10.01.2021
NFL, Play-offs 2021, Wild Card Round: Seattle macht zu viele Fehler
Den Los Angeles Rams ist beim direkten NFC-West-Rivalen Seattle trotz eigener Quarterback-Probleme ein echter Coup gelungen. Das Team um "Sack"-Maschine Aaron Donald ließ die Seahawks beim 30:20 kaum aufkommen, stellte Star-Quarterback Russell Wilson kalt und machte in wichtigen Phasen die Punkte. Stichwort: Halbzeitführung.

Mit Quarterback-Sorgen waren die Los Angeles Rams ins Gastspiel in Seattle, dem bestens bekannten NFC-West-Rivalen (23:16 und 9:20 in der Regular Season), gegangen. Denn der seit einigen Tagen am Daumen verletzte und dort sogar vor einer Woche ambulant operierte Starter Jared Goff konnte nicht von Beginn an eingesetzt werden, stattdessen musste der dritte Ersatzmann John Wolford ran ans Werk.
Der 25-Jährige, der eigentlich aufgrund fehlender Chancen zuletzt seine Karriere als Finanzexperte weiter forciert und sein "LinkedIn"-Profil wieder zu "Quarterback der Rams" geändert hatte, konnte jedoch nicht lange mitwirken (nur sechs Pässe, drei angebracht für 29 Yards). Denn nach einem durchaus üblen wie nicht geahndeten Hit von Seahawks-Safety Jamal Adams musste Wolford früh am Nacken behandelt und mit Nackenstütze sogar sofort ins Krankenhaus gefahren werden. Die Folge: Der eigentliche Anführer Goff musste mit Daumen-Bandage doch schnell rein ins Team und das Zepter übernehmen.
Wenig verwunderlich passierte in dieser turbulenten Anfangsphase wenig Glänzendes (3:3 nach zwei Field Goals bis zehn Minuten vor Ende des zweiten Viertels) - zumal auf der anderen Seite auch Hawks-Quarterback Russel Wilson wenig zusammenbrachte. Die Rams-Defense um Aushängeschild Aaron Donald reihte gleich drei "Sacks" aneinander.
Dann aber nahm die Partie richtig an Fahrt auf - mit klaren Vorteilen für die Gäste aus L.A. bis zur Pause. Erst folgte ein Field Goal zum 6:3, ehe Darious Williams eine Interception gegen Wilson verzeichnete und diese zudem direkt über 42 Yards zum "Pick Six" in die gegnerische Endzone trug - 13:3. Zwar antwortete Wilson prompt mit einem starken 51-Yard-Touchdown auf Top-Receiver DK Metcalf zum 10:13-Anschluss, doch 1:57 Minuten vor dem Zwischengang in die Kabinen lief der starke Running Back Cam Akers über fünf Yards zum Touchdown. Mit einem 20:10-Vorsprung gingen die Rams also in die Pause, auch Goff hatte zu diesem Zeitpunkt etwas reingefunden (95 Yards).

In den Quartern drei und vier wurde in der Folge auch wieder ein irrer Fakt erneut auf die Probe gestellt: Denn seit der erst 34-jährige Sean McVay den Head-Coach-Posten in Los Angeles im Jahr 2017 übernommen hat, haben seine Mannschaften nach Pausenführungen eine Siegesbilanz von 36:0!
Und 30 gespielte Minuten sollte McVay ein 37:0 in der eigenen Vita stehen haben. Warum? Weil in einer laufintensiven Partie die Rams-Abwehr weiterhin Seattles Offensive und allen voran Wilson nicht aufkommen ließ und lediglich ein 52-Yard-Field-Goal von Kicker Jason Myers zuließ (13:20). Auf der anderen Seite liefen derweil Los Angeles' Running Backs Malcolm Brown (neun Carries, 30 Yards) und besonders Akers (28 Läufe für ganze 131 Yards plus TD) reihenweise, zermürbten die Seahawks so komplett. Da machte es auch nichts, dass die Gäste zunächst nur dank Kicker Matt Gay auf 23:13 erhöhten (36 Yards).
Als dann auch noch Hawks-Returner D.J. Reed einen Rams-Punt nach Catch und kurzem Antritt in einen Fumble "verwandelte", war L.A. der Sieg nicht mehr zu nehmen. Und zwar auch, weil Spielmacher Goff & Co. 4:46 Minuten vor Schluss einen Lauf antäuschten, doch stattdessen einen Touchdown-Pass auf den freistehenden Receiver Robert Woods (15 Yards) zelebrierten, und weil der Angriff Seattles nie richtig in Schwung kam. Zwar fand Wilson (nur 174 Yards, zwei TDs, eine Int.) nochmals Metcalf für zwölf Yards zum 20:30-Touchdown-Anschluss, weil aber ein Onside-Kick nicht gelang, zu wenig Zeit auf der Uhr übrig war und Wilson kurz vor Schluss nochmals entscheidend einen "Sack" (fünf "Sacks" insgesamt, zwei allein von Donald) kassierte, war die Messe mit 20:30 gelesen.
Während es nun interessant sein wird, wie es auf der Quarterback-Position in Kalifornien weitergehen wird (Goff kam nur auf 155 Yards, einen Touchdown und hielt sich außerdem immer wieder den Daumen; Blake Bortles wäre die Alternative), muss das zu Beginn der 2020er Saison so stark gestartete Seattle eine seit Wochen andauernde Schwächephase analysieren und sich für 2021/22 verbessern, zumal das Team von Head Coach Pete Carroll bis dato zehn Play-off-Heimspiele am Stück gewonnen hatte (nur Packers mit 13 und Patriots mit elf haben bislang eine längere Serie gehabt).
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