23.01.2025
NFC-Finale bei den Eagles
Die Philadelphia Eagles und die Washington Commanders stehen sich am Sonntag (21 Uhr MEZ) im NFC-Finale gegenüber und spielen das erste Super-Bowl-Ticket aus. Es ist ein ganz besonderes Duell mit vielen Facetten, was vor allem mit den grundveränderten Hauptstädtern zusammenhängt.

Das teuerste NFL Conference Championship Game der bisherigen NFL-Geschichte steht an, wenn sich im Lincoln Financial Field am kommenden Sonntag (21 Uhr MEZ) die Philadelphia Eagles und Washington Commanders gegenüberstehen und die Teilnahme am Super Bowl ausfechten.
Im Durchschnitt kostet ein reguläres Ticket stolze 1310 US-Dollar, die billigsten Karten sind für schlappe 620 US-Dollar zu ergattern. Stolze Beträge also für diesen besonderen Clinch, der vor allem auch darin begründet ist, weil sich beide Franchsises seit Ewigkeiten als Rivalen kennen.
So hatten sich die beiden Football-Teams erstmals am 21. Oktober 1934 (!) getroffen, als Washington sage und schreibe mit 6:0 gewann. 181 weitere Duelle sollten folgen (90 Siege Commanders/früher Redskins, 86 Erfolgserlebnisse Eagles, sechs Remis).
Das bis dato letzte am 22. Dezember 2024 - Endstand: 36:33 für die Commanders, die nach ihrem Überraschungssieg in der Divisional Round bei den top-gesetzten Detroit Lions (45:31) den nächsten Coup anstreben. Kurios dabei ist, dass der Vergleich zwischen Philly und Washington erst zum zweiten Mal als Playoff-Spiel ausgetragen wird, die Hauptstädter gewannen dabei damals in der Wild Card Round 1990/91 mit 20:6.
Wie aber ist es möglich, dass die US-Hauptstädter nun wieder im Football-Konzert der ganz Großen mitmischen? Seit der letzten Teilnahme an einem NFC-Endspiel (41:10 am 12. Januar 1992 gegen die Detroit Lions) samt anschließendem Super-Bowl-Triumph (37:24 gegen die Buffalo Bills) - dem dritten und bis dato eben letzten Super-Bowl-Sieg der Washingtoner - ist schließlich eine halbe Ewigkeit vergangen.
Beispiele dafür gefällig? Damals 1991/92, als den Hauptstädtern letztmals der große Wurf gelang, gewann eine gewisse Basketball-Legende namens Michael "Air" Jordan seinen ersten (!) von insgesamt sechs NBA-Titeln mit den Chicago Bulls, wurde das Computerspiel Sonic the Hedgehog für das SEGA Mastanger System auf den Markt gebracht, veröffentlichte die Grunge-Band Nirvana ihr legendäres Album Nevermind, endete der Zweite Golfkrieg, starb der vor allem in den USA ungemein bekannte und beliebte Kinderbuchautor Dr. Seuss (u. a. The Grinch), erblickte das Disney-Meisterwerk Die Schöne und das Biest das Licht der Welt.
Was ist also passiert, dass die seit 2023 zwangsverkauften Washington Commanders (Ära mit Dan Snyder und dessen zweifelhaften Ruf) plötzlich wieder so gut dastehen - und damit beweisen, dass in der NFL auch eine 180-Grad-Wende quasi von jetzt auf gleich möglich ist? Ganz einfach: Es ist an den richtigen Stellschrauben gedreht worden. Zunächst einmal hat sich Rookie-Quarterback Jayden Daniels als Glücksgriff entpuppt.
Der 24-jährige Second Overall Pick im letztjährigen NFL Draft besticht mit seinen Pass- und Lauffähigkeiten, die Wahl zum Rookie Player of the Year dürfte ihn als Sieger hervorbringen. 3568 Passing Yards, 891 Rushing Yards und 31 Total Touchdowns (neun Interceptions, drei Fumbles) innerhalb der Regular Season sind ebenso herausragend wie über 600 Total Yards und vier Scores (keine Fehler) in seinen ersten beiden Playoff-Partien.
Sein Trainer Dan Quinn, der seinen Schützling schon während der Saison über den grünen Klee gelobt hatte, sagte nach dem jüngsten Sieg vor den US-Medien: "Er strahlt eine andere Haltung als die meisten aus. Er ist ein selten vorkommender Wettkämpfer, daran besteht kein Zweifel. Er trifft großartige Entscheidungen mit dem Football - und das erfordert echte Achtsamkeit." Daniels begeistert bei seinem variablen Spiel nicht nur mit cleveren Läufen und Würfen, er traut sich auch in kritischen Szenen etwas Besonderes zu - und kommt oft dabei mit einem großen Ertrag heraus. Das macht ihn aktuell auch zum ersten Top-4-Quarterback-Draft-Pick, der in seiner ersten Saison direkt in ein Conference Championship Game gekommen ist. Hut ab!

Dazu kommt, dass der Spielmacher auch von seinem neuen Umfeld profitiert. Denn neu ist gefühlt fast alles in Washington - die Commanders haben einen neuen General Manager (Adam Peters) angestellt, einen neuen Cheftrainer (Quinn), einen neuen Offensive Coordinator (Kliff Kingsbury), einen neuen Defensive Coordinator (Joe Whitt Jr.) und weiteres Personal. Frische und vor allem auch erfahrene Spieler wie Running Back Austin Ekeler (29) oder Tight End Zach Ertz (34) noch dazu. Das macht die Offense vor allem auch mit Receiver-Ass Terry McLaurin zu einem echten Powerhouse, das nun erst einmal die heimischen Philadelphia Eagles mit ihrem Vorreiter Saquon Barkley angehen müssen.
Und Washingtons Cheftrainer Quinn - vor seiner Amtsübernahme in Washington Head Coach der Atlanta Falcons (2015 bis 2020 samt Super-Bowl-Trauma gegen Tom Bradys New England Patriots nach 28:3-Führung) meinte in der Kabine zuletzt ohnehin schon, dass nun auch der komplette Weg Richtung Super Bowl gegangen werden kann. Der Gegner? Wurscht! "Jeder, egal wo, zu egal welcher Zeit" könne kommen - und die Commanders wären bereit und heiß.
mag