05.12.2019
Quarterback der Green Bay Packers "spielt nicht für immer"
Aaron Rodgers ist kürzlich 36 Jahre alt geworden - und weiß selbst: "Ich werde nicht für immer spielen." Das bedeutet aber nicht, dass der in dieser Saison wieder aufdrehende "Gunslinger" aus Green Bay unmittelbar ans Aufhören denkt. Er habe vielmehr wieder richtig Spaß am Football und bemüht einen Golf-Vergleich.

Der vergangene Spieltag verlief ganz nach dem Geschmack der Green Bay Packers: Die Käsestädter selbst gewannen bei den künftig wohl wieder mit Eli Manning spielenden New York Giants mit 31:13, während NFC-North-Rivale Minnesota das Monday Night Game bei den Seattle Seahawks mit 30:37 verlor - und dadurch Vikings-Quarterback Kirk Cousins seine Horrorbilanz ausbaute.
Im Klartext bedeutete das: Die Packers schraubten ihre Bilanz auf 9:3 hoch und behaupteten so Platz 1 in der NFC North vor Verfolger Minnesota (8:4), bei dem noch einmal in Week 16 gespielt werden muss. Wie wichtig der erste Divisionssieg seit 2016 und damit verbunden das erste Endrunden-Ticket seit 2016 für das 100-jährige Team aus Wisconsin wäre, liegt auf der Hand: "The Pack" hätte zum Start in die Play-offs definitiv ein Heimspiel im heimischen und heiligen Lambeau Field.
Was das bedeutet? Jeglicher Gegner müsste mit der Kälte und etwaigem Schneefall klarkommen, was auf der anderen Seite für die Packers quasi Normalität ist. Beispiele gefällig? Mitte November hatte Green Bay bereits beim ersten Winterspiel dieser Saison mit 24:16 gegen die Carolina Panthers zugeschlagen und Star-Quarterback Aaron Rodgers im Anschluss gesagt: "Das ist unser Wetter. Wir lieben das! Das ist für jeden Gegner eine Herausforderung, hier zu bestehen - und für uns fühlt sich das wie Zuhause an." Am vergangenen Sonntag avancierte der im kalifornischen Chico geborene und als 49ers-Fan aufgewachsene Rodgers gar zum Schneekünstler - und warf gegen eine verdutzte Giants-Defense vier saubere Touchdown-Pässe.
Dass der Kalifornier dabei selbst nicht fröstelt, liegt natürlich an seiner Anpassung in all den Jahren. "A-Rod", im NFL-Draft 2005 nicht wie erwartet an der ersten Stelle von San Francisco gezogen und stattdessen mit dem 24. Pick als Nachfolger der inzwischen 50-jährigen Legende Brett Favre gedraftet, hat Green Bay in sich aufgesogen und seine DNA daran adaptieren lassen.
Nur so sind auch folgende Zahlen zu erklären: Auch dank der vielen erfolgreichen Jahre unter Rodgers hat Green Bay die höchste Gewinnrate von allen NFL-Teams bei Dezember-Spielen (über 60 Prozent), der Spielmacher selbst hat in den Monaten Dezember und Januar gar eine persönliche Bilanz von 31:15 (fast 70 Prozent). Außerdem: Rodgers hat in all diesen Winterspielen, die auswärts natürlich auch mal unter einem Dach stattfinden (am 4. Dezember hat sich zuletzt Rodgers' grandiose Hail Mary und damit das Wunder von "Motor City" bei den Detroit Lions zum vierten Mal gejährt), eine Statistik von 968 angebrachten von 1511 versuchten Pässen (64 Prozent), 11.675 Yards und 87 Touchdowns bei nur 23 Interceptions.
Rodgers ist sich seiner Verantwortung fürs Team in dieser Phase bewusst, hat kürzlich in der Kabine den anwesenden Medien mit einem Grinsen gesagt: "In der Offensive muss ich die Führung übernehmen und im Dezember heiß laufen. Denn wir sind mit unserem Team mittendrin im Play-off-Rennen - und brauchen jetzt bedeutende Spiele im Dezember."

So sicherlich auch am kommenden Sonntag (19 Uhr MEZ), wenn die fast ausgeschiedenen Washington Redskins (3:9) auf dem Lambeau Field aufschlagen. Also in dem Stadion, das derzeit von ordentlichem Schneefall heimgesucht wird und von den begeisterten "Cheeseheads", die sich als freiwillige Helfer Jahr für Jahr engagieren, freigeschippt wird. Genau diese Anhängerschaft, diese seit Jahrzehnten etablierte Verbundenheit zwischen Team und der 100.000-Einwohnerstadt sind eben auch für Rodgers der Schlüssel: "Wir brauchen die Unterstützung unserer Fans. Sie sollen früh aufstehen, rausgehen und das Tailgating in Gang bringen. Lasst das 'PBR' (Pabst Blue Ribbon - Bier; Anm.d.Red.) fließen - oder auch 'Leine's', 'Miller', was immer ihr mögt. Und brüllt bis zum Kickoff, was das Zeug hält."
Vorfreude pur also beim "Gunslinger", der in dieser Saison bei über 3000 Yards sowie 22 Touchdowns bei nur zwei (unglücklichen) Interceptions steht und sich überhaupt nur vier Interceptions bei seinen letzten 1010 Zuspielen erlaubt hat. Woher dieser Spaß kommt? Vom an etlichen Stellen erneuerten Team, von dem er schon im Frühling begeistert gewesen sei und deswegen selbst noch härter gearbeitet habe: "Jeder der Jungs hat seine Aufgabe klar angenommen. Das hat uns als Kollektiv besser gemacht sowie zu einer Einheit geformt - und als Team besser gemacht."
Diesem Team wird der 36-jährige Quarterback natürlich nicht mehr ewig angehören, wie er selbst mitteilt. Denn der zweimalige MVP, der in 177 Regular-Season-Spielen bei gerade einmal 82 Interceptions steht und der schnellste NFL-Spielmacher mit 300 sowie 350 Touchdown-Pässen ist (aktuell bei 360), sagt als passionierter Golfer Folgendes: "Ich kann das 18. Loch sehen." Bei welchem Loch auf dem 18er Kurs er denn dabei stehe? "Ich befinde mich schon auf dem Turn", also auf dem "Rückweg" nach Loch 9. Der einmalige Super-Bowl-Sieger Aaron Rodgers werde schließlich "nicht für immer spielen".
mag