20.01.2025
Philadelphia kann sich weiterhin auf den Star-Läufer verlassen
Der Unterschiedsspieler beim Sieg der Eagles über die Rams (28:22) war schnell gefunden: Saquon Barkley. Im ersten Jahr bei seinem neuen Team rollte der Running Back auch im Schneegestöber über die Kontrahenten hinweg.

Das Wetter spielte abgesehen vom unter geschlossenem Dach stattfindenden Vergleich zwischen den Detroit Lions und Washington Commanders (31:45) allgemein an diesem NFL-Wochenende eine Hauptrolle. Sowohl beim Weiterkommen der Kansas City Chiefs (23:14 gegen Houston) in dieser spannenden Divisional Round als auch beim Gigantenduell zwischen Buffalo Bills und Baltimore Ravens (27:25) wurde bei (eis-)kalten Bedingungen beziehungsweise Schnee gespielt.
Nirgends war das Chaos von oben aber so groß wie in Philadelphia. Hier beim Vergleich zwischen den heimischen Eagles und den Los Angeles Rams als Herausforderer gab es die volle Drönung. Abwechselnd starker Wind, leichter Schneefall, Schneeregen und schließlich starker Schneefall, der bis Spielende den Rasen in komplettes Weiß hüllte - da war für Wetterfüchse einiges geboten.
Wenig verwunderlich hatte das dann auch Einfluss aufs sportliche Geschehen - zahlreiche Stopps, nicht gefangene Pässe sowie einige Ballverluste vor allem auf Seiten der Rams (zwei verlorene Bälle durch Fumbles) gehörten zur Tagesordnung. Auch Philadelphias Quarterback Jalen Hurts (198 Total Yards, ein Rushing Touchdown) erwischte es im Gestöber etwa mit sieben kassierten Sacks samt Safety in der eigenen Endzone, als er sich angeschlagen mit Kniebandage kaum richtig im Schnee bewegen konnte, so immer mehr Yards zurückwich und letztlich zu Fall gebracht wurde.
Das bessere Ende hatten aber die Eagles - mit 28:22 zog das Team aus der City of Brotherly Love gegen die spät nochmals aufbäumenden Gäste aus Kalifornien, für die das Wetter eventuell aufgrund fehlender eigener Erfahrung noch schwerer zu attackieren war, weiter.
Den Hauptunterschied machte aber ein Mann aus. Sein Name: Saquon Barkley. Der vor der Saison von NFC-East-Konkurrent New York Giants verpflichtete Running Back hatte sich schon während der Regular Season zum absoluten Zugpferd dieser allgemein auf sämtlichen Positionen stark besetzten Eagles-Mannschaft aufgeschwungen. MVP-Rufe inklusive nach Leistungen wie in Week 12, als er beim 37:20 auswärs bei den Rams zwei Touchdowns bei famosen 255 Yards verbucht hatte. Überhaupt übertraf Barkley bis Saisonende die magische Marke von 2000 Total Rushing Yards - und schrammte nur am Rekord vorbei, weil er in Week 18 nach reiflicher Überlegung von Head Coach Nick Sirianni geschont worden war.
Diese Maßnahme sollte sich aber eben auszahlen. Schon in der Wild Card Round beim mitunter auch etwas kuriosen, weil lange doch nicht so klaren Erfolg über die Green Bay Packers (22:10) hatte Barkley mit erlaufenen 119 Yards massiven Anteil am Erfolg. Nur um jetzt als gefeierter "Schneeengel" zwei Scores und unglaubliche 205 Yards auf seine Schneeschaufel zu schippen. Ganz besonders wichtig: Seine beiden Touchdowns strich Barkley früh im ersten Quarter über 62 Yards und spät im vierten Viertel - hier im wilden Schneefall von Philly - über 78 Yards ein. Er wirkte dabei überhaupt nicht tangiert von der Witterung, erlaubte sich auch keinen Fehler.
Wenig verwunderlich trug sich der Modellathlet längst auch in die Geschichtsbücher der NFL ein. Etwa damit, mit nun schon erreichten 2329 Rushing Yards (Regular Season plus Playoffs) in der Bestenliste lediglich nur noch hinter Legende Terrell Davis (zweimaliger Super-Bowl-Champion mit den Denver Broncos zwischen 1995 und 2002) zu liegen. Dieser hatte 1997 2331 Yards und 1998 2476 Yards verzeichnet.
Insgesamt schenkte der in der Vergangenheit zwar immer wieder auch glanzvolle, aber auch oft verletzte Läufer, den Rams in zwei Spielen sogar über 500 Total Yards plus vier TDs ein - Wahnsinn!
Klar, dass mit solch einem Spieler auch die Super-Bowl-Hoffnungen noch ein Stück höher leben. Um aber überhaupt ins Endspiel einzuziehen, müssen die Eagles - erneut in einem Heimspiel - den bekannten NFC-East-Rivalen aus Washington aus dem Weg räumen. Gut zu wissen, dass Barkley in den beiden Regular-Season-Duellen (26:18-Sieg und 33:36-Niederlage) den Commanders hier schon 296 Rushing Yards, 53 Receiving Yards und vier Scores eingeschenkt hat. Kommt nun eine weitere Gala in einer Barkley-Saison voller Galavorstellungen dazu? Und wenn ja, bei welchem Wetter?
So oder so, er wird es sicherlich wieder genießen - wie nun das Schneespiel gegen die Rams vor heimischem Publikum: "Die Atmosphäre war unglaublich. Das war geisteskrank. Wenn ich nur daran denke, zaubert es mir ein Lächeln ins Gesicht. Davon träume ich, deswegen bin ich nach Philly gekommen, um Teil solcher Spiele zu werden." Das ist ihm längst eindrucksvoll gelungen.
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