vor 4 Stunden
Ausgerechnet diese beiden
Die AFC North gehört in dieser Saison zu den wohl überraschendsten Divisionen der NFL. Ausgerechnet die Cleveland Browns und die Pittsburgh Steelers, zwei Teams, die vor der Saison kaum jemand als ernsthafte Anwärter auf die Playoffs gehandelt hätte, stehen nach sieben Spieltagen gemeinsam bei 5:2. In Week 8 kommt es bereits zum Rückspiel - und plötzlich geht es nicht nur um die Vorherrschaft in der Division, sondern auch um eine wichtige Weichenstellung für die Postseason.

Dass dieses Duell schon so früh ein echtes Spitzenspiel ist, macht es besonders. Cleveland gewann das erste Aufeinandertreffen Anfang Oktober mit 27:24 und hält damit aktuell den direkten Vergleich. Pittsburgh ist seitdem allerdings ungeschlagen geblieben. Nun treffen beide Mannschaften in Pittsburgh erneut aufeinander. Der Sieger übernimmt die alleinige Führung in der AFC North und bringt sich in eine hervorragende Ausgangslage für den weiteren Saisonverlauf.
Dass beide Teams bei fünf Siegen aus sieben Spielen stehen, ist vor allem mit Blick auf ihre Offensiven bemerkenswert. Cleveland erzielt durchschnittlich nur 19 Punkte pro Spiel und steht damit auf Rang 28 der NFL. Auch Pittsburgh gehört mit 21,9 Punkten (Rang 22) nicht gerade zu den offensiven Schwergewichten der Liga. Bei den erzielten Yards liegen beide Mannschaften ebenfalls nur im unteren Mittelfeld.
Besonders kurios ist dabei die bisherige Saison der Browns. Vier ihrer fünf Siege kamen mit maximal drei Punkten Unterschied zustande. Zudem lag Cleveland in jedem bisherigen Spiel im vierten Viertel entweder zurück oder gleichauf. Die Mannschaft von Head Coach Todd Monken hat sich ihre positive Bilanz also immer wieder in engen Schlussphasen erkämpft. Dass sie trotzdem an der Spitze der AFC North steht, ist auch ein Verdienst ihrer Defense.
Die Steelers wirken dagegen etwas gefestigter. Unter dem neuen Head Coach Mike McCarthy haben sie zuletzt drei Siege in Folge eingefahren. Vor allem die Defense macht Pittsburgh zu einem ernsthaften Playoff-Kandidaten. Mit durchschnittlich 19,7 zugelassenen Punkten pro Spiel gehört sie zu den fünf besten Einheiten der NFL. Dazu kommen elf erzwungene Turnover und eine positive Turnover-Bilanz von plus vier.
Auch Cleveland muss sich defensiv nicht verstecken. Die Browns haben bislang 20 Sacks erzielt und gehören damit zu den besten Pass-Rush-Einheiten der Liga. Besonders auffällig: Gleich elf verschiedene Verteidiger konnten bereits mindestens einen Sack verbuchen. Dazu kommt eine starke Front, die mit 46 Tackles for Loss sogar die Liga anführt. Im ersten Duell bekam Aaron Rodgers das bereits zu spüren: Fünfmal wurde der Quarterback der Steelers zu Boden gebracht.
Diesmal könnte allerdings ausgerechnet das Laufspiel zum entscheidenden Faktor werden. Pittsburghs Jaylen Warren kommt bislang auf 561 Rushing Yards und durchschnittlich 5,5 Yards pro Lauf. Die Browns haben dagegen Probleme, explosive Läufe zu verhindern. Mit 28 zugelassenen Läufen über mindestens zehn Yards stellen sie in dieser Kategorie sogar den schwächsten Wert der Liga. Kann Pittsburgh diese Schwachstelle ausnutzen, dürfte das auch Rodgers entlasten.
Auf der anderen Seite muss Deshaun Watson gegen eine ebenfalls starke Steelers-Defense bestehen. Cleveland hat offensiv große Schwierigkeiten, insbesondere bei Third Downs. Nur 36 Prozent der entsprechenden Versuche werden in neue First Downs oder Touchdowns umgewandelt - der schwächste Wert der NFL. Pittsburgh wiederum lässt nur 19,7 Punkte pro Spiel zu und gehört bei den verhinderten Red-Zone-Touchdowns zu den besten Teams.
Ein Sieg wäre für beide Mannschaften enorm wichtig. Cleveland könnte mit einem Erfolg auf 6-2 stellen und den direkten Vergleich gegen Pittsburgh weiter für sich entscheiden. Die Steelers wiederum hätten bei einem Heimsieg ebenfalls sechs Siege auf dem Konto und würden die Browns in der Tabelle überholen. Gleichzeitig ist die AFC North längst kein Zweikampf mehr: Auch Cincinnati (4-2) und Baltimore (4-3) stehen noch mit positiven Bilanzen da.
Von einer mathematischen Playoff-Entscheidung kann in Week 8 natürlich noch keine Rede sein. Dafür ist die Saison zu lang und die Konkurrenz in der Division zu stark. Trotzdem könnte dieses Rückspiel rückblickend eines der wichtigsten Spiele der Regular Season werden. Zwei Teams, deren bisheriger Saisonverlauf kaum jemand vorhergesagt hätte, haben plötzlich die Chance, sich früh einen entscheidenden Vorteil im Playoff-Rennen zu verschaffen. Und das ausgerechnet in einer der traditionsreichsten Rivalitäten der NFL.
par