde hier allerdings "nur" mit einem Field Goal aus 53 Yards zum 10:0 von Kicker Eddy Pineiro.

Ebenfalls auffällig: Die Offensive Line aus North Charlotte hielt auch die gefürchteten New Yorker Defensivmaschinen Brian Burns (Edge) sowie Dexter Lawrence (Nose Tackle) sehr gut in Schach, sodass Young viel Zeit bekam. Und auf der anderen Seite fand sich weiterhin die Offense der "G-Men" um Spielmacher Daniel Jones nicht sonderlich zurecht - verschossenes Field Goal von Kicker Graham Gano aus 43 Yards inklusive.
Und nach einer überschaubaren Phase ohne große Highlights auf beiden Seiten unterlief New Yorks Anführer Jones bei einem abgelenkten Pass auch noch eine Interception - abgefangen von Safety Xavier Woods. Daraus wusste Carolina mit rund 1:30 Minuten Rest auf der Uhr aber kein Kapital mehr zu schlagen. So ging es mit 10:0 in die Katakomben.
Witzige Randnotiz: Chefschiedsrichter Shawn Hochuli, der wie in der NFL üblich auch in der Allianz-Arena für Durchsagen von Strafen und Entscheidungen verkabelt worden war, tätigte manch Ansage auf Deutsch ("Fehlstart Angriff").
War das Spiel bis hierhin schon - wie auch in den vergangenen Jahren - musikalisch bunt untermalt vom Stadion-DJ mit Rap, Rock und auch vielen deutschen Songs, so wurde nun noch eine kleine Bühne in der Mitte des Feldes errichtet. Für den gebuchten Künstler Machine Gun Kelly. Der 34-jährige US-Musiker unterhielt die vielen Tausend Fans in der Allianz-Arena bei gedimmtem Licht mit einigen seiner Hits - darunter "Lonely Road", eine an "Take Me Home, Country Roads" angelehnte Nummer.
"Take the Ball Home" war dann auch direkt zu Wiederbeginn auch das Motto der Giants, die einen soliden und lauflastigen sowie mit Kurzpässen garnierten Drive mit Quarterback Jones auf den Naturrasen legten. Genauer: Über zehn Spielzüge und 65 Yards ging es dabei voran - und durch bis in die Endzone. Rookie-Running-Back Tyrone Tracy lief dabei am Ende für ganze 32 Yards zum 7:10-Anschluss, konnte nicht mehr gefasst werden.
Die Antwort der "Hausherren"? Der im Dauermodus an diesem Spieltag eingesetzte Läufer Hubbard brach beim folgenden Drive nach kurzen Spurts direkt mal durch bis über die Mittellinie, hier über 25 Yards. Erst der agile und stämmige Edge Rusher Burns konnte das Kraftpaket zu Boden ringen. Und nach einem starken eigenen Lauf von Spielmacher Young über weitere 24 Yards samt Vorstoß bis direkt an die Goalline folgte vom omnipräsenten Läufer Hubbard der Ein-Yard-Rush zum 17:7.
Der alte Vorsprung, mit dem es auch ins finale Viertel ging, war wieder hergestellt - und die Giants, denen kaum etwas Überraschendes einfiel und die auch Top-Rookie-Receiver Malik Nabers nicht ins Spiel bekamen, mussten sich wieder zeigen. Und taten das wohl auch mit dem Mute der Verzweiflung. So warf Jones direkt mal für 19 Yards zu dem stark catchenden Nabers, der nach unsanfter Landung weitermachen konnte. Auch hielt die O-Line vor Jones in dieser finalen Phase ordentlich gegen Defense-Recken der Panthers um zum Beispiel Routinier Jadeveon Clowney (31), sodass es auch mit eigenen Sprints von Jones bis vor in die Red Zone ging. Dort trickste der New Yorker Quarterback dann alle aus, täuschte eine Ballübergabe an, schlug mit verdeckt gehaltenem Ball den Haken und lief nach einem großen Bogen links in die Endzone. Knapp 8:30 Minuten vor Ende hieß es nur noch 14:17.
Es wurde sogar noch besser aus Sicht der "G-Men", denn nach einem Laufspielzug der Panthers verlor der bis dato überragende Hubbard bei einem Tackling den Ball - und so hatten die Giants plötzlich wieder den Ball nahe der gegnerischen Endzone. Wo Jones direkt mal Glück hatte, dass ein Pass auf Wide Receiver Wan'Dale Robinson nicht in eine Interception mündete. Das Glück sollte jedoch nicht allzu lange halten, denn schon direkt darauf unterlief ihm bei einem weiteren Wurf der zweite Pick (abgefangen nahe der Seitenauslinie von Linebacker Josey Jewell).

Weil Carolina in der Folge aber keine langen Drives hatte und die Uhr nicht sauber ausspielen konnte, kamen die leistungstechnisch aufsattelnden New York Giants (bis zum Ende der regulären Spielzeit mit mehr Yards, mehr First Downs) einige weitere Male ans Ei - und wussten dies mit einem Field Goal von Gano aus 42 Yards, nachdem dieser schon aus 43 vergeben hatte, auszunutzen. Zum 17:17. Allzu lange sollte die Freude aber nicht halten, weil New Yorks Rookie-Running-Back Tracy nach gewonnenem Münzwurf von Quarterback Jones direkt beim ersten Play ein fataler Ballverlust unterlief. Panthers-Kicker Pineiro bedankte sich mit einem souveränen Kick aus 36 Yards zum 20:17, wodurch sich Carolina in der NFC South auf 3-7 verbesserte - und die Giants auf 2-8 abkrachten.
Panthers-Quarterback Bryce Young: 15/25, 126 Yards, ein Touchdown, keine Interception
Panthers-Running-Back Chuba Hubbard: 28 Carries, 169 Total Yards, ein Touchdown, Fumble
Panthers-Tight-End Ja'Tavion Sanders: zwei Catches, acht Yards, ein Touchdown
Giants-Quarterback Daniel Jones: 22/37, 190 Yards, ein Touchdown, zwei Interceptions
Giants-Running-Back Tyrone Tracy: 18 Carries, 103 Rushing Yards, ein Touchdown, Fumble
Giants-Receiver Malik Nabers: sechs Catches, 50 Yards