26.12.2021
NFL, Week 16: Brady trotzt Verlusten, Rams Fehlern
Joe Burrow legte an diesem NFL-Sonntag einen Auftritt für die Geschichtsbücher hin und verpasste den Ravens damit einen heftigen Nackenschlag. Tom Brady hatte auch ohne so einige Stammkräfte kein Problem - und die Buffalo Bills hielten die New England Patriots in dieser Weihnachts-Week 16 in Schach.

Diese Regular Season der Patriots ist und bleibt eng verbunden mit dem Namen Mac Jones. Der Rookie-Quarterback, im Draft in der 1. Runde an Position 15 gezogen, hievte das nach dem Abschied von Tom Brady kurz in die Bedeutungslosigkeit abgerutschte Team schließlich nach leichten Anpassungsschwierigkeiten zu Saisonbeginn beeindruckend zurück an die Spitze der Liga.
Gerade unter Druck zeigte der 23-Jährige dabei immer wieder, dass er angeleitet von Trainergenie Bill Belichick der zuverlässigste neue Spielmacher dieses Jahres ist. Nicht aber dieses Mal beim Weihnachtsduell mit dem direkten, starken und lauernden AFC-East-Rivalen Buffalo: Jones erreichte mit nur 14 von 32 angebrachten Pässen magere 145 Yards und keinen Touchdown und erlaubte sich zudem zwei Interceptions. Das alles mündete trotz einer spät versuchten Aufholjagd in eine 21:33-Heimniederlage und den Umstand, dass beide nur bei 9:6 stehenden Teams die Plätze in der Division tauschten. Fortan führen die Bills die AFC East vor den Pats an.
Der größte Trumpf Buffalos war neben Receiver Isaiah McKenzie (125 Yards, ein TD) allen voran Spielmacher Josh Allen, der keine Fehler machte und mit seinen 314 Yards Passing und 64 Yards Rushing plus drei Touchdown-Pässen Geschichte schrieb. Kein Spieler vor ihm schaffte es, in den jeweils ersten vier NFL-Jahren mehr als 100 Touchdown-Würfe mitsamt mehr als 20 Touchdown-Läufen zu verzeichnen. Allen steht nun bei 101 TD-Pässen und 29 TD Rushes.
Top-Receiver Chris Godwin hatte sich vergangene Woche beim 0:9-Shutout der Buccaneers gegen die Saints, der ersten üblen Tom-Brady-Niederlage nach langer Zeit, das Kreuzband gerissen. Obendrein fielen vor dem Vergleich bei den Carolina Panthers auch noch Running Back Leonard Fournette und die ganz wichtige Anspielstation Chris Evans für Tampa Bay aus.
Für den amtierenden Super-Bowl-Champion (11:4) aber alles kein Problem, wie sich herausstellen sollte: Brady höchstpersönlich orchestrierte seine Offensive mit 232 Passing Yards und einem Touchdown-Pass (keine Interception) zuverlässig übers Feld und konnte sich neben Rückkehrer Antonio Brown (Sperre nach Impf-Lüge abgesessen), der es auf starke 101 Yards mit zehn Catches brachte, auch auf Ke'Shawn Vaughn verlassen. Der Läufer marschierte noch im ersten Viertel über stolze 55 Yards in die Endzone, was in seinem zweiten NFL-Jahr sein erster Touchdown und zugleich der längst TD-Run der Bucs war.
Am Ende stand gegen den abermals mit den Carolina Panthers (5:10) verlierenden und später auf die Bank verfrachteten Cam Newton (nur 61 Yards Passing, 42 Yards Rushing und eine Interception neben keinem Touchdown) ein klares 32:6. Der erste Titel in der NFC South seit 2007 war damit in der Tasche. Zugleich sicherte sich Tampa Bay endgültig das Play-off-Ticket und hielt obendrein Schritt mit den Green Bay Packers (12:3) im Kampf um das eine Freilos sowie das komplette Heimrecht in der NFC.
