10.01.2022
NFL, Week 18: Titans bleiben ganz oben in der AFC
Zum ersten Mal in der Geschichte der NFL kam es in einer Regular Season zu Week 18. Und zu was für einer: Die Pittsburgh Steelers um ihren wohl aufhörenden Star-Quarterback Ben Roethlisberger zogen in der Verlängerung bei den Baltimore Ravens tatsächlich noch in die Play-offs ein. Warum? Weil die Indianapolis Colts gewaltig stolperten.

Damit war selbst für eingefleischte Jaguars-Fans, von denen sich viele an diesem Spieltag im TIAA Bank Field als Clowns bezüglich des negativen Saisonverlaufs verkleidet hatten, nicht zu rechnen: Jacksonville, das mit schwächste Team der gesamten NFL-Saison, dominierte das Spiel gegen die noch um die Play-offs ringenden Indianapolis Colts von Beginn an, führte zur Pause bereits 13:3 und gewann am Ende tatsächlich mit 26:11. Das Besondere dabei: Indy um einen schwachen Quarterback Carson Wentz, der sich abseits seiner überschaubaren 185 Yards und einem Touchdown-Pass eine Interception sowie einen fatalen Fumble geleistet hatte, wäre mit einem Sieg sicher in der Endrunde gestanden. So aber verspielte das Team alles - und das eben bei einem normalerweise absolut schlagbaren Gegner.
Die Jags ihrerseits versüßten sich ihren Saisonabschluss nach schweren und oft schwachen Wochen gleich doppelt: Denn einerseits absolvierte Spielmacher Trevor Lawrence, der Number One Pick des 2021er Drafts, seine vielleicht beste NFL-Leistung (223 Yards, zum ersten Mal seit Week 1 zwei TDs und zudem kein Fehler etwa in Form einer Interception). Andererseits verweilt die Mannschaft aus Florida trotz Erfolgs mit ihrer 3:14-Bilanz auf dem 32. Rang der Liga - und darf damit im diesjährigen Draft wieder als erstes zuschlagen.
Die äußert überraschende Pleite der Colts brachte die noch leicht auf einen Play-off-Platz schielenden Baltimore Ravens und Pittsburgh Steelers ins Rennen, die sich passenderweise parallel bei einem finalen direkten Duell gegenüberstanden.
Und hier beim womöglich letzten Regular-Season-Spiel von Legende Ben Roethlisberger, der sein Karriereende im Vorfeld angedeutet hatte, stand es nach einem sicher verwandelten Field Goal aus 46 Yards von Ravens-Kicker Justin Tucker 1:13 Minuten vor Ablauf der Uhr 13:13. Ein äußerst spannendes Finale hatte der zweimalige Super-Bowl-Champion "Big Ben" also vor Augen - und weil sowohl Pittsburgh als auch Baltimore in den finalen Sekunden zwar nochmals drankamen, aber nichts erreichten, ging es hier sogar in die Verlängerung.
In dieser stoppte zunächst die starke Defense aus "Steel City" den Angriff der Ravens um Lamar-Jackson-Vertreter Tyler Huntley (141 Passing Yards, 72 Rushing Yards, kein TD, zwei Int., ein Fumble), sodass Kicker Chris Boswell nach einem von "Big Ben" gut angeleiteten Drive aus 36 Yards den 16:13-Sieg eintütete. So verbesserte sich Pittsburgh auf 9:7:1 und zog dank des gleichzeitigen Patzers der Colts doch noch auf der letzten Rille in die NFL-Endrunde ein, da sich die Las Vegas Raiders im letzten Spiel der Regular Season in der Verlängerung gegen die Los Angeles Chargers durchsetzten und deren Saison damit beendeten. Ein Unentschieden hätte noch das Aus für die Steelers bedeutet.
Damit geht die seit 2004 andauernde Steelers-Reise für Roethlisberger (244 Yards, ein TD, eine Int.) mindestens noch eine Woche weiter, während Baltimore die ohnehin schier aussichtslose dreiprozentige Restchance auf die Play-offs verstreichen ließ und ausschied.
Mit einem gerade noch erreichten 28:24-Erfolg bei den bereits ausgeschiedenen Denver Broncos (7:10) hatten die Kansas City Chiefs mit ihrer 12:5-Bilanz nochmals Druck auf Tennesee gemacht. Die Titans um einen bestens aufgelegten Quarterback Ryan Tannehill, der mit 287 Yards seinen Saisonschnitt übertraf und zudem gleich vier Touchdown-Pässe warf, ließen sich davon aber nicht beeindrucken.
Zwar wehrte sich Außenseiter und Gastgeber Houston (4:13) nach Kräften und überraschte mitunter auch mit Spielmacher Davis Mills, der mit starken Aktionen ebenfalls stattliche drei Touchdowns beisteuerte (301 Yards, keine Int.), am Ende hieß es aber 28:25 für den Favoriten. Und dieser hielt damit mit seiner 12:5-Bilanz aufgrund des gewonnenen direkten Vergleichs gegenüber Kansas City (27:3 in Week 7) den ersten Platz in der gesamten AFC, der zugleich ein Freilos kommende Wild-Card-Woche sowie stetes Heimrecht darüber hinaus bedeutet.
Platz 1 in der AFC East - und damit Platz 3 im Wildcard-Ranking - sicherten sich die Buffalo Bills (11:6) durch einen 27:10-Erfolg gegen die New York Jets. Die New England Patriots (10:7) zogen bei den Miami Dolphins mit 24:33 den Kürzeren und müssen am Wildcard-Weekend nun in Buffalo antreten.

Obwohl die Packers (13:4) bereits als Erster der NFC vor diesem finalen Spieltag festgestanden waren, gingen Stars wie Aaron Rodgers oder Davante Adams ins Rennen bei den Detroit Lions (3:13:1) - zumindest zeitweise. "A-Rod" zum Beispiel verließ den Platz wieder nach 138 Yards und zwei Touchdown-Pässen bei der am Ende kassierten 30:38-Niederlage bei den Löwen - und könnte mit am Ende 4115 Yards, 37 Touchdowns bei nur vier Interceptions direkt wieder zum MVP der Liga gewählt werden.
Bei den Lions jedenfalls überzeugten etwa Spielmacher Jared Goff (238 Yards, zwei TDs) und auch wieder der Deutsch-Amerikaner Amon-Ra St. Brown, der mit 109 Yards und einem Score erneut seinen Status als zuletzt bestem Receiver Detroits unterstrich. Damit stach der Rookie zugleich seinen Bruder Equanimeous St. Brown aus. "EQ" kam mit zwei Catches an diesem Spieltag immerhin auf 22 erreichte Yards.
Mächtig Buhrufe kassierte unterdessen einmal mehr das gesamte Giants-Team (4:13), allen voran Head Coach Joe Judge. Denn die bereits nach vergangener Woche belächelten New Yorker (Stichwort "Clown-Show") verloren zum Abschluss nicht nur deutlich das interne NFC-East-Duell mit dem Washington Football Team (7:10) mit 7:22. Sie fielen zwischenzeitlich auch damit auf, dass Trainer Judge bei einem Third-Down-Versuch für neun Yards einen Quarterback Sneak ansagte - also komplett Risiko scheute. Das zog lautstarke Buhrufe nach sich.
mag