10.09.2023
NFL, Week 1: Rookie-Quarterbacks betreten die Bühne
Nach dem Auftaktspiel zwischen Super-Bowl-Sieger Kansas City und Detroit (20:21) nahm die neue Regular Season der NFL erstmals richtig Fahrt auf. Gleich acht Partien stiegen am frühen Sonntag - mit großen Erkenntnissen: Die 49ers erwiesen sich direkt als pures Powerhouse, während die Bengals und Vikings negativ überraschten.

Pittsburgh war trotz der mit massiver Qualität aufgeladenen AFC North nach einer gelungenen Preseason als eine Art "dark horse" angesehen worden - nicht zuletzt wegen einer starken Defense um TJ Watt oder vielversprechenden Offensivmännern wie Quarterback Kenny Pickett oder Receiver George Pickens. Doch sie alle mussten sich in dieser Week 1 klarmachen, dass eine etwaige Überraschungssaison erst ab Week 2 starten kann. Denn beim Heimspiel gegen die NFC-Giganten aus San Francisco gab es eine Abreibung.
Angeleitet von Brock Purdy, der vergangene Saison bis zu seiner bitteren Ellenbogenverletzung in den Play-offs als sogenannter "Mr. Irrelevant" überzeugt und schließlich auch für 2023/24 von Head Coach Kyle Shanahan als Anführer aufgestellt worden war, fuhr San Francisco ein deutliches 30:7 ein. Purdy erreichte starke 220 Yards und zwei Touchdowns und behielt nach einem Fumble (Hit von TJ Watt) die Übersicht und sicherte den Ball ohne Augenkontakt im Fallen vor seinem Gesäß. Eine Interception unterlief ihm nicht, seinem Gegenüber Pickett dafür gleich zwei (232 Yards, ein TD).
Ein Pfund in diesem Spiel war natürlich auch wieder die starke O-Line der Kalifornier, die Purdy die Zeit für seine zwei TD-Pässe (jeweils auf Brandon Aiyuk - 129 Yards) gab und Star-Running-Back Christian McCaffrey den Weg für einen Score und 151 Rushing Yards ebnete.
Apropos AFC North: Einer der Top-Favoriten auf die Divionskrone und zugleich ein Kandidat für einen Super-Bowl-Lauf sind die Cincinnati Bengals. Doch auch sie erlebten einen gebrauchten Tag zum Start der Regular Season und gingen im Dauerregen von Cleveland mit 3:24 komplett baden - es war bereits die sechste Niederlage aus den sieben Spielen seit 2020 in diesem divisioninternen Duell mit dem Beinamen "Battle of Ohio".
Star-Quarterback Joe Burrow, erst vor wenigen Tagen langfristig und teuer bezahlt, kam mit seinem Angriff im 100. NFL-Aufeinandertreffen dieser stolzen Franchises im Grunde zu nichts. Kein Witz: Der Spielmacher brachte nur 14 von 31 Zuspielen an den Mann - für kümmerliche 82 Yards. Top-Receiver Ja'Marr Chase (39 Yards) und Läufer Joe Mixon (56 Yards) reihten sich ein gegen eine bestens eingestellte Defense der Gastgeber.
Star-Verteidiger Myles Garrett packte dabei gleich vier Quarterback Hits für Burrow aus und stoppte im vierten Quarter einen finalen Aufbäumversuch mit einem bärenstarken Fourth-Down-Stopp, während die eigene Offense um QB Deshaun Watson (154 Yards, ein TD, eine Interception) Solides abspulte und sich allen voran auf Running Back Nick Chubb (106 Yards) verlassen konnte.
Eine weitere Überraschung servierten zum Start dieser Spielzeit die Buccaneers. Das Team aus Tampa Bay, das diese Saison nach dem endgültigen Karriereende von Tom Brady - 2023 ist zugleich die erste NFL-Saison seit 1999 ohne den siebenmaligen Champion - mit Starting Quarterback Baker Mayfield bestreitet, schlug in Minnesota zu und fügte dem amtierenden NFC-North-Sieger damit direkt vor den eigenen Fans einen 17:20-Nackenschlag zu.

