02.01.2019
Pittsburgh verpasst Play-offs und der nächste Star macht Ärger
Sechs Super-Bowl-Titel (Rekord), genügend Star-Power im Kader und einen erfolgreichen Trainer: Eigentlich müsste bei den Pittsburgh Steelers alles auf Erfolg getrimmt sein. Eigentlich. Denn einmal mehr kommt "Steel City" nicht ans Ziel der eigenen Pläne, verpasst sogar die Play-offs nach starkem Start. Und jetzt? Jetzt produziert der nächste Superstar mächtig Ärger.
Geglaubt hat das Team noch an sich, ohne Frage. Kurz nachdem Pittsburgh am vergangenen Sonntag nahe des Mount Washington im heimischen Heinz Field mit 16:13 gegen NFC-North-Rivale Cincinnati die Oberhand behalten hatte, sangen die stolzen Steelers-Fans plötzlich lautstark "Let's go Browns" - und auf dem Rasen knieten und beteten die Spieler. Sie alle wollten aus der Ferne dabei helfen, dass in der eigenen Division Baltimore nicht gegen Cleveland gewinnt. Doch der Traum platzte, die Browns kamen trotz aller Mühen nur zum 24:26 - und somit zogen die Ravens mit 10:6 in die Play-offs ein . Im Heinz Field blieben da nur noch traurige, lange und bitter enttäuschte Gesichter übrig - inklusive der Erkenntnis, es einmal mehr trotz eines starken Teams nicht bis in den Super Bowl geschafft zu haben.
Fast schon trotzig nährte im Anschluss ein offenbar doch noch kampfeslustiger Ben Roethlisberger die Hoffnung, es kommende Saison und damit elf Jahre nach dem letzten Titel doch noch einmal ins Endspiel zu schaffen. Der 36-jährige "Big Ben" (Sieger 2005/06 und 2008/09), in den vergangenen Jahren immer wieder mit Rücktritts-Gedanken auffällig geworden, sagte: "Ich glaube, unser Fenster ist noch nicht zu."
Das mag aus vielerlei Hinsicht stimmen: Roethlisberger selbst hat mit 5129 erworfenen Yards alle anderen Quarterbacks dieser Liga übertroffen und verbuchte außerdem sehr gute 34 Touchdown-Pässe (16 Interceptions, sieben Fumbles). Der Verlust des dauerstreikenden Running Backs Le'Veon Bell (26), der eine komplette Saison ausgesetzt hatte, dessen Spint schon geräumt war und der woanders unterkommen möchte, konnte außerdem bestens mit dem 23-jährigen James Conner (973 Yards, zwölf Touchdowns) kompensiert werden. Und die Abwehr um Linebacker T.J. Watt (Bruder von Houstons Ass J.J. Watt), der es auf 13 Sacks und sechs Forced Fumbles brachte, lieferte regelmäßig ab.
Doch immer wieder taten sich während der Saison Meldungen auf, wonach Trainer Mike Tomlin die Kabine teilweise verloren haben soll. Jener Tomlin, der seit 2007 Trainer ist und es auf eine überragende Gesamtbilanz von 125:66:1 bringt. Und jener Tomlin, der vor Week 17 auch noch das zu verdauen hatte: Sein Star-Receiver Antonio Brown, seit 2010 im Team, hatte für Krach gesorgt, gehörte dem Kader deswegen beim finalen Spiel gegen Cincinnati nicht an und verließ diese Partie auch noch in der Halbzeit - angezogen mit einem Pelzmantel, nicht mit der Teamkleidung.
Hintergrund: Der 30-jährige Brown soll in der vergangenen Woche nach Unstimmigkeiten mit "Big Ben" und dem Coach inklusive des Wegschleudern des Balls das Training abgebrochen und an den folgenden Tagen unentschuldigt gefehlt sowie das offizielle Team-Meeting geschwänzt haben. Er beklage laut Berichten der "Pittsburgh Post-Gazette" und "ESPN" die Wertschätzung des Teams ihm gegenüber. Dazu noch das: Der NFL-Superstar (mit 15 Touchdowns bester Receiver der Liga) hat die Pittsburgh Steelers laut Reporter Jason La Canfora von "CBS Sports" um einen Wechsel gebeten. Grund sei das schon länger belastete Verhältnis zu Quarterback Roethlisberger, der seinerseits Brown als "engen Freund" bezeichnet, und Head Coach Tomlin.
Sollte es dazu kommen, wäre dies ohne Frage ein absoluter Hammer im American Football - und eine mögliche heiße Transferangelegenheit, um die sich im Anschluss alle 31 anderen NFL-Teams reißen dürften. Allerdings gilt es als äußerst unwahrscheinlich, dass Steelers-Owner Art Rooney einem Brown-Trade zustimmt - zumal eben mit Bell schon einer der legendären "Triple B's" (Bell, Brown, Big Ben) nicht mehr existent ist.
Wie es nun trotzdem in Sachen Brown weitergeht, ist offen. Insgesamt brachte es der Top-Athlet, der rein sportlich als unverzichtbar gilt, auf bärenstarke 104 Catches für 1297 Yards und 15 Touchdowns - seine sechste 100-Catch-Saison in Folge ist NFL-Rekord. In den sozialen Netzwerken und in US-Medien wird jedoch fleißig über einen möglichen Trade spekuliert - mit San Franciscos Tight End George Kittle hatte Brown sogar eine kurze Twitter-Konversation.
Es ist auch nicht das erste Mal, dass Brown für Ärger sorgt: Allein in dieser Saison hatte er einen Reporter bedroht, außerdem Steelers-Angestellte in den sozialen Medien attackiert und sich an der Seitenlinie in Week 2 ungebührend verhalten. Über öffentliche Kritik von Roethlisberger nach der Niederlage gegen Denver aus Week 12 sei Brown mächtig angefressen gewesen. Obendrein läuft ein Strafverfahren, weil der Cover-Star des Spiels "Madden" in Florida Möbel aus dem 14. Stockwerk eines Apartments geworfen haben soll.
"Es ist eine schwierige Situation", sagte ein anonymer Spieler "ESPN". "Man weiß einfach nicht, was man denken soll. Es ist schwierig, mit solchen Themen umzugehen." Und Trainer Tomlin gab am Mittwoch an: "Im Endeffekt zählt, dass er sich vor diesem letzten wichtigen Spiel für uns nicht gut verhalten hat, er hat einen Mangel an Kommunikation gezeigt und war in den finalen Stunden nicht erreichbar. Deswegen herrscht eine große Enttäuschung, das ist klar." Doch der Spieler habe nicht nach einem Trade gefragt - "und ich habe längst gelernt, dass ich meine persönlichen Gefühle in diesem Business außer Acht lassen soll. Das ist auch besser so."
Die Zukunft wird zeigen, was passiert. Sicher ist: Die Pittsburgh Steelers werden sich einmal mehr wappnen und wie jedes Team in einigen Bereichen neu aufstellen müssen. Ob Brown, der sogar eine Verletzung vorgetäuscht, eine angesetzte Kernspintomographie (Knie-Untersuchung) bewusst ausgelassen und seinen Agenten vorgeschickt haben soll, dabei eine Rolle spielen wird, ist Stand jetzt unklar.
mag