18.03.2026
Poker auf die Zukunft
Der Trade von Jaylen Waddle ist nur eines von vielen Puzzleteilen, denn in Miami ist in der kommenden Saison nichts mehr wie es war. Damit führt Miami einen der größten Umbrüche in der Franchise-Geschichte fort.

Ein Dominostein nach dem anderen fällt in Miami - übrig bleibt ein frischer Wind, der bessere Zeiten verspricht. Doch funktioniert der Kehraus tatsächlich? Und geht der Poker durch die neue Führungsriege aus Green Bay tatsächlich auf?
Mit Jeff Hafley und Jon-Eric Sullivan haben zwei Ex-Packers das Ruder in Miami übernommen. Der frühere Defensive Coordinator und der ehemalige Vice President of Player Personnel kennen sich gut und haben bereits in kurzer Zeit gezeigt, dass sie auch unbequeme Entscheidungen treffen können. Dennoch birgt ein solcher Umbruch an der Spitze natürlich auch Gefahren - Hafley war noch nie Head Coach und ist im Gegensatz zu seinem Vorgänger ein defensiv geprägter Trainer. Auch Sullivan hat noch nie ein ganzes Franchise angeführt, auch wenn er natürlich ein absoluter Profi in der Kaderplanung ist. Beide müssen sich nun erst einmal beweisen.
Im Zuge der schwierigen Cap-Situation hat sich das Front Office kürzlich von Wide Receiver Tyreek Hill getrennt. Mit ihm verliert Miami nicht nur seinen explosivsten Offensivspieler, sondern auch das Symbol der aggressiven "Win-Now"-Strategie der vergangenen Jahre. Durch den Trade von Jaylen Waddle fällt nun zusätzlich ein weitere Offensiv-Waffe für die Zukunft weg, wenngleich man weitere Picks für den Draft 2026 gewinnt. Damit reihen sich die beiden Receiver in eine Liste an Abgängen ein, denn auch schon Pro Bowl Edge Rusher Bradley Chubb ist seit dieser Offseason Geschichte. Zudem wurde Star-Safety Minkah Fitzpatrick, den sie erst eine Offseason zuvor per Trade geholt hatten, sofort in einem Trade ohne große Kompensation wieder abgegeben.

Ganz überraschend kam die Trennung zwar nicht, dennoch leitet die Abkehr von Tagovailoa auf Spielerseite ganz offensichtlich den größten Umbruch in Miami ein. Mit 99,2 Millionen US-Dollar Dead Cap akzeptiert Miami bewusst einen historischen Preis für einen kompletten Neustart. Und der soll mit - Überraschung - einem Ex-Packers-Profi vonstatten gehen. Malik Willis wird der neue Starter bei den Dolphins, nachdem er zuletzt als Backup von Jordan Love fungierte. Auch hier zocken Hafley und Sullivan gewaltig, denn Willis startete in Green Bay in der vergangenen Saison nur einmal. Ob der 26-Jährige ein ganzes Team auf seinem Rücken tragen kann bleibt mindestens ein Fragezeichen.
Durch diverse Spielerentlassung wurde nicht nur der Cap-Hit enorm nach unten geschraubt und man hat das Franchise für die Zukunft wieder handlungsfähiger gemacht. Auch das Draft-Kapital ist enorm gestiegen: Mit zwei Erstrundenpicks und insgesamt neun weiteren Picks in 2026 kann der neue GM Ende April auf echte Shoppingtour gehen. Und klar, verletzungsgebeutelte Profis wie Chubb oder Hill waren kein erstklassiges Spielermaterial mehr. Doch der Umbruch hat auch Schattenseiten. Denn Miami verliert nicht nur in die Jahre gekommene Profis, sondern auch echte Leader im Locker Room und Gesichter der Franchise. So war Chubb eben auch Team-Captain und Waddle als auch Tagovailoa als Erstrundenpicks jahrelange Aushängeschilder. Die Dolphins läuten damit zwar ihren gewollten und benötigten Umbruch ein, doch der Ruf der Franchise nimmt dennoch einen harten Hit.
tih