12.10.2020
Quarterback des Washington Football Teams spielt wieder
Das Spiel verloren? Nebensächlich. Vielmehr freuten sich Alex Smith, seine Familie, seine Mitspieler und viele weitere über sein unglaubliches Comeback nach 693 Tagen und 17 Operationen.

Als Alex Smith das schier Unmögliche tatsächlich vollbracht hatte, führte Töchterchen Sloan auf der Tribüne vor Freude ein kleines Tänzchen auf. Der Quarterback des Washington Football Teams kehrte am Sonntag vor den Augen seiner glückseligen Familie ein wenig unverhofft in die NFL zurück. Vor zwei Jahren hatte er noch um sein Leben gerungen.
Insgesamt 17-mal musste der 36-Jährige, der als First-Overall-Pick aus dem NFL-Draft 2005 schon für die San Francisco 49ers (2005-2012) und die Kansas City Chiefs (2013-2017) gespielt hatte, wegen seiner Horror-Verletzung auf den OP-Tisch. Aggressive Bakterien fraßen Fleisch und Haut seines rechten Beins, das ihm am 18. November 2018 im Spiel gegen die Houston Texans zertrümmert worden war. Die Wundentzündungen kosteten Smith beinahe das Leben.
Und nun? Schaffte er 693 Tage später das "unmögliche Comeback" (Washington Post). "Wir waren an einem Punkt, an dem wir nicht sicher waren, dass er gehen und leben kann", sagte Ehefrau Elizabeth. Erstmals wieder einen Pass in der NFL zu werfen, wieder in der besten Football-Liga der Welt zu spielen, das sei für Smith "am Anfang sehr surreal" gewesen.
Es sei "fast ein Segen, dass es so schnell ging", sagte Smith. Eigentlich ist er in Washington nur die Nummer 3 in der Quarterback-Hierarchie - doch Dwayne Haskins fehlte krank wie aussortiert, Kyle Allen verletzte sich dann im Spiel. Und so kam Smith zum Zug. Dass er neun von 17 Pässen für nur 37 Yards Raumgewinn an den Mann brachte und sein Team gegen die Los Angeles Rams mit 10:30 verlor? Nebensächlich.
Für Smith gab es nur ein Motto: "Einfach nicht nachdenken, rausgehen und spielen". Spielen. Daran hatte er nach der fürchterlichen Verletzung zwei Jahre zuvor lange nicht denken können. Damals verdrehte es ihm bei einem Tackle den Unterschenkel, dieser konnte dem Druck nicht standhalten. Röntgenaufnahmen zeigten damals gleich mehrere Frakturen im Schien- und im Wadenbein, teilweise offen, Smith kam sofort auf den OP-Tisch. Erst lief alles glatt, beim Eingriff wurden drei Platten und mehr als 20 Schrauben eingesetzt, eigentlich sollte er schon zwei Tage später entlassen werden. Die Infektion änderte alles: Nach acht Wundausscheidungen, bei denen tote Haut und Muskulatur entfernt wurde, war alles so weit wieder unter Kontrolle. Und nach einer langwierigen Reha, seinem Comeback im Roster in dieser Preseason sowie seiner Rückkehr auf das Feld an diesem Sonntag (11. Oktober) ist das alles wie weggewischt. Smith hat diesen Kampf schon gewonnen.
mag/sid