08.10.2023
NFL, Week 5: Falcons gewinnen in letzter Sekunde
Nach dem zweiten London-Spiel und dem erneuten Sieg der Jaguars (25:20 gegen die Bills) stand die typische 19-Uhr-Schicht der NFL an. Dabei gab es neben einem souveränen Dolphins-Sieg trotz ein paar Fehlern vor allem zwei große Geschichten: Die Steelers schlugen den Ravens im intensiven AFC-North-Clinch ein Schnippchen - und die New England Patriots verloren via Shutout.

Auf aus neutraler Sicht schönen Sport darf man sich bei AFC-North-Duellen ohnehin nicht einstellen - erst recht nicht bei Vergleichen zwischen Steelers und Ravens. Der Clinch im Acrisure Stadium vor fast 70.000 Zuschauern, viele davon ausgestattet mit "terrible towels", war dafür nur das neueste Beispiel.
Bitter war dabei der Spielverlauf für die Gäste: Denn obwohl die Ravens als klarer Favorit angereist waren und nach Touchdown-Lauf von Justice Hill sowie Field Goal von Justin Tucker mit 10:0 klar auf Kurs gelegen hatten, sollten ihnen noch die Felle davonschwimmen. Und zwar komplett. Denn von Pittsburghs Team um Quarterback Kenny Pickett (224 Yards, ein TD, keine Int.), der nach Knieblessur in der Vorwoche rechtzeitig fit geworden war, folgten bis Spielende 17 "unanswered points" zum ausgiebig gefeierten 17:10-Sieg.
Natürlich hatte daran auch Spielmacher Pickett mit seinem Touchdown-Pass auf Receiver George Pickens (41-Yard-Score plus anschließende Two-Point-Conversion) seinen Anteil, die Matchwinner waren aber andere: die Defense-Maschinen aus "Steel City" um Star T. J. Watt (Fumble erobert).
Cornerback Joey Porter Jr. etwa verzeichnete spät im vierten Quarter gegen Lamar Jackson (236 Yards Passing, 45 Yards Rushing, kein TD) eine entscheidende Interception, während sich Baltimore insgesamt drei kostspielige Turnover leistete - zwei davon in den finalen fünf Spielminuten. Kurios: Auch wenn der Steelers-Angriff fast nichts unternahm - und das in der gesamten Saison im Grunde -, steht das Team von Mike Tomlin fortan wie auch die Ravens bei einer positiven 3:2-Bilanz.

Es brauchte kein großes Tippspiel-Können, um beim in dieser Week 5 auf den Sieger der Partie zwischen Miami und New York zu setzen. Auf der einen Seite stand schließlich die explosive und mit den meisten Punkten dekorierte Dolphins-Offense, auf der anderen Seite die Giants - diese hatten bis dato noch nicht einmal einen Touchdown in allen ersten Hälften erzielt.
Das immerhin sollte sich beim Gastspiel in Florida ändern: Safety Jason Pinnock hatte gegen Ende des zweiten Viertels eine Interception von Quarterback Tua Tagovailoa über unfassbare 102 (!) Yards als Pick Six in die gegenüberliegende Endzone getragen. Zu viel mehr abgesehen von drei Field Goals von New Yorks Kicker Graham Gano bei der 16:31-Niederlage reichte es aber nicht.
Was eben einmal mehr am Angriff der Dolphins lag: Der pfeilschnelle Rookie-Running-Back De'Von Achane verbuchte einen Touchdown-Lauf über 76 Yards und der ebenfalls kaum zu stoppende Star-Receiver Tyreek Hill erreichte bereits zum dritten Mal in dieser Saison 150 Yards (181 dieses Mal - TD inklusive).
Am Ende standen die von Mike McDaniel trainierten Fins bei 524 Total Yards - und stockten ihr Konto damit in dieser Saison auf famose 2568 Yards auf. Mehr hatte es in der NFL-Geschichte bis dato noch von keinem anderen Team an den ersten fünf Spieltagen gegeben. Zugleich verbesserte sich Miami auf 4:1 und schob sich an der umkämpften AFC-East-Spitze wieder an den Bills (3:2) vorbei, weil diese in London überraschend an den Jaguars verzweifelt waren.
Spielmacher Tagovailoa leistete sich neben dem Pick Six übrigens noch eine weitere Interception, warf aber auch für 308 Yards plus zwei Touchdowns. Der zweite davon fand übrigens den flinken Receiver Jaylen Waddle, der damit erstmals in dieser Saison einen Score erreichen konnte.

