27.10.2022
Seit 2002 steht Brady erstmals 3:4
Die Tampa Bay Buccaneers stecken tief in der Krise - nicht erst seit der jüngsten Vorstellung. Was zu einer deutlichen Statistik führt: Über zwei Jahrzehnte liegt ein ähnlich schlechter Start für Tom Brady schon zurück.

Sommerliche Temperaturen bei strahlend blauem Himmel in Charlotte: Die Voraussetzungen, den Turnaround nach nur einem Sieg aus den letzten fünf Partien zu schaffen, hätten für Quarterback Tom Brady und die Tampa Bay Buccaneers beim Auswärtsspiel bei den Carolina Panthers besser kaum sein können. Letztendlich verloren die Bucs deutlich mit 3:21 - und die Stimmen der Kritiker werden immer lauter.
Ein kalter, verregneter Herbsttag würde derzeit also wohl eher zur Gemütslage des Super-Bowl-Champions der Saison 2020/21 passen - inklusive der von Tom Brady. 32 Pässe bei 49 Versuchen brachte der 45-jährige Star-Quarterback im Panthers-Spiel zu seinen Mitspielern, ein Touchdown sprang dabei nicht heraus. Und das, obwohl Brady mit den Wide Receivern Mike Evans, Chris Godwin, Russell Gage und Running Back Leonard Fournette all seine namhaften Anspielstationen gehabt hat. Seit 2002, seiner ersten vollen Saison in der NFL, stand "TB12" niemals 3:4 nach Week 7, bei den Bucs gab es in den bisherigen zwei Spielzeiten mit Brady ebenfalls keine negative Bilanz.
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Zur ganzen Wahrheit gehört aber auch, dass der Spielmacher bei weitem nicht die alleinige Schuld an der prekären Situation der Bucs trägt. Sowohl auf, als auch neben dem Feld zeigten sich zuletzt immer wieder Spannungen zwischen den Offense-Spielern. So kam es unter anderem in Week 6 zu einer Auseinandersetzung an der Sideline, bei der der Spielführer der Buccaneers seine O-Line-Spieler laustark kritsierte. Auch das ein oder andere Tablet wurde von einem wütenden Brady schon geschmissen.
Denn auch am vergangenen Wochenende zeigte sich, dass bei der sonst so starken Offensive derzeit vieles nicht rund läuft. Völlig freistehend fand Brady seinen Star-WR Evans an der 25-Yard-Line, der den punktgenauen Wurf seines Quarterbacks nur noch kontrollieren und zur Endzone hätte tragen müssen. Doch genau das gelang dem vierfachen Pro-Bowl- und einmaligen Super-Bowl-Sieger nicht: Der Ball rutschte aus den Armen des selbst überraschten sowie noch nachspringenden Wide Receivers - und der Drive endete in einem Turnover. Eine sinnbildliche Szene für die zerrüttete Offense in Tampa Bay.
Im gesamten Spiel in Charlotte gab es elf Drives, sechsmal kam es zum Punt, einmal beendete die Pause, einmal das Spielende das Vorhaben. Ansonsten hieß es noch zweimal Turnover on Downs bei nur einem erreichten Field Goal für die mageren erreichten drei Punkte. Und dass liegt nicht unbedingt an "TB12 himself", denn der Oldie führt die gesamte NFC mit 1942 Yards an (nur eine Interception), kommt aber aufgrund der mangelnden Verbindung zu seinen Leuten nur auf acht Touchdowns und auf 17,7 Punkte im Schnitt pro Spiel.
Dass es in der Offensive mehrere Problemzonen gibt, erklärte auch Offensive Coordinator Byron Leftwitch in einer Medienrunde am Dienstag: "Wenn du als der, der wir sind, drei Punkte erzielst, dann ist es kollektiv. Wir müssen besser coachen, besser spielen und müssen uns der aktuellen Situation bewusst sein".

Dass es ein Franchise schwer hat zu gewinnen, wenn die Offense nicht abliefert, ist das eine. Nahezu unmöglich wird es aber, wenn dann auch noch die Defense einen rabenschwarzen Tag erwischt.
Die sonst so starke Defensive Tampa Bays bekam die Offense der Panthers nicht in den Griff - und das, obwohl diese auf mehrere wichtige Akteure verzichten mussten: Die verletzten Quarterbacks Baker Mayfield und Sam Darnold sowie die beiden frisch getradeten Robbie Anderson (zu den Arizona Cardinals) und Christian McCaffrey (zu den San Francisco 49ers) brachen hier schließlich weg. Dennoch brachte es die von Backup-Spielmacher P.J. Walker angeführte Offensive auf drei Touchdowns und ein Field Goal.
Doch die Bucs sind kein Einzelfall. Ein ebenfalls enttäuschter Star-Quarterback ist in Green Bay zu finden - Aaron Rodgers. Auch die Fans der Packers hatten vor dem Saisonstart hohe Erwartungen an ihre Franchise - und teilen sich nun die schlechte Stimmung mit den Buccaneers. Ähnlichkeiten sind dabei an mehreren Stellen zu finden: Zum einen gibt es auch bei "The Pack" Kritik innerhalb - so kam es beispielsweise in der Offseason immer wieder zu Trubel um Rodgers, der nach dem Abgang von Wide Receiver Davante Adams seinem Unmut freien Lauf ließ. Dazu kommt die identische Bilanz, denn auch die Packers stehen nach der siebten Woche bei 3:4.
Kurzum: Die beiden "NFL-Oldtimer" Brady und Rodgers stehen früh in dieser Regular Season und entgegen der eigenen und allgemeinen Erwartungshaltung mit dem Rücken zur Wand. Nun gilt es, zurückzuschlagen. Nur gelingt dieser Plan - allen voran für die Bucs? Die nächste Chance zur Wiedergutmachung hat Tampa Bay im Thursday Night Game - die Bucs empfangen am Freitag um 02.15 Uhr deutscher Zeit die Baltimore Ravens (28. Oktober).
kon