Einen weihnachtlichen Alptraum bescherte ein gewisser Joe Burrow den Baltimore Ravens (8:7), die in der AFC North plötzlich stark um die Play-off-Teilnahme bangen müssen. Ohne Stamm-Quarterback Lamar Jackson (Sprunggelenk) und auch ohne dessen Vertreter Tyler Huntley (COVID-19) hatte das Team von Head Coach John Harbaugh offensiv nämlich rein gar nichts entgegenzusetzen.

Dabei hielt der 35-jährige Ersatzmann Josh Johnson mit 304 Yards und zwei Touchdowns (eine Interception) durchaus viel parat. Doch Burrow eben rockte die Show schier nach Belieben. Unfassbare 525 Passing Yards plus vier Touchdowns waren zu viel für Baltimore, das letztlich mit 21:41 gegen den direkten Divisionsrivalen Cincinnati (9:6) unterlag.
Mehr als Burrows 525 Yards hatten in der NFL-Geschichte bislang nur Matt Schaub 2012 für die Houston Texans (527), Warren Moon 1990 für die nicht mehr existenten Houston Oilers - heute Tennessee Titans - (527) und Norm Van Brocklin 1951 für die Los Angeles Rams (554).
Auch wenn Matthew Stafford keinen guten Tag erwischte und mit teils sehr wilden Würfen gleich drei Interceptions fabrizierte (dazu nur 197 Yards und einen Touchdown-Pass), fuhren seine Rams (11:4) einen wichtigen 30:23-Erfolg bei den Minnesota Vikings (7:8) ein und brachten so die Play-offs zwei Spieltage vor Saisonende unter Dach und Fach. Es war bereits die vierte Endrundenteilnahme unter Head Coach Sean McVay in fünf Jahren für Los Angeles.
Die Vikes müssen derweil weiter um ein Ticket zittern und sich selbst vorwerfen, dass sie aus den drei Fehlwürfen Staffords selbst nicht genug gemacht hatten. Spielmacher Kirk Cousins leistete sich selbst einen Pick neben einem Fumble (315 Yards, ein TD) und musste mit zusehen, wie Rams-Profi Brandon Powell zwischenzeitlich einen Punt Return ohne gegnerischen Kontakt zurück in die Endzone trug.
Was war sonst noch los?
Überzeugend agierten übrigens auch zwei Deutsche an diesem Spieltag: Beim 16:20 der Detroit Lions (2:12:1) bei den Atlanta Falcons (7:8) trumpfte Wide Receiver Amon-Ra St. Brown einmal mehr auf. Der 22-jährige jüngere Bruder von Packers-Profi Equanimeous (25) verbuchte zwischenzeitlich von Ersatz-Quarterback Tim Boyle seinen inzwischen schon dritten Touchdown in dieser Saison - ausgebauter deutscher Rekord. Hinzu gesellten sich zudem 91 Yards mit neun Catches, womit St. Brown zum vierten Mal hintereinander in einem Spiel mehr als 70 Receiving Yards verzeichnete. Solch einen starken Rookie hatten die Lions in ihrer Geschichte nie seit dem NFL-Zusammenschluss 1970.
Seinen Durchbruch in der NFL feierte unterdessen Dominik Eberle. Der aus Nürnberg stammende Kicker stand aufgrund des COVID-19-Ausfalls von Stammkraft Ka'imi Fairbairn in der Startformation der Houston Texans (4:11) und verwandelte zunächst einmal alle fünf Extrapunkte beim deutlichen und überraschenden 41:29 gegen die um die Play-offs kämpfenden Los Angeles Chargers (8:7). Doch nicht nur das: Direkt sein erstes Field Goal jagte der 25-Jährige aus stolzen 51 Yards durch die Stangen. Aus 52 Yards sollte Eberle dann zwar verfehlen, dafür packte er später noch einen erfolgreichen Schuss aus 25 Yards obendrauf.
Zum Thema: Der aktuelle Play-off-Stand in der NFL - Packers und Cowboys als erste Teams qualifiziert
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