01.08.2025
Olympia im Visier
Der Flag Football ist nicht zuletzt dank der Aufnahme in das Programm der Olympischen Spiele 2028 auf dem Vormarsch. Mit den Finalturnieren im Rahmen von "Die Finals" zeigt sich der heimische Sport dabei erstmals auf einer großen Bühne. Es dürften dabei spannende Duelle geben.

Nun ist es so weit: Am Samstag ab 9.30 Uhr duellieren sich Deutschlands beste Flag-Football-Spielerinnen und -Spieler in Dresden um den begehrten Meistertitel. Erstmals werden die beiden Finalturniere Teil der nationalen Multisportveranstaltung "Die Finals" sein, es ist der nächste Schritt eines unglaublich rasanten Aufstiegs.
Noch vor wenigen Jahren war die kontaktlose Variante von American Football noch ein absoluter Nischensport. Zwar gibt es seit Anfang dieses Jahrtausends schon Europa- und Weltmeisterschaften, doch wirklich im medialen Fokus waren diese Turniere nur selten. Es dauerte zudem bis ins Jahr 2016, bis sich mit der DFFL eine deutsche Liga im 5er-Flag-Football formierte.
Doch das Bild hat sich seither gewandelt. 2023 wurde der NFL Pro Bowl erstmals als Flag-Football-Spiel ausgetragen, damit wollte die größte Sport-Liga der Welt dem Bemühen, den Sport ins Programm für die Olympische Spiele 2028 in Los Angeles zu hieven, Nachdruck verleihen. Dieses Vorhaben gelang, denn im Herbst 2023 wurde es seitens des IOC offiziell verkündet: Flag Football ist olympisch. "Es ist eine der am schnellsten wachsenden Sportarten der Welt", sagte jüngst Pierre Trochet, Präsident der International Federation of American Football (IFAF).
Das merkt man auch in Deutschland. 2023 wurde die deutsche Herren-Nationalmannschaft zum ersten Mal Europameister. "Das wollen wir wiederholen", kündigte Cornerback Luca Bultmann an. Schließlich will er mit seinen Kollegen Selbstvertrauen für das kommende Jahr tanken, denn dann findet die WM in Düsseldorf statt. "Die WM auf den Plätzen zu haben, auf denen man jede Woche trainiert, ist einfach unglaublich cool", erklärte der Spieler der Düsseldorf Firecats.
Doch zunächst steht am Wochenende die deutsche Meisterschaft auf dem Programm. "Die Vorfreude ist riesig, ich bin ziemlich hyped", erklärt Nils Just, Projektleiter beim AFVD für das Event, im Gespräch mit dem kicker. Bei den Männern kämpfen die acht besten Teams um die Titel, bei den Frauen, die erst seit 2024 in eigener Liga spielen, sind es die Top Four.
"Ich habe vor einigen Tagen einen Anruf von einem Team bekommen, das wissen wollte, was sie alles beachten müssen, denn sie wollten es im Training ein bisschen durchspielen. Es gibt viele Teams, die Respekt davor haben, aber trotzdem überwiegt die Vorfreude", berichtet Just.
Dabei deutet schon jetzt alles daraufhin, dass es spannende Spiele werden. Keines der zwölf Teams ist ungeschlagen durch die Saison marschiert. In der DFFL, die jüngst mit der DKB einen Namenssponsor präsentiert haben, lag es nicht zuletzt am neuen Modus. "Dieses Jahr haben wir von Divisions auf einen bundesweiten Spielmodus umgestellt, das bedeutet: Jeder hat einmal gegen jeden gespielt. Man hat dadurch eine deutlich bessere Vergleichbarkeit gehabt", erklärt der Liga-Obmann.
Zudem schildert er weiter: "Da haben wir schon sehr viel mehr Spannung und auch die Rückmeldung von den Teams bekommen, dass es cool war, gegen jeden zu spielen. Diesen Modus werden wir auch beibehalten."
Zwar konnten sich mit den siebenfachen Meister Walldorf Wanderers, Lichtenberg Lions, dem amtierenden Meister, den Munich Spatzen, den Mainz Legionaries, Augsburg Lions, Duisburg Dragons und der SG Kelkheim Lizzards die sieben favorisierten Teams qualifizieren, doch dahinter entwickelte sich ein packendes Duell.
Erst am letzten Spieltag sicherte sich der Aufsteiger Strelitz Dukes den letzten Platz für das Final Eight, allerdings mussten sie lange zittern. "Strelitz hätte in Kelkheim nur eins von drei Spielen gewinnen müssen, das haben sie aber nicht geschafft", berichtet Just. Die Baden Greifs hätten daher noch an den Dukes vorbeiziehen können. Da sie jedoch nur zwei von drei Spielen gewannen, landeten sie aufgrund des verlorenen Duells gegen Strelitz punktgleich auf Platz neun. "Paradoxerweise hätte dann Nürnberg, die die Greifs geschlagen haben, den Sprung zum Final Eight schaffen können, aber sie hatten mit Walldorf einen Gegner vor der Brust, der unbezwingbar war", so der Liga-Obmann.
Auch bei den Damen in der DFFLF ist bereits ein hohes Spielniveau zu erkennen. "Sie zeigen wirklich coole, kompetitive Spiele", lobt Just. Dabei gibt es die Liga erst seit 2024, vorher haben sie in Mixed-Teams in der DFFL gespielt. "Wir waren im ersten Jahr sechs Teams und in diesem Jahr zwölf. Das zeigt uns, dass dieser Schritt auf jeden Fall notwendig und auch der richtige war."
Die Hoffnung ist daher groß, dass sich dieser Trend auch in Zukunft fortsetzt, eine Aufstockung der Liga-Größe von derzeit zwölf Teams ist allerdings nicht unbedingt der Plan. "Aktuell ist die Überlegung eher, dass es eine Spaltung der Liga gibt, um den schwächeren Teams, die es doch gab, so ein bisschen Entwicklungspotential gegen gleichrangige Gegner zu geben", offenbart Just. "Im ersten Jahr lernt man zwar noch von einem 60:0 oder 70:0, aber es ist nicht Sinn der Sache, dass man solche Niederlagen in Serie hat. Das ist frustrierend für die Sportlerinnen."
Oben an der Spitze ist es hingegen unglaublich spannend. "Die klaren Favoriten haben sich schon durchgesetzt, obwohl es bis zum letzten Spieltag noch sechs Teams die Qualifikation hätten schaffen können", berichtet der AFVD-Projektverantwortliche für "Die Finals". Einen bitteren letzten Spieltag erlebten die Stuttgart Scorpions, die ihren sicher geglaubten Finalplatz kampflos abgeben musste. So holten sich neben dem Sieger der regulären Saison, die Munich Spatzen, und den Augsburg Lions auch die Düsseldorf Firecats um die RTL-Moderatorin Mona Stevens und SG Kelkheim Lizzards das Finalticket.
"Walldorf hat die Quali verpasst und auch Mainz hatte es in der Hand, hat es am Ende aber nicht hingekriegt. Da merkt man: Die Leistungsdichte ist schon sehr hoch, da wird um diese vier Startplätze gekämpft", lobt Just die Leistungsdichte in der Liga. "Das Final Four in diesem Jahr wird nochmal hochwertiger als letztes Jahr."
Somit haben die Footballerinnen und Footballer, unter denen sich zahlreiche Nationalspieler befinden, es selbst in der Hand, Werbung für ihren Sport zu machen. Das Potenzial, noch mehr Menschen für den Sport zu begeistern, besteht auf jeden Fall.
smu