Mayfield selbst war dabei auch der entscheidende Mann, warf für 173 Yards, erreichte zwei Touchdown-Pässe (einen auf Star-Receiver Mike Evans) und erlaubte sich keinen schwerwiegenden Fehler. Gegen Ende rannte der 28-Jährige gar selbst zu einem wichtigen First Down, das den Sieg endgültig klarmachte.
Streng genommen der Matchwinner war aber Kicker Chase McLaughlin, der zirka fünf Minuten vor Schluss aus 57 Yards zum 20:17 traf und ein unglübiges Staunen etwa auf das Gesicht von Minnesotas Anführer Kirk Cousins (344 Yards, zwei TDs, eine Int.) zauberte. Für die Vikes, mit 13:3 zuletzt klarer NFC-North-Champion, war das ein großer Rückschlag auf dem Weg zurück. Da halfen auch starke 150 Yards von Star-Receiver Justin Jefferson nicht - auch weil Cousins gleich zwei Fumbles unterliefen.
Die Zuschauer, die an diesem Sonntag einen Abstecher gen Atlanta gemacht hatten, wurden nicht enttäuscht. Ihnen wurde obendrein das vorgesetzt, was einhellig im Vorfeld dieser Regular Season erwartet worden war: Falcons-Laufspiel. Während Quarterback Desmond Ridder nur das Nötigste und dabei keine Fehler machte (15 von 18 Pässe angebracht, 115 Yards, ein TD), rannte der Rest drauf los. Running Back Tyler Allgeier spulte 75 Yards und zwei Touchdowns ab, sein Pendant Bijan Robinson kam auf 56 Yards und einen starken Touchdown-Catch.
Mit dem 24:10 für Atlanta beim Duell mit Carolina ging damit auch das Debüt von Bryce Young in die Hose. Der hoch eingeschätzte First Overall Pick der Panthers im diesjährigen Draft verbuchte nur 146 Yards und einen Touchdown, zudem unterliefen ihm zwei Interceptions (jeweils gefangen vom für teures Geld aus Cincinnati geholten Top-Safety Jessie Bates). Falcons-Läufer Robinson gewann das indirekte Duell der Rookie-Zukunftshoffnungen damit klar.

Saints vs. Titans (16:15): Aus neutraler Sicht kein Leckerbissen war der Vergleich zwischen New Orleans und Tennessee und damit zugleich der Vergleich zweier routinierter Quarterback. Aber: Saints-Neuzugang Derek Carr lieferte mit 305 Yards und einem Score (eine Int.) - darunter der späte starke Wurf zu Passempfänger Rashid Shaheed zum vorentscheidenden 16:9. Am Ende hieß es 16:15 für New Orleans, auch weil sich Titans-Spielmacher Ryan Tannehill (198 Yards, kein TD) gleich drei Interceptions erlaubte und Running-Back-Maschine Derrick Henry mit 15 Läufen nur magere 63 Yards auf die Kette brachte.
Colts vs. Jaguars (21:31): Mit einem Rookie-Quarterback starteten auch die Indianapolis Colts ihre Saison - mit Anthony Richardson (Fourth Overall Pick). Der 21-jährige Athlet mit großer Veranlagung lieferte auch auf überzeugende Art und Weise ab, verbuchte zwei Total Touchdowns und fast 300 Total Yards (eine Interception). Für den Sieg reichte es aber nicht, weil sich der jüngste Play-off-Teilnahmer aus Jacksonville auf den nach Sperre wegen illegaler Wetten einsatzbereiten Receiver Calvin Ridley (101 Yards, ein TD) ebenso verlassen konnte wie auf eine von Spielmacher Trevor Lawrence (241, zwei TDs, eine Int.) angeleitete Aufjoljagd zum 31:21-Heimsieg.
Commanders vs. Cardinals (20:16): Nach dem im Sommer vollzogenen Wechsel weg vom umstrittenen Besitzer Dan Snyder hin zu einer Ivestorengruppe rund um NBA-Legende Earvin "Magic" Johnson durfte Washington direkt einen Sieg feiern. Mit dem neuen Starting Quarterback Sam Howell, der neben einer Interception überzeugte (zwei Total TDs, über 200 Total Yards), gewannen die Hauptstädter gegen die wohl in einem Übergangsjahr stehenden Mannen aus Arizona.
Deren Spielmacher Joshua Dobbs, der Ersatzmann für den noch nicht einsatzbereiten Star Kyler Murray, kam auf magere 132 Yards und verlor den Ball im späteren Verlauf einmal. Selbstverständlich war der Sieg aber nicht, weil die Commanders gerade zu Beginn äußerst schlecht aufgetreten waren - viele Strafen, Turnovers, sechs kassierte Sacks.
Ravens vs. Texans (25:9): Und noch ein Rookie-Quarterback zum Abschluss - C.J. Stroud. Der Second Overall Pick aus Houston hatte mit seinen Texanern in Maryland aber wenig zu melden (242 Yards, kein TD, keine Int., fünf Sacks) und verlor verdient mit 9:25. Den Hausherren aus Baltimore reichte dabei offensiv eine überschaubare Leistung, Star-Quarterback Lamar Jackson erreichte nur knapp über 200 Total Yards. Dafür stürmte Running Back Justice Hill zweimal in die Endzone, ein weiterer Touchdown kam von JK Dobbins. Dieser sollte seinen Einsatz an diesem Tag aber noch teuer bezahlen. Denn Dobbins riss sich die Achillessehne, die Saison ist für den Running Back vorbei.
mag