06.09.2022
NFL 2022: Brady will den achten Ring - Neue Quarterbacks in Atlanta und Carolina
Altbekannte Gesichter sind weg, neue Namen und Hoffnungsträger dabei: Kehrt die NFC South wieder in erfolgreichere Zeiten zurück? Altmeister Tom Brady würde es freuen.

In einer um Höhepunkte und "Breaking News" nicht verlegenen Offseason geriet die eigentlich größte Nachricht fast schon in Vergessenheit. Der siebenmalige Super-Bowl-Champion und größte Quarterback aller Zeiten hatte seine Karriere beendet, um sie nur 40 Tage später wieder aufzunehmen. Tom Bradys Hunger auf Erfolge ist auch mit 45 Jahren noch nicht gestillt. Doch wie wahrscheinlich ist ein zweiter Ring mit den Bucs?
Head Coach Bruce Arians hat sich nach der Rückkehr des Spielmachers ins zweite Glied verabschiedet. Todd Bowles, bisher Defensive Coordinator, übernimmt nun die Hauptverantwortung an der Seitenlinie. Neu formiert ist außerdem die Offensive Line, im Fall von Center Ryan Jensen (Knieverletzung) gezwungenermaßen. Right Guard Alex Cappa (zu den Bengals) und Left Guard Ali Marpet (Karriereende) sind ebenfalls nicht mehr an Bord. Wenn Brady auf dem Football-Feld eine Sache nicht leiden kann, ist es Druck der Pass Rusher über die Mitte. Es wird also spannend, ob Tampa Bay dieses Problem lösen kann.
Auf der defensiven Seite ist das Bucs-Personal über jeden Zweifel erhaben und weiterhin ein wichtiger Baustein, warum das Team aus dem "Sunshine State" Florida zu den ganz großen Favoriten der NFC gehört. Die eigenen Ansprüche sind größer als eine Niederlage in der Divisional-Round (27:30 gegen den späteren Champion LA Rams). Brady selbst hat ohnehin immer nur das Größtmögliche vor.
Auch in Louisiana gab es einen Head-Coach-Wechsel. Nach 16 meist sehr erfolgreichen Jahren gab Sean Payton am Saisonende seinen Rücktritt bekannt. Mit Defensive Coordinator Dennis Allen folgt ein langjähriger Vertrauter auf den immer wieder als genialen Play-Caller geadelten Payton. Der Verlust wiegt schwer, unklar, wie ihn die Saints auffangen können. Hoffnungen legt man in New Orleans in die Hände von Jameis Winston. Der in Tampa Bay oftmals noch zu wild spielende Quarterback hat sich in der vergangenen Saison stabilisiert. Bis zu Winstons Kreuzbandriss stand das Team bei einer Bilanz von 5:2. An diese überzeugenden Auftritte soll der 28-Jährige wieder anknüpfen.
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Denn die Saints sind einmal mehr "All in" gegangen. Im Draft haben sie viel Kapital hergegeben, um zwei Picks an Land ziehen zu können. Tackle Trevor Penning (Pick Nr. 19) soll die O-Line stärken. Durch Chris Olave (Pick Nr. 11), das Comeback von Star-Receiver Michael Thomas und die Verpflichtung von Slot-Waffe Jarvis Landry sind die offensiven Möglichkeiten um ein vielfaches größer. Auch Alvin Kamara im Backfield wird die gegnerischen Defensivreihen wieder zur Verzweiflung bringen.
Für die Defensive konnte man einen großen Namen an Land ziehen: Der ehemalige LSU-Spieler und Safety Tyrann Mathieu ist nach Jahren bei den Cardinals, Texans und Chiefs zurück in Louisiana. Wenn die Saints diese Saison weitgehend von Verletzungen verschont bleiben und ein geräuschloser Übergang von Payton auf Allen erfolgen kann, sind deutlich mehr als die neun Siege aus 2021 möglich.
Manch ein Football-Fan wird sich beim Rückblick auf die vergangene Saison wohl fragen, wie dieses Team sieben Spiele gewinnen konnte. Denn im Kopf bleiben eher die peinlichen Auftritte gegen die Cowboys (3:43) und Patriots (0:25). Doch gegen vermeintlich etwas schlechtere Teams wie die beiden New Yorker Mannschaften, die Jaguars oder Washington wurde die Bilanz aufpoliert. Lag es an Head Coach Arthur Smith? Oder doch am ehemaligen MVP Matt Ryan? Letzterer ist in Atlanta jedenfalls Geschichte. Auch die Falcons gehörten wie Saints und Panthers zu den Teams, die sich vergeblich um Deshaun Watson bemüht haben. Nach diesem öffentlich gewordenen Flirt sah Ryan seine Zukunft nicht mehr bei den Falcons und verabschiedete sich nach 14 Jahren in Richtung Colts.
Für den Superstar lotste das Franchise gleich zwei potenzielle Nachfolger nach Georgia. Mit Marcus Mariota (ehemaliger Nummer-1-Overall-Pick) von den Raiders und Drittrunden-Pick Desmond Ridder (University of Cincinnati) sind nun deutlich agilere Spielmacher am Werk. Nach der Vorbereitung hat der erfahrenere Mariota die Nase vorn. Als Passempfänger stehen in erster Linie der im Vorjahr schon glänzend aufgelegte Tight End Kyle Pitts und Erstrunden-Receiver Drake London zur Verfügung. Russell Gage verlor man an die Bucs, während in Calvin Ridley der beste Spieler der Offense für ein Jahr gesperrt wurde.

Fragezeichen in der Offensive, doch die Defensive bleibt das große Sorgenkind. Mit Pass Rusher Grady Jarrett und Cornerback A.J. Terrell sind nur zwei der elf Positionen überdurchschnittlich besetzt. Die anderen Roster-Spots hat man auch im vergangenen Draft wieder adressiert, doch auf Defensive Coordinator Dean Pees wird wieder viel Arbeit zukommen, um eine halbwegs konkurrenzfähige Gruppe daraus zu formen. Für Atlanta sollte in jedem Fall der langfristige Aufbau und Erfolg im Vordergrund stehen. Bedeutet: Die Saison nutzen, um Mariota und Ridder zu testen. Wenn das Projekt nicht aufgeht, muss die so wichtige Suche nach einem Quarterback weitergehen.
Mit der Suche nach dem Quarterback ist man in Carolina bestens vertraut. Weder die teuer bezahlten Teddy Bridgewater und Sam Darnold waren die langfristige Antwort. Auch die Rückkehr von Cam Newton war nicht von Erfolg gekrönt. Nachdem Deshaun Watson kein Panther werden wollte, nahm man den vorherigen Browns-QB Baker Mayfield unter Vertrag.
An sechster Position wählten die Panthers in Ikem Ekwonu einen Left Tackle, der Mayfields Blind Side schützen soll. Auch Guard Austin Corbett soll die bislang wacklige Line stabilisieren. Große Hoffnungen ruhen traditionell auch auf Running (und Receiving) Back Christian McCaffrey, der zuletzt viel mit Verletzungen zu kämpfen hatte.
Viel junges Talent konnte das Team aus Charlotte in die Defense bringen. Doch diese Talententwicklung bedarf Zeit und Geduld. Hat Owner David Tepper diese Geduld mit Head Coach Matt Rhule? Etwas überraschend darf dieser in sein drittes Jahr gehen. Doch die Luft wird dünner. Die Entwicklung der Panthers in den letzten Jahren könnte man wohlwollend mit Stagnation umschreiben. Nun liegt es also auch in Mayfields Händen, wie es mit Carolina weitergeht.
mlr