30.03.2022
Ein Trade des Quarterbacks kam bislang nicht zustande
Was wird aus Jimmy Garoppolo? Bei den San Francisco 49ers scheint er eigentlich keine Zukunft mehr zu haben. Ein Trade hat sich aber noch nicht ergeben. Es wird Geduld gefragt sein, denn niemand hat Grund, etwas zu überstürzen.

Das neue NFL-Jahr hat am 16. März begonnen und das, was nicht viele gedacht hatten, ist eingetreten: Garoppolo steht immer noch bei den San Francisco 49ers unter Vertrag. Obwohl (oder vielleicht auch gerade weil) das Quarterback-Karussell der NFL in der Free Agency Fahrt aufnahm wie selten zuvor, haben die 49ers noch keinen Abnehmer für den 30-Jährigen gefunden, dessen Pressekonferenz am Ende der vergangenen Saison deutlichen Abschiedscharakter gehabt hatte.
Und rund um den NFL Combine Anfang März nahmen die Gespräche mit möglichen Interessenten dem Vernehmen nach auch schon Fahrt auf. Die Nachricht, dass sich Garoppolo wegen einer im Divisional-Game in Dallas erlittenen Verletzung an der rechten Schulter operieren lassen müsste, erwischte die 49ers dann aber kalt. Und schreckte potenzielle Abnehmer ab, wie Lynch und Head Coach Kyle Shanahan am Rande des jährlichen Treffens der Ligabosse in Florida noch einmal betonten. So wurde es unter anderem von den Indianapolis Colts berichtet, die sich mit Matt Ryan anderweitig verstärkten.
"Wir haben versucht, einen Move zu machen und ein paar Draftpicks zu bekommen - und waren ziemlich nah dran. Aber der Eingriff hat die Dinge verändert", sagte Shanahan. Das Risiko, für einen Quarterback zu traden, der einen Großteil der Vorbereitung verpassen würde, wollte kein Team eingehen.
Alles zum wilden Quarterback-Karussell der NFL jetzt in der neuen Folge "Icing the kicker"
Und nun? Eigentlich schien es ausgemacht zu sein, dass zur neuen Saison Trey Lance als Starter übernehmen sollte. Der Rohdiamant von der North Dakota State University, für dessen Dienste die Niners vor dem Draft 2021 viel investiert hatten, reifte in seiner Rookie-Saison (wie geplant) noch hinter Garoppolo, sammelte Erfahrungen, machte sich mit Shanahans Spielsystem vertraut. Man sei begeistert von dem Fortschritt, den Lance bereits gemacht habe, betonen die Verantwortlichen der 49ers immer wieder.
Und Shanahan deutete am Dienstag mehrfach an, dass sich am ursprünglichen Plan nichts geändert habe. "Deshalb haben wir geschaut, ob wir Jimmy traden können, weil wir denken, dass Trey der Starter sein kann. Wir sind bereit das zu tun", sagte das Niners-Mastermind. Aber: "Wir werden Jimmy nicht nur einfach loswerden, um ihn loszuwerden." Das Team müsse dann schon anderweitig verbessert werden können (sprich durch Draftpicks als Gegenwert). "Gute Quarterbacks sind wirklich schwer zu finden. Manche Teams haben überhaupt keine", meinte Shanahan, erklärte aber, Lance werde "eher früher als später" der Starter sein.
Bestehen - aller Beteuerungen zum Trotz - vielleicht immer noch Zweifel, ob der 21-Jährige bereit für den Job als Starter ist? In den sogenannten OTAs und dem Minicamp kann sich Lance im Mai und Juni beweisen, da "Jimmy G" wegen der Schulter-OP definitiv noch fehlt. Und dann? Gehen die 49ers womöglich noch einmal mit ihm und Garoppolo in die Saison? Gibt es einen offenen Kampf um den Posten als Starter? Das erscheint weiterhin recht unwahrscheinlich - zumal Backup-Quarterback Nate Sudfeld mit einem Zwei-Millionen-Dollar-Vertrag ausgestattet wurde -, ist aber nicht komplett ausgeschlossen.

Erst einmal ist Geduld gefragt. Denn einen Trade-Markt für den (noch verletzten) Garoppolo gibt es derzeit nicht. Und "cutten", sprich ohne Gegenwert entlassen, werde man den Quarterback nicht. "Das sehe ich nicht", sagte Niners-GM Lynch, was er natürlich sagen musste, um nicht jeglichen Tradewert zu pulverisieren: "Dafür ist er ein zu guter Spieler."
So wird man in San Francisco nichts überstürzen und erst einmal abwarten bis Garoppolo gesund ist, der Draft über die Bühne gegangen ist und sich die Quarterback-Pläne anderer Teams im Laufe der Offseason womöglich ändern. Notfalls werden die Niners Garoppolo sogar mit ins Training Camp nehmen. Dass sich die 49ers einen Ersatz-Quarterback Garoppolo leisten wollen, der kommende Saison (ohne Umstrukturierung) mit knapp 27 Millionen Dollar Gehalt auf das Salary Cap schlägt, erscheint sehr unwahrscheinlich. Zumal es den Prozess, das Team an Lance zu übergeben, weiter aufhalten dürfte. Dazu sagte Shanahan: "Man muss sicherstellen, dass man seine Entwicklung nicht behindert." Das wissen natürlich auch die anderen Teams, die deshalb ebenfalls erstmal Ruhe walten lassen.
Um unter den Salary Cap zu kommen, braucht man Garoppolos Gehalt in der Bay Area dank der Umstrukturierung einiger anderer Verträge zwar nicht, bei den anstehenden kostspieligen Verlängerungen mit Wide Receiver Deebo Samuel und Defensive End Nick Bosa käme es aber sicher nicht ungelegen.
Wobei Lynch betonte, man könne auch mit Garoppolos derzeitigem Vertrag in die Saison starten. "Wir schätzen Stärke auf dieser Position", meinte er. "Um ehrlich zu sein: Als wir einen Trade dieser Größenordnung gemacht haben (den für den dritten Pick im Draft 2021), beinhalteten die meisten unserer Gedankenspiele nicht, dass Jimmy noch in unseren Büchern und in unserem Team sein würde. Nach einer Reihe von Ereignissen hat ein Trade nicht geklappt. Aber das muss nichts Schlechtes sein. Wir empfinden es als positiv und werden dafür sorgen, dass es funktioniert." Am besten mit Lance als Starter.
ski