11.11.2019
Quarterback der Baltimore Ravens begeistert die Football-Fanschar
Lamar Jackson ist seit zwei Jahren Teil der NFL, hat vergangenes Jahr den Posten des Starting Quarterbacks bei den Baltimore Ravens erobert - und sich schon da als Laufwunder gezeigt. Was der 22-jährige Sophomore aber aktuell von Woche zu Woche darbietet, ist allererste Sahne. Würde jetzt schon der MVP der Regular Season gekürt werden, die "LJ Era" würde es wohl werden.

Der aus Pompano Beach/Florida kommende Lamar Jackson hat nach starken College-Auftritten für Louisville die Heisman Trophy gewonnen, ist 2018 im NFL-Draft in der 1. Runde an 32. Stelle von den Baltimore Ravens gezogen worden und hat im Verlauf seiner ersten Saison Stamm-Quarterback Joe Flacco auf die Bank verdrängt. So weit, so gut - und ein besonders steiler Karrierebeginn für den Spielmacher.
Was aber 2018 aufgefallen ist: Bei all seinem läuferischen Talent (695 Rushing Yards und fünf Touchdowns in 16 Einsätzen) ist sein Passspiel noch deutlich ausbaufähig gewesen (1201 Yards, sechs TDs, drei Interceptions) - was sich besonders in den Play-offs in der Wild-Card-Round gegen die Los Angeles Chargers gezeigt hat (17:23). Jacksons Arbeitsnachweis in diesem Spiel: Fehlentscheidungen en masse, drei Fumbles und massig Pfiffe von den Rängen.
Das damalige Entsetzen ist aber längst einer Jubelarie, die weltweit Football-Anhänger singen, gewichen - und die Fans der Ravens stimmen längst nur noch lautstarke MVP-Gesänge an. Warum? Ganz einfach: Jackson übertrifft selbst die kühnsten Erwartungen im Vorfeld dieser Saison, glänzt von Woche zu Woche und macht auch vor großen Gegnern nicht halt. Vergangene Woche beim 37:20 gegen die New England Patriots hat er die gesamte Defense des amtierenden Meisters ganz alt aussehen lassen und sich hinterher ein Loblied vom sechsmaligen Super-Bowl-Sieger Tom Brady abgeholt: "Großartiges Spiel von dir, Junge!"
Nun ist ein weiterer Gala-Auftritt gefolgt: Baltimore hat mit einem überdeutlichen 49:13-Blowout bei den weiterhin sieglosen Cincinnati Bengals (0:9) zugeschlagen, wobei Jackson unter anderem mit vier Total Touchdowns erstmals in seiner noch jungen, zweijährigen NFL-Karriere bereits zum zweiten Mal in dieser Saison das perfekte Passer Rating von 158,3 hinbekommen hat.

Jackson ist damit neben Aaron Rodgers (2019) und Hall-of-Famer Joe Montana (1989) einer von lediglich drei Spielern in der Super-Bowl-Ära, denen mindestens drei Touchdown-Pässe, ein Rushing-Touchdown und die perfekte Wertung in einem Spiel mit mindestens 15 Zuspielen gelungen ist. In einer Saison gleich zweimal 158,3 zu erreichen, ist bislang lediglich Ben Roethisberger von den Steelers (2007) geglückt.
Doch nicht nur das: Der Jungspund, der derzeit wirklich als heißester Anwärter auf den MVP-Titel 2019 gehandelt wird, hat in diversen Statistiken auch bestens bekannte Namen übertroffen. Jackson hat nach 16 Karrierestarts bereits 13 Siege vorzuweisen (einen mehr als Chiefs-Ass Patrick Mahomes), kommt in diesen 16 Partien auf 1258 Rushing Yards (überholt damit die 1236 vom früheren Chargers-Top-Running-Back LaDainian Tomlinson), auf ein Passer Rating von 94,4 (New Englands Brady bei 90,1), auf 7,6 Yards pro Passversuch (Packers-Star Aaron Rodgers bei 7,5) und auf eine Completion Percentage von 63 Prozent (Saints-Spielmacher Drew Brees bei 61 Prozent).
"Es ist einfach unglaublich. Er verändert unser Spiel", sagt zu all diesen Leistungen Ravens-Guard Marshal Yanda. Running Back Mark Ingram stimmt mit ein und verweist bei seinem Loblied auf eine fabelhafte Aktion vom Sonntag, als die "LJ Era" bei einem Lauf durch die gegnerische Abwehr mit Speed und einem Spin-Move alle Gegner nass gemacht hat: "Ich glaube, das war das Verrückteste, was ich jemals auf dem Football-Feld erlebt habe. Doch das ist Lamar. Das ist schon etwas Besonderes." Und was empfindet Trainer John Harbaugh? "Das ist ein großartiger Tag für ihn." Mal wieder. "Er überrascht dich einfach immer wieder. Ich denke, dass sie diesen Run über Jahrzehnte ansehen werden. Das wird jeder im ganzen Land bis morgen gesehen haben. Das ist einfach etwas Außergewöhnliches. Das ist höchst selten."
Jackson selbst hat den Augenblick in jedem Fall einmal mehr genossen, mit Spielern und Fans gefeiert - und sich noch am Spielfeldrand mit einer Sonnenbrille ausgestattet. Kollegen haben sich dabei schnell mit eingereiht und eine Reihe von "Sonnenanbetern" gebildet. Passende Bilder für eine aktuell glänzende, goldene Phase der Ravens um Jackson.
Wie wird das Passer Rating ermittelt?
In der NFL wird das Quarterback Rating seit 1973 erfasst, der bestmögliche Wert ist 158,3 - der schlechteste 0. Gerechnet wird dabei mit einer komplizierten Formel, die sich aus den vier Variablen a, b, c und d zusammensetzt: Der Prozentsatz der erfolgreich an den Receiver gebrachten Pässe (Completion Percentage), die gewonnenen Yards pro Passversuch (Yards per Attempt), die Touchdowns pro Passversuch (Touchdowns per Attempt) und die Interceptions pro Passversuch (Interceptions per Attempt). Die Einzelwerte werden nach ihrer Berechnung auf mindestens 0 und höchstens 2,375 begrenzt. Am Ende werden die ermittelten Variablen miteinander addiert, durch die Zahl 6 dividiert und das Ergebnis mit 100 multipliziert. Das Ergebnis dieser Berechnung ist das Passer Rating.
In Jacksons Beispiel sieht das wie folgt aus:
Completion Percentage ist a: (88,235 Prozent angebrachte Pässe minus 30) * 0,05 = 2,912 = 2,375 (Obergrenze)
Yards per Attempt ist b: (13,117 Yards pro Wurf minus 3) * 0,25 = 2,529 = 2,375 (Obergrenze)
Touchdowns per Attempt ist c: 17,647 Touchdown-Prozentquote pro Wurf * 0,2 = 3,529 = 2,375 (Obergrenze)
Interceptions per Attempt ist d: 2,375 minus (0 Interception-Prozentquote pro Wurf * 0,25) = 2,375 (Obergrenze)
(a + b + c + d) geteilt durch 6 = 1,583 mal 100 = 158,3
mag