16.02.2026
Cap-Entscheidung mit Signalwirkung
Mitten im strukturellen Neuaufbau der NFL-Franchise setzen die Miami Dolphins ein deutliches Zeichen: Bradley Chubb ist nicht länger Teil der Zukunftsplanung. Der Pro Bowl Edge Rusher wird entlassen - ein Schritt, der sportlich schmerzt, finanziell jedoch kaum vermeidbar war.

Dass in Miami harte Entscheidungen anstehen würden, war kein Geheimnis. Die Dolphins gehen mit minus 17,4 Millionen Dollar Cap Space in die Offseason und rangieren damit ligaweit nur auf Platz 29. Ohne einschneidende Maßnahmen - Releases, Restructures oder Trades - ist faktisch keine Handlungsfähigkeit gegeben.
Vor diesem Hintergrund waren personelle Einschnitte unausweichlich. Nun ist Bradley Chubb der erste Dominostein, der fällt. Die neue Führung setzt damit früh ein klares Zeichen: Der Rebuild beginnt nicht zögerlich, sondern konsequent.
Nach der Verpflichtung von General Manager Jon-Eric Sullivan und Head Coach Jeff Hafley war klar, dass in Miami kein kosmetischer Umbau bevorsteht, sondern ein echter Neustart. Die Entlassung von Bradley Chubb ist nun die erste große Personalentscheidung dieser neuen Führung.
Damit endet ein Kapitel, das im November 2022 mit einem aggressiven Trade von den Denver Broncos begann - inklusive eines Erstrundenpicks 2023. Damals stand Miami im "Win-Now"-Modus unter Mike McDaniel. Heute steht die Organisation vor einem finanziellen und strukturellen Reset.
Chubb hätte 2026 mit 31,2 Millionen Dollar gegen den Salary Cap gezählt. Durch die Entlassung sparen die Dolphins rund 7,3 Millionen Dollar ein - müssen jedoch 23,8 Millionen Dollar an Dead Money verbuchen.
Eine Post-June-1-Designation hätte theoretisch rund 20 Millionen Dollar Cap Space freigemacht. Allerdings wären dann 13 Millionen Dollar in das Jahr 2027 verschoben worden, und die Einsparungen für 2026 wären erst ab dem 2. Juni wirksam geworden. Für ein Team im sofortigen Umbau offenbar keine attraktive Option.
Schon im vergangenen Jahr befand sich Miami in einer ähnlichen Situation. Damals restrukturierte Chubb seinen Vertrag, akzeptierte eine Gehaltskürzung im Grundgehalt und ersetzte Teile davon durch leistungsabhängige Incentives. Nun geht die neue Führung konsequenter vor.
Rein sportlich war Chubb keineswegs ein Problemfall. Nach seinem Kreuzbandriss 2023 - den er sich in den letzten Minuten eines klaren Spiels gegen Baltimore zuzog - verpasste er die gesamte Saison 2024. 2025 feierte er jedoch ein starkes Comeback: 17 Starts, 47 Tackles, 8,5 Sacks und zwei Forced Fumbles.
Er führte das Team in Sacks an. In seinen zwei vollständigen Dolphins-Spielzeiten (2023 und 2025) kam er auf insgesamt 19,5 Sacks, acht Forced Fumbles und 120 Tackles.
Dennoch erfüllte er nie vollständig die Erwartungen eines Top-5-Draftpicks (2018) und zweifachen Pro Bowlers. Er war ein guter Spieler - aber kein dominanter Game-Wrecker, der eine Defense allein tragen kann. Genau das hatte man sich in der "Go-for-it"-Phase erhofft.
Chubb war Team-Captain und Miamis Nominierter für den Walter Payton Man of the Year Award 2025 - ein Zeichen seiner Bedeutung für die Kabine und das Umfeld.
Doch emotionale Bindung hilft wenig, wenn das finanzielle Fundament wackelt. Die Dolphins stecken in Salary-Cap-Problemen und verfügen gleichzeitig über einen Kader, der nicht konkurrenzfähig genug ist. Genau diese Diskrepanz zwingt zu harten Entscheidungen.
Chubb dürfte nicht der letzte prominente Name sein, der Miami verlässt. Tyreek Hill gilt als nahezu sicherer Kandidat für eine Entlassung oder einen Trade. Auch die Quarterback-Situation um Tua Tagovailoa ist offen.
Die neue Führung um Sullivan und Hafley sendet ein klares Signal: Kurzfristige Aggressivität wird durch langfristige Struktur ersetzt. Große Namen zählen weniger als finanzielle Flexibilität.
Für Bradley Chubb hingegen dürfte der Markt durchaus attraktiv sein. Mehrere Teams zeigten bereits zur Trade Deadline Interesse. Als 29-jähriger Pass Rusher mit nachgewiesener Produktion sollte er schnell ein neues Zuhause finden.
In Miami beginnt dagegen eine neue Ära - mit harten Schnitten und der Hoffnung, diesmal nachhaltiger zu bauen als in den Jahren 2022 bis 2024.
>> Von Salary Cap bis Super Bowl: Der komplette Guide zur NFL Offseason 2026
>> Offseason-Alarm in der NFL: Das sind die größten Needs aller 32 Teams
>> Eine neue Quarterback-Ära? Waren die Patriots nur Blender? Die Lektionen aus Super Bowl 60
>> Alle neuen Coaches und Verantwortlichen: Trainer-Karussell im Liveticker
>> NFL Draft Order 2026: Die offizielle Reihenfolge im Überblick
>> Schlagzeilen aus der NFL
mgs