04.08.2022
Entscheidung liegt bei Comissioner Rodger Goodell
Der Prozess um Quarterback Deshaun Watson von den Cleveland Browns geht in die nächste Runde: Die NFL hat Berufung gegen die Sechs-Spiele-Sperre eingelegt und fordert stattdessen eine härtere Strafe.

Wie bereits nach dem Urteilsspruch vermutet worden war, hat die National Football League (NFL) Berufung gegen eine Sechs-Spiele-Sperre für Deshaun Watson eingelegt. Am Montag hatte die Disziplinarbeauftragte Sue L. Robinson, die von der Liga und der Spielergewerkschaft NFLPA eingesetzt worden war, verkündet, dass der 26-Jährige aufgrund mehrerer Verstöße gegen die Verhaltensregeln der Liga die ersten sechs Spiele der kommenden Saison gesperrt würde.
In der Urteilsbegründung kam die ehemalige Richterin zwar zu dem Schluss, dass Watsons Verhalten zwar "ungeheuerlich", aber letztlich "gewaltfreies Sexualverhalten" gewesen sei. Watsons Benehmen falle deshalb nicht in die Kategorie des gewalttätigen Sexualverhaltens, das eine Minimalsperre von sechs Spielen nach NFL-Regularien mit sich ziehe.
Diesem Urteil hatte die Spielergewerkschaft, die zuvor auf Freispruch plädiert hatte, zugestimmt. Durch den Einspruch der NFL, die ihrerseits eine Sperre von mindestens einem Jahr fordert, liegt die endgültige Entscheidung nun bei Comissioner Roger Goodell. Er oder eine von ihm bestimmte Person kann dem Urteil der ehemaligen Bundesrichterin zustimmen oder eine härtere Strafe verhängen. Eines ist jedoch sicher: Das kommende Urteil ist final und rechtlich bindend.
Mindestens 24 Frauen werfen Watson vor, sie während seiner Zeit bei den Houston Texans sexuell missbraucht zu haben. Die dem Spielmacher vorgeworfenen Taten sollen sich zwischen März 2020 und März 2021 zugetragen haben. Eine strafrechtliche Anklage lehnten jedoch zwei Geschworenengerichte im US-Bundesstaat Texas ab.
Auf zivilrechtlicher Ebene hat sich Watson bereits mit 23 Frauen außergerichtlich geeinigt, ein weiterer Prozess war aufgrund der Auflage - die Klägerinnen hätten in der Anklageschrift ihre Namen nennen müssen - fallengelassen worden. Auch die Texans, denen vorgeworfen wurde, dass sie von den Vorwürfen gewusst und Watson gedeckt hätten, haben sich bereits mit 30 Frauen geeinigt.
Trotz der schweren Vorwürfe hatten die Browns Watson für drei Erstrunden-Draftrechte, einen Dritt- und einen Viertrundenpick aus Houston losgeeist und mit einem Fünfjahresvertrag über 230 Millionen US-Dollar ausgestattet.
cfr, dpa