04.11.2019
Defense von New England findet kaum Mittel in Baltimore
Die erste Hälfte der Regular Season haben die New England Patriots ohne große Probleme überstanden und alle acht Partien gewonnen. Die Sunday-Night-Hürde bei den Baltimore Ravens war für Tom Brady & Co. allerdings nicht zu überwinden (20:37). So brachen ihre Top-Statistiken ein - und es stellt sich eine Frage.

In den ersten acht und zugleich erfolgreichen Duellen dieser NFL-Saison hatte die Defense der Patriots Top-Werte aufgestellt - und so für Vergleiche mit den besten Abwehrreihen der Football-Geschichte gesorgt. 7,6 Punkte pro Spiel, 234 zugelassene Total Yards oder 85 zugelassene Rushing Yards im Schnitt pro Spiel waren schlichtweg herausragende Zahlen für Cornerback Stephon Gilmore, Linebacker Jamie Collins, Safety Devin McCourty & Co.
Im Sunday Night Game bei den Baltimore Ravens kassierte der amtierende Titelträger allerdings eine erste herbe Breitseite: Beim verdienten 20:37 ließ New England 26 First Downs zu und kassierte 372 Total Yards (162 über Pässe, 210 über Läufe). Einziger großer Ertrag der Abwehr? Zwei eroberte Fumbles, einer davon nach einem Muff im Anschluss an einen Punt.
Hauptausschlaggebender Punkt bei den Ravens war neben Running Back Mark Ingram (115 Yards Rushing) allen voran ein Mann, den New Englands Head Coach Bill Belichick im Vorfeld der Partie als "das Problem" bezeichnet hatte: Lamar Jackson. Der erst 22-jährige Quarterback, der ohnehin als "Laufwunder" schon seit vergangenem Jahr bekannt ist, stellte die Abwehr des Meisters vor eine unlösbare Aufgabe. Jackson agierte fehlerlos, warf für 163 Yards und einen Touchdown und rannte zweimal selbst in die Endzone. Dabei ließ er reihenweise Gegenspieler mit eleganten Bewegungen ins Leere laufen und so wie Amateur-Gegner in Videospielen aussehen. Die logische Folge waren "MVP"-Rufe von den Rängen des mit 71.157 Zuschauern besetzten M&T Bank Stadium.
Und Loblieder seines Gegenübers Tom Brady (285 Yards, einen TD, eine Int.), die der sechsmalige Super-Bowl-Sieger noch live auf dem Feld aussprach: "Großartiges Spiel von dir, Junge! Meinen Glückwunsch!"
Trainer Belichick ging im Anschluss dagegen eher mit seinem Team ins Gericht und teilte mit: "Wir haben heute in keiner Weise Normalform erreicht. Auch das Coaching war sicherlich nicht gut. Wir müssen aber auch die Leistung der Ravens anerkennen, sie haben viele Waffen."
Während die Ravens mit diesem Erfolg den vierten Sieg in Serie einfuhren, nun bei 6:2 stehen und einfach ihren Spielmacher Jackson feiern (Earl Thomas: "Er spielt Football wie ein MVP und hebt sich vom Rest ab"), müssen die Patriots erstmals Wunden lecken. Und mit der durchaus aufkommenden Kritik leben, sich nach acht relativ einfachen Gegnern zu Saisonbeginn (Steelers, Dolphins, Jets, Bills, Redskins, Giants, Jets, Browns) erstmals die Zähne ausgebissen zu haben.

Schließlich hatten die Patriots letztmals 37 oder mehr Punkte in der Fremde im Jahr 2014 in Week 4 zugelassen (14:41 in Kansas City). Zugleich schaffte Jackson erstmals seit 2015 (Tim Tebow) wieder das Kunststück, in einem Spiel gegen New England zweimal selbst in die Endzone zu laufen.
"Das ist nicht das erste Spiel, das wir verloren haben", zeigte sich Safety Devin McCourty direkt im Anschluss der Partie trotzig nach dem Ende der Serie von 13 Siegen in Folge (seit Dezember 2018). "Wir müssen an unseren Fehlern von heute arbeiten und uns fürs nächste Spiel (nach Bye-Week bei den Philadelphia Eagles am 17. November gefordert) bessern. Das ist doch ganz normal und läuft immer gleich."
mag