Dass es mit den Patriots seit dem Abschied von Legende Tom Brady (fünf Super-Bowl-Siege zusammen mit Head Coach Bill Belichick) etwas dahingeht, ist bekannt. So etwas sieht man aber doch selten: New England verlor an diesem Sonntag vor 64.628 Zuschauern im heimischen Gillette Stadium mit 0:34 gegen die New Orleans Saints (3:2). Null zu Vierundreißig - ein heftiger Shutout für die Pats, den die Fans mit lautstarken Pfiffen quittierten.
Während Running Back Alvin Kamara beim Saints-Comeback ein Touchdown gelang, erlebte allen voran Mac Jones einen Alptraum-Tag. Der in seinem dritten NFL-Jahr weiterhin von einigen kritisch beäugte Spielmacher der Patriots schaffte nur 110 Passing Yards, keinen Touchdown und erlaubte sich neben zwei Interceptions (davon ein Pick Six von Safety Tyrann Mathieu) auch einen Fumble.
Es gibt sogar noch schlimmere Zahlen für das stolze Franchise: Dieses 0:34 bedeutete den zweitgrößten Shutout der eigenen Geschichte nach einem 0:52 in Miami im Jahr 1972. Zum ersten Mal seit 2000 (!) rutschte New England außerdem auf 1:4 ab - das war Belichicks erste Saison im Amt. Und die teils fragwürdig agierende Angriffsabteilung, die es in fünf Spielen bislang noch nicht einmal auf mehr als 20 Punkte gebracht hat (so eine miese Bilanz gab es nur 1965, 1971, 1995) steht bereits bei zehn Turnovern in dieser Spielzeit.
Nachdem Atalanta zuletzt zweimal in Folge verloren hatte (6:20 in Detroit, 7:23 in London gegen Jacksonville), war wieder verstärkt über das kaum existente Passspiel in der Offensive um Spielmacher Desmond Ridder gesprochen worden. Das änderte sich dieses Mal eindrucksvoll: Ridder leistete sich keinen groben Schnitzer, warf für 329 Yards und verbuchte neben einem Touchdown-Pass einen Touchdown-Run.
Dadurch waren die Falcons in der Lage, die zuletzt hochgelobten Houston Texans um C. J. Stroud (249 Yards, ein TD, noch immer kein Pick in seiner Rookie-Saison - inzwischen Rekord) stets zu bearbeiten. Sieg inklusive: Mit Ablauf der Uhr versenkte Kicker Younghoe Koo aus 37 Yards das entscheidende Field Goal zum gefeierten 21:19-Erfolg, mit dem das Team bilanztechnisch auf 3:2 sprang.
Viral gingen im Anschluss viele Memes über "Ridder mit den zwei Gesichtern": Denn in der Tat sieht der 24-Jährige in der Fremde oft nicht gut bei seinen Aktionen aus, daheim aber läuft es viel besser - famose Statistik inklusive: Inklusive College hat der Quarterback noch kein (!) Heimspiel mit seinen Teams verloren. 31:0 lautet hier seine Bilanz.
Die Tennessee Titans (2:3) mussten sich mit 16:23 bei den Indianapolis Colts (3:2) geschlagen geben. Das Comeback von Indy-Running-Back Jonathan Taylor, der erst am Vortag durchaus überraschend einen großen Vertrag erhalten hatte und vorerst nur auf 18 Yards bei sechs Carries kam, geriet aber etwas in den Schatten. Damit auch der bombastische Auftritt von Läufer Zack Moss, der mit 165 Yards und zwei Touchdowns seinen Gegenüber Derrick Henry (43 Yards) komplett in den Schatten stellte. Der Grund: Rookie-Spielmacher Anthony Richardson verletzte sich an der Schulter und könnte dem Team unter Umständen länger fehlen.
Die Detroit Lions (4:1) untermauerten derweil noch ihren Status als Nummer 1 in der NFC North mit einem 42:24 gegen die noch sieglosen Carolina Panthers (0:5). Der alles überragende Spieler dabei: Quarterback Jared Goff mit 236 Yards, vier Total TDs und keinem Fehler. Stark allerdings auch Defensive End Aidan Hutchinson, der eine Interception verbuchte - und damit schon bei vier in seiner noch jungen Karriere steht. Mit seinen Defense-Kollegen machten sie dem First Overall Pick Bryce Young (247 Yards, drei TDs, zwei Int.) teils das Leben schwer.
Die Sorgen um Panthers-Spieler Chandler Zavala wurden derweil etwas kleiner. Der 24-jährige Guard war mit einer Verletzung am Nacken in Quarter eins vom Platz gefahren worden und kam für Untersuchungen ins Krankenhaus. Später hieß es, er könne seine Körperteile bewegen.
mag